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RedaktionsgesprächVideo: Sigmar Gabriel im Redaktionsgespräch

ZVW, vom 05.02.2013 13:27 Uhr
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Sigmar Gabriel im ZVW Redaktionsgespräch. Foto: Bernhardt / ZVW
Sigmar Gabriel im ZVW Redaktionsgespräch.Foto: Bernhardt / ZVW

Waiblingen. Jetzt schon Bundestagswahlkampf? Ja, langsam geht’s los. SPD-Chef Sigmar Gabriel war gestern in Waiblingen. Im Redaktionsgespräch erklärte er, warum ein Sozi von heute Gerhard Schröder immer noch gut finden darf, nannte die Kanzlerin eine „professionelle Anscheinserweckerin“, predigte soziale Gerechtigkeit und erzählte von Kalle Schimanski aus Dortmund-Nordost.


Im Gespräch mit Sigmar Gabriel ist das Wie spannender als das Was. Natürlich darf ein Journalist in so einem Geplänkel nicht hoffen, einen derart ausgefuchsten Profi auf dem falschen Fuß zu erwischen, natürlich kennt der Kerl alle Fragen, die unsereins so stellt, längst auswendig (und wir ahnen ungefähr, was er antworten wird). Wie er’s macht, ist dann aber doch faszinierend.

Eine gelassene Wucht strahlt er aus, wie er da so sitzt – umso verblüffender entfaltet sich die Gedankenschnelligkeit, mit der er Frageformulierungen aufgreift, argumentative Stoßrichtungen umbiegt, rhetorische Spitzen entschärft. Ein Konterspieler: Am wohlsten scheint er sich zu fühlen, wenn er den Schwung eines gegnerischen Angriffs auffangen und für sich nutzen kann.

Ein Beispiel: Die Oppositions-SPD intoniert derzeit endlich wieder mit Inbrunst ihr klassisches Lied von der sozialen Gerechtigkeit – als die Partei aber in der Regierung war, folgte sie, wenn auch unter depressivem Basisgrummeln, dem „Genossen der Bosse“ Gerhard Schröder. Wie geht wohl ein aktueller SPD-Chef mit diesem Agenda-2010-Erbe um? Man könnte es als Journalist ja mal mit einem vergifteten Lob probieren – Herr Gabriel, immer wieder hört man von Unternehmern: Der letzte große Reformer in der deutschen Politik war Schröder, und jetzt . . .

Dieser Schröder ist dann doch wieder okay

„Das ist ja schon mal richtig“, lobt Gabriel lässig zurück – und führt ein virtuoses Zauberkunststück politischer Umdeutungsrhetorik auf: Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe war richtig, daneben gab es „sicherlich auch Dinge, die nicht vernünftig“ waren, zum Beispiel die Enthemmung von Leih- und Zeitarbeit, die leider einen „riesigen Niedriglohnsektor“ produziert hat – die eigentlich „historische Leistung“ Schröders aber sei sowieso eine ganz andere gewesen: In Zeiten, da alle Meinungsmacher die Old Economy untergehen sahen und Telekommunikation, Internet, Finanzmärkte als die Zukunft beschworen, habe Schröder „diesen Unfug nicht mitgemacht“, sondern Deutschland als „Industriestandort“ bewahrt. In Großbritannien dagegen . . . So verwandelt Gabriel den mit Tony Blairs Liberalisierungsideen flirtenden Kaschmir-Kanzler in den guten, alten Arbeiterführer Gerhard „Acker“ Schröder zurück, mit dem sich im Wahljahr 2013 bestens leben lässt

Zur Person

Sigmar Gabriel, geboren 1959 in Goslar, ist eine der profiliertesten Persönlichkeiten der aktuellen Sozialdemokratie: Der Parteivorsitzende war von 1999 bis 2003 Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und von 2005 bis 2009 Bundesumweltminister.

Vor einigen Wochen sprach Sigmar Gabriel erstmals mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ über sein lebenslanges Leiden an seinem Vater, der den Sohn als Kind der geschiedenen Mutter entziehen wollte, ein Tyrann war – und ein unverbesserlicher Nazi. Aus jener Zeit, sagte Sigmar Gabriel, sei ihm „ein fast unbändiger Zorn“ geblieben, wenn er etwas als ungerecht empfinde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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