Rems-Murr-Sport 15-jähriger Motorradsportler Aaron „Slight“ Schäfer

Thomas Wagner, 18.03.2017 00:00 Uhr
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Aaron Schäfer jagt seine KTM RC 390 durch die Kurve. Nach dem neunten Rang im ersten Jahr beim ADAC-Junior-Cup strebt der 15-jährige Buhlbronner in der neuen Saison einen Podestplatz an. Foto: Mike Lischka
Aaron Schäfer jagt seine KTM RC 390 durch die Kurve. Nach dem neunten Rang im ersten Jahr beim ADAC-Junior-Cup strebt der 15-jährige Buhlbronner in der neuen Saison einen Podestplatz an.Foto: Mike Lischka

Aaron „Slight“ Schäfer ist erst 15 Jahre alt, sein großes Ziel hat der Buhlbronner jedoch bereits fest vor Augen: Irgendwann möchte er in der Moto GP fahren, der Königsklasse des Motorrad- Straßenrennsports. Der Realschüler gehört zum Förderkader der ADAC-Stiftung Sport und startet im zweiten Jahr im ADAC-Junior-Cup.

Video: Der 15-jähriger Motorradsportler Aaron Schäfer.

Besonders überraschend war’s nicht, dass Aaron Schäfer im Motorradrennsport landen würde. Schließlich war sein Vater Mike einst erfolgreich in der Supersport-Klasse unterwegs gewesen. Und bei der Geburt des Sohnes hatte der Name schnell festgestanden: Aaron, angelehnt an Mike Schäfers Idol, den neuseeländischen Superbike-Fahrer Aaron Slight.

Zum ersten Mal auf einem Motorrad saß Klein-Aaron mit vier Jahren, auf einer Motocross-Maschine düste er über die heimischen Wiesen in Schorndorf-Buhlbronn. Irgendwann besuchte die Familie ein Rennen in Schnaitheim. „Da kam dann die Mama ins Spiel“, sagt Aaron Schäfer und grinst. Die fand es weniger lustig, wie andere Mütter ihren kleinen Söhnen den Dreck aus den Klamotten pulten – und hatte keine große Lust, künftig den Job der Waschfrau zu übernehmen.

„Zuschauen ist schlimm, nicht zuschauen aber auch“

Also musste sich der Sohn eine andere Disziplin suchen – und blieb 2011 beim Mini-Bike-Cup hängen, einer deutschlandweit ausgeschriebenen Einstiegsklasse in den Straßenrennsport. Im vierten Jahr holte sich Aaron Schäfer den Titel. „Das war natürlich ein Highlight“, sagt er.

Anteil am Erfolg hatte die ganze Familie. „Das geht nur, wann alle dahinterstehen“, sagt der Vater. Die zwei Jahre jüngere Schwester Amelie ist bei den Rennen ebenso dabei wie die Mutter, die für die Organisation zuständig ist. Wie alle Mütter, so habe auch sie ein bisschen zu kämpfen mit sich, verrät Aaron Schäfer. „Sie sagt immer, zuschauen ist schlimm, nicht zuschauen aber auch.“

ADAC Stiftung Sport fördert Aaron Schäfer seit 2016

Endgültig ins Rampenlicht fuhr Aaron Schäfer vor zwei Jahren. Der Verband hatte ihn für die FIM-Mini-Bike-Europameisterschaften nominiert, die aus insgesamt sechs Rennen in Holland und Italien bestand. Die ersten beiden Läufe gewann der 15-Jährige überraschend und landete im Gesamtklassement auf dem dritten Rang. Die Belohnung folgte rasch: Die ADAC-Stiftung Sport nahm Aaron Schäfer 2016 in ihren Förderkader auf.

Unterstützt werden die Fahrer nicht nur finanziell. Zum Programm gehören unter anderem Technik-Seminare, Trainingsplanung, Sponsoren-Akquise, Medienschulung, Karriereplanung, Wettkampfvorbereitung, Ernährungsberatung, mentale Fitness – und ein Eltern-Coaching-Gespräch. Hier geben Eltern erfolgreicher Rennfahrer ihre Erfahrungen an andere Eltern weiter. „Das ist eine gute Sache“, sagt Mike Schäfer. „Man muss darauf vorbereitet sein, irgendwann loszulassen.“ Noch ist es nicht so weit, den einen oder anderen Rat des Vaters kann Aaron Schäfer noch gebrauchen. Auch im ADAC-Junior-Cup, in dem er seit 2016 startet. Die Serie gilt als kostengünstige Klasse und Sprungbrett für die weitere Karriere.

Körperliche Fitness ist Grundvoraussetzung

Der Umstieg habe ihm wenig Probleme bereitet, sagt Aaron Schäfer. Das Motorrad ist größer – und schneller: Mit 170 km/h statt wie bisher 120 rast er über die Piste. „Dafür ist die Strecke breiter.“ Körperliche Fitness ist die Grundvoraussetzung, um den Belastungen standzuhalten. Zwei Fitness- und eine bis zwei Ausdauereinheiten pro Woche stehen auf dem Programm.

In der Premieren-Saison erkämpfte sich der Buhlbronner den neunten Platz, bei der fünften Veranstaltung in Oschersleben stand er als Dritter erstmals auf dem Podium. Dort möchte Aaron Schäfer auch am Ende seiner zweiten Saison stehen – allerdings im Gesamtklassement. „Ich denke schon, dass ich das schaffen kann“, sagt er. Optimistisch ist auch sein Vater, der eine deutliche Entwicklung beim Sohnemann erkennt. „Die Linienwahl wird immer besser, er fährt auch vorausschauender.“

20 000 bis 25 000 Euro Kosten für Material und Reisen im Jahr 2017

Froh ist das Team, dass es weiterhin die Stiftung im Rücken hat. Wobei Mike Schäfer einen ganz speziellen Plan hat: Weil die Stiftung für jeden Fahrer ein Gesamtbudget über mehrere Jahre zur Verfügung stellt, übernimmt das Team in der kommenden Saison einen erheblichen Teil der Finanzierung selbst. „Sonst bleibt später, wenn wir das Geld womöglich dringender brauen, nichts mehr übrig“, sagt Mike Schäfer.

Die Kosten für 2017, zwischen 20 000 und 25 000 Euro für Material und Reisekosten, sollen möglichst über Sponsoren und aus der eigenen Tasche beglichen werden. Den einen oder anderen Gönner hat Mike Schäfer überzeugt. „In Sachen Vermarktung und Sponsoring haben wir aber sicherlich noch Nachholbedarf.“ Das Problem sei, dass dem Straßenrennsport hierzulande nicht besonders viel Bedeutung beigemessen wird. „Leider.“

Vielleicht schafft es Aaron Schäfer, mit einer erfolgreichen Saison seinen Sport populärer zu machen. Die Vorfreude jedenfalls ist groß – auch, weil den Nachwuchsfahrern ein besonderes Bonbon geboten wird: Drei Veranstaltungen finden im Rahmenprogramm der Moto GP statt. Durchaus ein Grund, ein bisschen nervöser zu sein als sonst. Vielleicht schaut Valentino Rossi mal in der Boxengasse vorbei. „Noch besser wäre, wenn er mir einen Pokal übergeben würde“, sagt Aaron Schäfer und lächelt.

ADAC Junior-Cup

  • Der ADAC-Junior-Cup powered by KTM startet auch 2017 im Rahmen der Weltmeisterschaft, der Superbike-Weltmeisterschaft, der Langstrecken-Weltmeisterschaft sowie weiteren Veranstaltungen.
  • Die Serie wird ausgeschrieben für KTM RC 390 Cup 1 Zylinder 4-Takt mit etwa 38 PS. Die Startgebühr beträgt 2600 Euro.
  • Der ADAC-Junior-Cup wurde 1993 ins Leben gerufen. WM-Piloten wie Steve Jenkner, Reinhard Stolz, Klaus Nöhles, Mike Baldinger, Christian Kellner oder Ex-Weltmeister Jörg Teuchert fuhren hier.
  • Sieben bis acht Läufe stehen auf dem Programm. Alle Rennen finden im Rahmen von Top-Veranstaltungen statt, hauptsächlich in Deutschland.
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