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Waiblingen. Eine verstärkte Jagd auf Füchse lief in den Revieren des Kreisjägerverbands Waiblingen bis vergangenes Wochenende. Solche „Fuchswochen“ gibt es im im Frühjahr bundesweit, stets kritisch begleitet von dem Wildtierschutz Deutschland e.V., der auch dieses Jahr seine Forderung nach einer Schonzeit für Füchse von 1. Januar bis 30. September wiederholt hat. Die Initiative sieht den Fuchs nicht als zu bekämpfenden Schädling, sondern als Nützling.
Mindestens 80 Füchse sind im Altlandkreis Waiblingen in der zurückliegenden „Fuchswoche“ 2012 erlegt worden. „Genaue Zahlen haben wir erst in ein paar Tagen“, so Kreisjägermeister Günther Heissenberger. „Es waren auf jeden Fall viel weniger als vergangenes Jahr, wo’s kälter war und Schnee hatte. Da lässt sich der Fuchs noch besser bejagen“ – 150 tote Füchse waren im Rahmen der Fuchswoche im Januar 2011 zusammen gekommen. Konstant circa 1400 Füchse werden insgesamt jedes Jahr im Altlandkreis durch Jäger erlegt, so Heissenberger. Laut Wildtierschützern fallen bundesweit Jahr für Jahr 600 000 Füchse der Jagd zum Opfer.
Völlig unnötig und moralisch verwerflich findet das der Verein Wildtierschutz Deutschland und fordert eine Schonzeit für Füchse. Die Forderung wird von rund 70 Organisationen und Gruppen unterstützt (siehe untenstehenden Artikel), zum Beispiel auch von der ÖDP. „Die sogenannten Argumente der Jäger für die Fuchsjagd sind schlichtweg falsch, sie dienen als Feigenblatt und sind lediglich eine Strategie, von den wahren Beweggründen für die Jagd abzulenken“, sagt Dag Frommhold aus Neuffen im Landkreis Esslingen, einer der Initiatoren der Schonzeit-Forderung. Guido Klamt, Geschäftsführer der ÖDP Rems-Murr, sieht das genauso: „Tatsache ist doch vor allem, dass Jäger Spaß an der Jagd haben.“ Frommhold spricht gar von der „Lust an der archaischen Tätigkeit des Beutemachens.“ Da müsse man sich nur die Inhalte von Jäger-Foren und einschlägigen Zeitschriften anschauen, um dies bestätigt zu bekommen.
„Wenn die Jäger das jedoch zugeben würden, dann wäre der Aufschrei groß, deshalb stellen sie andere Behauptungen auf, um Rückhalt in der Bevölkerung zu finden“, sagt Frommhold. „Sie stellen den Fuchs als gefährlichen Schädling dar, der bedrohtes Niederwild wie Rebhuhn oder Hase reiße. Und: Der Bevölkerung Angst machen, zieht ja auch immer gut: Früher war’s die Tollwut, jetzt ist’s der Fuchsbandwurm.“
Für Guido Klamt ist gerade der Fuchsbandwurm das absurdeste Argument überhaupt: „Sollen sie doch genauso, wie früher bei der Tollwut, gegen den Fuchsbandwurm Impfköder verteilen. Das würde viel besser funktionieren, aber wäre für die Jäger halt viel aufwändiger und weniger spaßig.“
Und von wegen Überpopulation der Füchse: Es gebe eine ganze Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen, die belegten, dass die Geburtenrate der Füchse eng mit ihrer Sterberate zusammenhänge, so Klamt und Frommhold übereinstimmend. Will heißen: Je mehr Füchse gejagt werden, desto mehr Nachwuchs bringen sie im kommenden Jahr zur Welt. „Das konkrete Ergebnis einer Studie der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald lautet: In Gebieten, in denen der Fuchs nicht bejagt wird, bleibt die Fuchs-Population konstant“, sagt Frommhold. Ein anderer Beweis: Auch früher habe der Fuchs keine relevanten Feinde gehabt und sich trotzdem nicht über alle Maßen vermehrt. Dann habe die Tollwut um sich gegriffen und diese sei in der Form bekämpft worden, dass gnadenlos Jagd auf die Füchse gemacht worden sei. „Füchse wurden sogar in ihren Bauten vergast“, so Frommhold. Das Ergebnis wiederum: eine gerade deshalb steigende Fuchspopulation. Die Methode wurde dann geändert: Durch flächendeckende Verteilung von Impfködern sei die Tollwut jetzt kein Problem mehr, trotzdem bejagt man den Fuchs weiterhin. Dafür müssen nun andere „Scheingründe“ herhalten, sind sich Klamt und Frommhold einig.
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