Rems-Murr-Sport VfL Winterbach sauer auf den Verband

Gisbert Niederführ, 30.11.2016 18:00 Uhr
Symbolbild. Foto: Galm / ZVW
Symbolbild.Foto: Galm / ZVW

Winterbach.
Es läuft nicht rund bei den Fußballern des VfL Winterbach. Sie stecken im Abstiegskampf der Bezirksliga und darüber hinaus noch im Clinch mit dem Verband. Abteilungsleiter Thomas Martin hat die Nase ziemlich voll vom WFV: „Die führen sich auf, als würde ihnen der Fußball gehören.“ Ein Vorwurf, den andere Vereine unter der Hand unterstreichen.

Auf die Palme bringt Martin, wie der Verband mit seinen Mitgliedern umgeht. Martin erlebt das derzeit bei gleich zwei Vorgängen. Zum einen hat der VfL Berufung eingelegt gegen das Urteil, das dem VfL das 4:0 beim SC Korb aberkennt, weil er einen unter 18-jährigen Spieler, Adrian Uetz, erst in der zweiten Mannschaft und danach noch einige Minuten in der ersten eingesetzt hatte. Das ist laut Statuten nicht erlaubt.

Martin hat deshalb schon mit einer Ablehnung gerechnet, allerdings auch mit einer Urteilsbegründung, die auf seine Argumente eingeht. Das schriftliche Urteil ist zwar drei Seiten lang, aber nur deshalb, weil der Winterbacher Einspruch ausführlich wiedergegeben wird. Die Begründung der Ablehnung dagegen ist kurz: Der Hinweis auf die Jugendspielordnung reicht. Auf keinen einzigen der Winterbacher Gründe beziehungsweise keine einzige der Fragen wird eingegangen. Und daran wird sich auch nichts mehr ändern, denn: „Diese Entscheidung ist endgültig“, heißt es am Ende.

Das treibt den Blutdruck des Winterbacher Abteilungsleiters nach oben, vor allem weil der Verband gleichzeitig auch noch dafür mitverantwortlich ist dafür, dass drei Gambier bisher nicht in der zweiten Mannschaft spielen konnten, obwohl der Verein alle Unterlagen fristgerecht eingereicht hatte.

Die drei Gambier haben jetzt erst ihre Freigabe erhalten, obwohl der Verein bereits am 6. September dem Verband alle Unterlagen geschickt hatte. Im darauf folgenden Mailverkehr zwischen Verein und Verband hat sich der WFV nicht gerade als Institution gezeigt, die für ihre Vereine arbeitet. Thomas Martin: „Der WFV redet immer von Integration der Flüchtlinge.“ Aber wenn man das dann tue, unterstütze er einen nicht. Im Gegenteil. „Da bemüht sich keiner.“ Erst jetzt hat der Verband dem VfL mitgeteilt, warum dessen Mail vom 6. September nicht bei ihm eingegangen ist: Das elektronische Postfach ist von normalen Mailaccounts nicht erreichbar, nur innerhalb des Postfachs ist Kommunikation möglich. Damit erklären sich zwar einige Antworten des WFV im Mailverkehr, aber, sagt Martin: „Das hätte doch mal einer erwähnen können. Ich habe die zigmal darauf angesprochen. Doch da kommt nichts.“ Ehrenamtliches Engagement werde auf diese Weise mit Füßen getreten.

Um den Frust der drei Flüchtlinge aus Gambia, die Trainer Tobias Kurz jede Woche aufs Neue fragten, wann sie denn endlich spielen dürfen, zu mildern, hatte der sie in Freundschaftsspielen eingesetzt. Hier reagierte der Verband prompt: Er verhängte Geldstrafen.

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Stellungnahme des Verbandes:

Der Württembergische Verband hat zu den Vorwürfen des VfL Winterbach Stellung bezogen. Er verweist darauf, streng nach den Statuten und damit richtig gehandelt zu haben.
„Dass beim Württembergischen Fußballverband Fehler passieren, beispielsweise in der Passstelle, das kommt leider vor, schreibt Heiner Baumeister vom WFV. „Bei überschlägig 130 000 Pass-Vorgängen liegt diese Erkenntnis auf der Hand. Dass sich Vereine über vermeintlich ungerechte Sportgerichtsurteile ärgern, gehört ebenso zum sportlichen Alltag in der Verbandsarbeit. Derartige Dinge registrieren wir, hinterfragen sie und richten unser zukünftiges Handeln danach aus. Mitnichten ist es so, dass „wir uns aufführen, als würde uns der Fußball gehören“. Und auch den Vorwurf, beim WFV würde sich keiner bemühen, lasse ich nicht im Raum stehen.“
Der Sport brauche allgemeingültige Regeln, auf dieser Grundlage habe das Sportgericht ein glasklares Urteil gegen den unberechtigten Einsatz eines Spielers verhängt.
Was die Verzögerungen bei den Passanträgen betrifft: Der WFV habe alle Vereine darüber informiert, dass das elektronische Postfach ein internes System ist. Jeder bekomme deshalb auch eine Fehlermeldung. „Vor diesem Hintergrund ist die Berichterstattung nicht nachvollziehbar.“

 

 

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Kommentare (1)
herbert • vor 3 Tagen
[Anm. d. Red.: Wir prüfen ihr Kommentar.]
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