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Plüderhausen „Speisekammer“: Das erste Foodsharing-Angebot

Ein Osterhase und eine Flasche Saft warten schon auf neue Besitzer: Ann-Sophie Pallasch (links) und Johanna Lohrer stehen vor dem öffentlichen Lebensmittelschrank in der Grabenstraße. Foto: Zühr/ZVW

Plüderhausen. Osterhasen sind übrig, das Nudelpaket steht schon eine Weile herum, und von den Fischbüchsen wurden zu viele gekauft? Wer Lebensmittel übrig hat, und will, dass sie noch verwendet werden, kann nun in der Grabenstraße eine „Speisekammer“ befüllen. So heißt der Schrank, den eine Wohngemeinschaft von Studenten für Nahrungsmittel aufgestellt hat. Man kann hineinstellen, was man übrig hat, mitnehmen, was man brauchen kann.

Zucchini als Beilage, Zucchini im Kuchen, Zucchini als Reibekuchen: Im vergangenen Jahr war die Studenten-Wohngemeinschaft mit dem schnell wachsenden Gemüse bestens versorgt. Johanna Lohrer, eine Mitbewohnerin, hatte im Garten die Pflanzen selbst gezogen, und die Ernte fiel reichlich aus. So reichlich, dass sogar die Nachbarn Zucchini geschenkt bekamen.

Idee entstand mehr aus Spaß

Zunächst mehr aus Spaß, entstand die Idee, einen alten Schrank vor die Tür des früheren Bauernhauses, in dem die Studenten wohnen, zu stellen. In den Schrank könnte, was irgendwer zu viel oder falsch gekauft oder übrig hat, mitnehmen könnte es dann, wer vorbeikommt und es brauchen kann, so lautete die Idee für nicht benötigte Lebensmittel.

Nicht immer muss getauscht werden

Einige alte Möbel hatte die Wohngemeinschaft, darunter auch einen Schrank, den niemand benutzte.

Der alte Schrank ist nun in der Grabenstraße vor dem Haus der Wohngemeinschaft zu finden. „Speisekammer“, verkündet ein Schild auf seinem Deckel. Und an der Seitentür ist gleich das Prinzip erklärt: „Hunger? Nimm dir, was du magst.“ Das Tauschen von Lebensmitteln ist also möglich, aber nicht nötig. „Man darf sich mit gutem Gewissen etwas herausnehmen, ohne etwas hineinzulegen“, erklärt Ann-Sophie Pallasch, eine Studentin aus der Wohngemeinschaft, das Prinzip.

„Fragen wie die nach Nachhaltigkeit beschäftigen uns viel“

In der Wohngemeinschaft studieren einige Mitbewohner Philosophie. „Fragen wie die nach Nachhaltigkeit beschäftigen uns viel“, sagt Ann-Sophie Pallasch. Alle Mitbewohner sind Vegetarier, erzählt die 26-Jährige, es wird gemeinsam eingekauft und gekocht.

In der Umgebung gibt es wenige ähnliche Angebote

Eine Mitstudentin kannte vom Campus her die Idee, nicht benötigte Lebensmittel zur weiteren Verwendung öffentlich anzubieten, und hatte auch einige davon mitgebracht. Das bestärkte die Plüderhäuser Wohngemeinschaft darin, ihre Idee in die Tat umzusetzen. Im Internet stellten die Studenten fest, dass es nur wenige ähnliche Angebote in der Umgebung gibt. „Lass’ uns den Schrank vor die Tür stellen“, hieß es dann, und so geschah es. Die Türen wurden bemalt, zünftig schwäbisch ist sogar eine Brezel darauf zu finden.

Passanten in der Grabenstraße: "Der Schrank hat eine gute Lage"

Zur Einweihung, die am Dienstag gefeiert wurde, wurden auch die Nachbarn durch Flugblätter eingeladen. „Der Schrank hat eine gute Lage“, haben Johanna Lohrer und Ann-Sophie Pallasch festgestellt, denn viele Passanten kommen auf dem Weg zum Bahnhof durch die Grabenstraße.

Kommt im Sommer ein Kühlschrank?

Wenn die öffentliche „Speisekammer“ im Schrank gut angenommen wird von den Nachbarn und anderen, dann könnten sich die Studenten auch vorstellen, im Sommer einen Kühlschrank für Lebensmittel aufzustellen.

„Wir von der WG wollen schon jeden Tag hineinschauen“

Vorerst aber tut’s der Schrank. In den kann man Konserven, Tee, Kaffee, Nudeln, Reis, Brot, eben haltbare Lebensmittel oder auch mal Gartenfrüchte und -gemüse hineinstellen. Für Lebensmittel, die gekühlt werden sollten, also zum Beispiel Milch, Fleisch oder Fisch, ist der Schrank hingegen nicht gedacht. In der zweitürigen öffentlichen „Speisekammer“ soll es hygienisch zugehen, die Lebensmittel sollen gut nutzbar sein. „Wir von der WG wollen schon jeden Tag hineinschauen“, sagt Ann-Sophie Pallasch. Und versichert außerdem lächelnd: „Das soll kein Essensspender für die WG sein.“

Ohne Geld

Man kann Lebensmittel aus dem Schrank nehmen, ohne dafür Geld zu hinterlegen. Wer etwas Essbares hineinlegen oder mitnehmen möchte, kann das einfach tun und muss auch nicht bei der WG klingeln.

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