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Kernen. „Krieg im Wald“, so haben wir neulich den Zwist zwischen Wanderern und Mountainbikern genannt. Wie aber ließe sich Frieden schaffen? Ein erster Schritt wäre es, Verständnis für die Belange der anderen zu entwickeln . . . Gestandene Albvereinler erzählen.
Bevor Helmut Metzger auf „seinen“ Wegen in den Wald geht, zum Kernenturm rauf, holt er erstmal eine Hacke aus dem Kofferraum. „Falls ebbes onderwegs isch.“ Man weiß ja nie, wo’s was zu scharren und zu pflegen gibt, eine Wasserrinne nachzuziehen oder einen Ast aus dem Weg zu zerren. Metzger ist Wegewart beim Schwäbischen Albverein, er schreitet regelmäßig die Pfade ab, erneuert hier ein Täfelchen, schüttet da eine Wasserkuhle zu. Das Verhältnis zwischen den Mountainbikern und ihm lässt sich etwa so beschreiben: „Ich mach’ ihnen den Weg frei“ – und sie machen ihm die Arbeit. „So isches.“ Er lacht.
Immer mehr Wegewarte, erzählt der Rems-Murr-Gauvorsitzende Roland Luther, „fangen an, sich zu weigern“. Sie sagen: Heute richte ich den Weg, morgen ist er verackert. Wenn eine Gruppe Mountainbiker einen regenfeuchten Traufpfad umgräbt – „so viel Rindenmulch kannst du gar nicht hinterherschmeißen.“
Wenn’s an die Wegepflege geht, sagt Gau-Vize Hans-Günter Rieske, habe er noch nie einen Mountainbiker gesehen, der zur Schaufel griff. „Für unsere Leute ist das frustrierend.“
Der Kernen, die höchste Erhebung des Schurwalds, ist wochenends ein Dorado für Mountainbiker. Oben am Kiosk neben dem Turm prangt die Werbung eines Bikershops, am schwarzen Brett hängt eine Höhrenprofil-Skizze: Der Berg heißt darauf „K2ernen“, in Anlehnung an den Himalaya-Gipfel K2. Ganz oben, das ist die „Todeszone“. Von hier aus kann man runterbrettern, auf zwölfprozentiger Gefällstrecke bis ins „Basislager“. Aber in diesem Gelände gibt es „fünf verschiedene geologische Schichten“, erklärt Hans Schniepp, der Vorsitzende der Albvereinsgruppe Rommelshausen, „ganz sensibel“. Und wenn von oben ein Radler kommt, kann der Fußgänger bloß noch in Deckung gehen. Auch für die Biker ist die Sturzpiste nicht ohne Tücken. „Ich hoffe, dass ihnen nicht viel passiert“, sagt einer der Albvereinsleute. „Aber n paar blaue Flecken sollen sie ruhig haben.“
An einem Baum ist ein Radfahrverbotsschild befestigt, in einer Höhe, dass man nur mit der Bockleiter drankommt. Schon mehrmals war das Ding runtergerissen. Wer tut sowas? „Wanderer sicher nicht. Wir rahmen’s höchstens ein.“ Gelächter.
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