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Privatgeräte im JobNur mit dem Segen des Chefs

Michael Vogel, vom 03.06.2012 15:09 Uhr
So mancher Mitarbeiter entflieht der Steinzeit-IT in seiner Firma, indem er seine privaten, modernen Geräte benutzt. „Bring your own device“ ist aber nicht unproblematisch und wirft eine Menge rechtlicher, technischer und organisatorischer Fragen sowohl für den Arbeitnehmer wie für den Arbeitgeber auf. Foto: Voller Ernst
So mancher Mitarbeiter entflieht der Steinzeit-IT in seiner Firma, indem er seine privaten, modernen Geräte benutzt. „Bring your own device“ ist aber nicht unproblematisch und wirft eine Menge rechtlicher, technischer und organisatorischer Fragen sowohl für den Arbeitnehmer wie für den Arbeitgeber auf.Foto: Voller Ernst

Mainz - Eine wachsende Zahl von Arbeitnehmern durchlebt verglichen mit dem Privatleben im Berufsalltag einen technischen Rückschritt bei der IT-Ausstattung. Da wundert es nicht, dass mancher sein geliebtes Smartphone oder Tablet-PC für die Arbeit verwendet: zum Beispiel um E-Mails zu lesen, um schnell noch ein Dokument zu überarbeiten oder um auf die Kundendaten des Customer-Relationship-Management-Systems zuzugreifen. IT-Beratungsunternehmen gehen davon aus, dass dieses Konzept des „bring your own device” keineswegs eine Randerscheinung bleibt, sondern an Bedeutung gewinnen wird, weil eben auch die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben zunehmend zerfließen. Doch darf man als Arbeitnehmer sein Privatgerät überhaupt für berufliche Zwecke nutzen, ohne dass der Arbeitgeber dem zugestimmt hat?

Vertragsstrafen zwischen 20.000 und 50.000 Euro sind keine Seltenheit

Eindeutig nein, sagt Christian Welkenbach, Fachanwalt für IT-Recht in der Mainzer Kanzlei Res Media, die sich auf IT- und Medienrecht spezialisiert hat. „Die Nutzung privater Geräte für den dienstlichen Gebrauch ist grundsätzlich verboten, außer der Arbeitnehmer hat die Arbeit im Home-Office und die dortige Nutzung privater Geräte wie zum Beispiel ein Smartphone mit seinem Arbeitgeber vereinbart.” Wer sich daran nicht halte, riskiere eine Abmahnung, womöglich die Kündigung oder Schadenersatzforderungen, wenn dem Arbeitgeber ein nachweislicher Schaden durch die nicht erlaubte Nutzung des Geräts entstanden sei. „Haftet der Arbeitgeber womöglich gegenüber Geschäftspartnern wegen der Verletzung von Geheimhaltungspflichten - Vertragsstrafen zwischen 20.000 und 50.000 Euro sind da keine Seltenheit -, kann er den Arbeitnehmer gegebenenfalls in Regress nehmen, wenn dieser schuldhaft seine im Arbeitsvertrag festgeschriebenen Pflichten verletzt hat”, erläutert Welkenbach. „Im Extremfall macht sich ein Arbeitnehmer sogar strafbar wegen des Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen.” So ein Fall kann zum Beispiel eintreten, wenn ein Arbeitnehmer sein privates Smartphone verliert und darauf unerlaubt sensible Kundendaten unverschlüsselt gespeichert hat.

Völlig neue arbeitsrechtliche Situationen treten durch den Fortschritt der Informationstechnologie nicht zum ersten Mal auf. Ende des letzten Jahrhunderts ging es um die Regelung der privaten E-Mail- und Internetnutzung am Arbeitsplatz, in den vergangenen Jahren um Richtlinien für die Nutzung von Sozialen Medien im beruflichen Kontext. Allerdings sind diese Fälle nicht mit der Verwendung privater Geräte bei der Arbeit vergleichbar: „Im einen Fall nutzt der Arbeitnehmer nämlich dienstliche Einrichtungen für private Zwecke, während er im anderen Fall private Geräte für dienstliche Zwecke verwendet”, sagt Welkenbach. Ein Arbeitnehmer tut also gut daran, sich vom Arbeitgeber die explizite schriftliche Zustimmung einzuholen, dass er private IT-Geräte beruflich nutzen darf.

Trend zu „bring your own device” hält sich auf Arbeitgeberseite in Grenzen

Die Begeisterung über den Trend zu „bring your own device” hält sich auf Arbeitgeberseite verständlicherweise in Grenzen. „Die IT- und Sicherheitsverantwortlichen sehen natürlich die Risiken und technischen Hürden”, sagt Andreas Zilch, Lead Advisor beim IT-Beratungsunternehmen Experton Group. Erlaubt nämlich ein Unternehmen die Nutzung privater Endgeräte, muss es technisch dafür sorgen, dass sich diese Endgeräte zentral verwalten lassen und eine saubere Trennung von privaten und betrieblichen Daten möglich ist. Denn die privaten Daten sind für den Arbeitgeber natürlich weiterhin tabu.

Gleichzeitig muss die IT-Abteilung aber auch sicherstellen können, dass eine App, die der Arbeitnehmer privat auf seinem Smartphone oder Tablet-PC installiert, kein Sicherheitsrisiko für die IT-Systeme im Unternehmen darstellen kann. Für den Arbeitgeber kann sich durch private Endgeräte sogar eine neue Situation bei den Softwarelizenzen ergeben: „Steht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen des Softwareherstellers, dass ein lizenziertes Programm nur auf Hardware betrieben werden darf, die Eigentum des Unternehmens ist, so darf diese Software grundsätzlich nicht auf Geräten betrieben werden, die sich im Eigentum des Mitarbeiters befinden - das Unternehmen verstößt sonst gegen die AGB des Softwareherstellers”, erklärt Welkenbach.

„Richtlinien sollten genau regeln, was erlaubt und was verboten ist”

Trotz der rechtlichen, technischen und organisatorischen Hürden, die der Einsatz privater Endgeräte in Unternehmen mit sich bringt, geht Experton-Berater Zilch davon aus, dass sich der Trend in den kommenden Jahren verstärken wird: „Insbesondere die Personalabteilungen forcieren das Thema. Die Unternehmen können sich dadurch als attraktive Arbeitgeber positionieren, gleichzeitig sind die Mitarbeiter noch bequemer überall und auch außerhalb der Kernarbeitszeiten erreichbar.” Allerdings eigne sich „bring your own device” in den meisten Fällen nur für Teilbereiche eines Unternehmens und bedeute einen erheblichen Aufwand.

Es dürfte in den kommenden Jahren also immer mehr Unternehmen geben, die entsprechende Regelungen für die berufliche Nutzung privater Geräte ausarbeiten. „Solche Richtlinien sollten genau regeln, was erlaubt und was verboten ist”, sagt Welkenbach. Welche Daten, Programme und Dienste ein Arbeitnehmer auf dem Privatgerät nutzen darf, wie die Trennung zwischen privaten und beruflichen Daten gewährleistet wird, wie bei Verlust des Geräts vorgegangen wird und welche Kontrollmöglichkeiten des Arbeitgebers eingeschränkt werden. „Letzteres kann zum Beispiel das Tracking betreffen, das ja aufgrund der integrierten GPS-Empfänger der Smartphones technisch prinzipiell möglich wäre.” Darüber hinaus sollte die Regelung festschreiben, welche Kosten der Arbeitgeber aufgrund der dienstlichen Nutzung des Geräts übernimmt - was wiederum steuerliche Folgen hat, weil dem Arbeitnehmer womöglich ein geldwerter Vorteil entsteht.

Und: Regelungen zu „bring your own device” sind grundsätzlich auch mitbestimmungspflichtig.

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