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Remshalden Remshaldener kandidiert bei Sozialwahlen

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Walter Scheller aus Remshalden kandidiert bei den Sozialwahlen als Versichertenvertreter für die Deutsche Rentenversicherung. Foto: Palmizi / ZVW

Remshalden. Auf die gesetzliche Rente lässt Walter Scheller nichts kommen. Ist die Rente sicher? „Ja, ganz einfach ja!“, sagt der Remshaldener, der bei den Sozialwahlen als Versichertenvertreter für die Deutsche Rentenversicherung kandidiert. Gerade mit Blick auf die Finanzkrise und auf die Risiken einer privaten Altersvorsorge sei eine Umlagenfinanzierung der beste Weg.

Walter Scheller kandidiert auf der Liste BfA-DRV-Gemeinschaft, der „freien und unabhängigen Interessengemeinschaft der Versicherten und Rentner in der Deutschen Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Unfallversicherung“. Die Liste stellt aktuell sechs der 15 Sitze in der Vertreterversammlung der Rentenversicherung. Die Liste ist aus einem Kreis von „Versichertenältesten“ hervorgegangen, wie die ehrenamtlichen Rentenberater früher hießen, sagt Scheller.

Die Rechnerei überfordert viele

Scheller kennt das Sozial- und Rentenversicherungsrecht aus dem Effeff. „Die Gesetzbücher sind sehr dick“, weiß Scheller, dass die meisten Menschen aufgeschmissen sind, sobald sie persönlich mit dem komplizierten Sozialrecht konfrontiert sind. Schon die Rechnerei, wie viel Geld dem Rentner am Ende wirklich im Portemonnaie bleibt, überfordert viele.

Schon früher ehrenamtlich als Rentenberater tätig

Oft handelt es sich auch um Schicksalsschläge. Zum Beispiel, wenn nach langer Krankheit das Krankengeld ausläuft und die Betroffenen vor der Frage Arbeitslosigkeit oder Verrentung stehen. „Die Schnittstellen in der Versorgung sollten zu Nahtstellen werden“, beschreibt Scheller die Probleme vieler Bürger. Aufgrund seiner beruflichen Tätigkeiten war er schon früher ehrenamtlich als Rentenberater tätig. Heute leitet er die Landesvertretung des Verbands der Ersatzkassen (VDEK), dem Zusammenschluss von sechs Ersatzkassen, der in Baden–Württemberg fast 2,7 Millionen Versicherte hat.

„Die Versichertenparlamente haben eine große Verantwortung“

Mit Blick auf ein verstärktes ehrenamtliches Engagement im Ruhestand kandidiert der 60-Jährige bei den Sozialwahlen nun als Ersatzkandidat auf der BfA-DRV-Liste für die Vertreterversammlung in der Rentenversicherung. „Die Versichertenparlamente haben eine große Verantwortung“, betont Scheller. Sie sind beispielsweise für den Haushalt der Rentenkasse verantwortlich, weist er auf deren Einfluss hin, wenn es um Geld der Versicherten geht.

Scheller bedauert Beteiligung bei Sozialwahlen

Umso mehr bedauert er, dass die Wahlbeteiligung bei den Sozialwahlen um die 30 Prozent dümpelt. Immerhin gebe es bei der Rentenversicherung wie auch bei den Ersatzkassen echte Wahlen für die Parlamente. Im Gegensatz zur AOK, wo sogenannte Friedenswahlen stattfinden und sowohl die Arbeitnehmer- wie auch die Arbeitgeberseite ihre Kandidaten benennen. Und die sind mangels konkurrierender Listen gewählt.

Vertreter haben keinen geringen Einfluss

Den Einfluss der Vertreter will Scheller keinesfalls als gering einschätzen. Zum Beispiel entscheiden sie, welcher Vorstand bestellt wird oder auch, welche Leistungen die Krankenkasse ihren Versicherten bieten. Zwar sind die Leistungen im hohen Maße gesetzlich geregelt, doch blieben den Kassen durchaus ein paar Spielräume. So könnten sie Homöopathie- und Akupunktur-Behandlungen übernehmen oder ihren Mitgliedern bestimmte Präventionsangebote bereitstellen, nennt Scheller ein paar Beispiele. Leistungen, die die Kassen trotz des Einheitsbeitrags von einander unterschieden.

Unterschiedliche Interessen 

Die Interessen der Versicherten- und Arbeitgebervertreter in der Krankenversicherung sind nicht deckungsgleich, sagt Scheller. „Die Arbeitgeber schauen eine Spur mehr auf den Beitrag, die Arbeitnehmer mehr auf das Leistungsangebot und die Versorgung.“ BfA-DRV-Listen – sie kandidieren auch für Parlamente der Krankenkassen – fordern bei den gesetzlichen Krankenversicherungen eine Rückkehr zur Parität und die Abschaffung des Zusatzbeitrages. Für die Rentenversicherung lautet die erste Forderung, die leistungsbezogene und umlagenfinanzierte Rente für alle Erwerbstätigen beizubehalten.

„Die gesetzliche Rentenversicherung von Bismarck ist das Optimale“

Scheller weiß durchaus, dass die Rente „nicht sauber finanziert ist“. Er weist auf die vielen versicherungsfremden Leistungen hin, die von den Beitragszahlern mitfinanziert werden, wie zum Beispiel die Ostrenten, die von den Beitragszahlern aus dem Osten getragen werden. Dennoch sei die Rente zukunftsfähig und könne durch kein anderes Modell ersetzt werden. Sollte die Altersversorgung auf ein kapitalbasiertes System umgestellt werden, müsse zumindest eine Generation beide Systeme parallel finanzieren, gibt er zu bedenken. Ein Unding, zumal sich aus seiner Sicht die Umlagenfinanzierung bewährt habe. „Die gesetzliche Rentenversicherung von Bismarck ist das Optimale.“

Flüchtlinge und Migranten tragen zum Schutz des Sozialversicherungssystems bei 

Obwohl die Gesellschaft altert und die Rentenversicherung den demografischen Wandel berücksichtigen müsse. Frühverrentungen mit 55, wie sie bis in die 90er Jahre hinein üblich waren, seien nicht mehr zeitgemäß. Mit Blick auf die Flüchtlinge und Migranten ist Scheller auch nicht bang um die Finanzierung der Rente in Zukunft. „Sie tragen dazu bei, das deutsche Sozialversicherungssystem zu schützen.“

Scheller sieht Übertreibung bei Altersarmut 

Das Rentenniveau wird dennoch sinken, eine private Altersversorgung über die gesetzliche Rente hinaus durchaus sinnvoll. „Es ist immer wünschenswert, wenn man etwas macht.“ Doch Scheller weiß, dass jungen Menschen vieles wichtiger ist, als an ihre Versorgung im Alter zu denken: Anschaffungen, Urlaub, Auto ... „Die Zwangsabgabe ist ideal!“ Die Sorge, dass immer mehr ältere Menschen in Altersarmut abrutschen werden, teilt Scheller nicht. „Wir übertreiben mit der Altersarmut – im europäischen Vergleich sowieso.“

Sozialwahlen 2017

Stichtag für die rund 30 Millionen Wähler für die Selbstverwaltung der Deutschen Rentenversicherung ist der 31. Mai. Ende April/Anfang Mai werden die Unterlagen verschickt. Die Stimme kann nur mit Briefwahl abgegeben werden. Zur Wahl stehen zwölf Listen (www.sozialwahl.de). Aus dem Rems-Murr-Kreis stellt sich ein einziger Kandidat zur Wahl: Walter Scheller aus Remshalden auf der Liste 1 der BfA- DRV-Gemeinschaft.

Zur Wahl ihrer Versichertenparlamente aufgerufen sind auch die Mitglieder der Ersatzkassen DAK-Gesundheit, HKK, KKH Kaufmännische Krankenkasse, TK Techniker-Krankenkasse und Barmer. Bei der Barmer finden die Wahlen aufgrund einer Fusion erst im Oktober statt. Wahlberechtigt sind alle Mitglieder, die am 1. Januar 2017 das 16. Lebensjahr vollendet haben.

Bei der AOK, der größten Krankenkasse im Land, finden sogenannte Friedenswahlen statt.

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