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Waiblingen. Sollte den Füchsen eine längere Schonzeit gewährt werden? Das Bundesjagdgesetz verbietet die Jagd auf Wildtiere in der Brut- und Setzzeit. Die der Füchse setzt das Landesjagdgesetz auf den Zeitraum 1. März bis 15. Juni an. Die Jäger im Altlandkreis Waiblingen erfüllen das gesetzliche Soll und jagen den Fuchs von März bis in den Juni hinein offiziell nicht. Wildtierschützern und Grünen ist das nicht genug.
Die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) und auch ihr Geschäftsführer im Rems-Murr-Kreis, Guido Klamt, unterstützen die Forderung der Wildtierschützer nach einer neunmonatigen Schonzeit für Füchse von Januar bis September (wir bericheten). Die Grünen im baden-württembergischen Landtag differenzieren da mehr als die ÖDP: Sie sind lediglich für eine gewisse Erweiterung der Schonzeit.
Da bei der Jagd eine sichere Trennung der Fuchs-Geschlechter aus der Ferne und besonders bei Dämmerung nur schwer möglich ist; und weil die Paarungszeit der Rotfüchse im Januar beginne und beide Elternteile (Fähe und Rüde) an der Aufzucht der Welpen beteiligt seien, plädiert der Grünen-Landtagsabgeordnete Reinhold Pix (Breisgau-Hochschwarzwald) für eine siebenmonatige Schonzeit von Januar bis Ende Juli.
Im Rahmen einer Reform des Landesjagdgesetzes strebt Reinhold Pix auch ein komplettes Verbot von Fallenjagden an, die leider zu häufig mit Tierquälereien verbunden seien. Die erste Anhörung zur Gesetzesnovellierung werde im Frühsommer 2012 laufen. Die Bejagung des Fuchses, auch in Form von Drückjagden bleibe jedoch unumgänglich: „Die Einzel-Jagd vom Ansitz aus ist zur Bestandsregulierung nicht effizient genug. Das gilt für die meisten Wildtiere, auch besonders für Wildschweine“, sagt Pix.
„Der Fuchs als Tierart ist durch die Jagd in keinster Weise gefährdet“
Reinhold Pix verweist jedoch noch auf einen anderen Seitenaspekt des Fuchsjagd-Themas: Rein aus Gründen der Bestandssicherung wäre eine Ausweitung der Schonzeit für Fuchsrüden eigentlich nicht erforderlich, wenn man die schwere Unterscheidbarkeit der Geschlechter bei der Jagd außer Acht ließe. „Die Beteiligung der Fuchsrüden an der Welpenaufzucht ist wissenschaftlich erwiesen. Beschränkt sich die Diskussion um eine Schonzeitregelung allein auf die Rolle des Fuchsrüden bei der Jungenaufzucht, blendet dies jedoch eine populationsdynamische Bewertung aus.“ Sowohl die momentane Verbreitung als auch die derzeitige Populationsdynamik des Rotfuchses zeigten, „dass diese Tierart unter den geltenden Vorgaben in keinster Weise durch die Jagd gefährdet“ werde.
Reinhold Pix ist jagd- und tierschutzpolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, ausgebildeter Forstwissenschaftler mit Jagdschein, aber „kein aktiver Jäger mehr“. Zudem betrieb er 20 Jahre lang, vor seinem Landtagsmandat seit 2006, ökologische Landwirtschaft und züchtete Hinterwälder Rinder.
Willi Halder, Grünen-Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Waiblingen, ist kein ausgesprochener Freund der Jagd. Er hält Pix’ Forderungen nach einer Ausweitung der Schonzeit für Füchse und ein Fallenjagd-Verbot für plausibel begründet und richtig. Halder sagt, er werde die Reform-Anliegen seines Fraktionskollegen bezüglich der Fuchsjagd unterstützen. Ähnlich äußerte sich Petra Häffner, Abgeordnete des Wahlkreises Schorndorf. Beide sind der Meinung, dass Jagd auf Wildtiere aber leider notwendig sei, zur Bestandsregulierung.
„Die Wildtiere leben halt größtenteils nicht mehr in unberührter Natur“, sagt Halder. Die verbliebenen Ökosysteme in vom Menschen dicht besiedelten Gebieten böten den Tieren keinen Spielraum mehr zur ausgleichenden Selbstregulierung untereinander. „Man kann dicht besiedelte Gebiete auch nicht so einfach mit Naturparks vergleichen.“ Und deshalb sei es leider auch fraglich, Studien zu Fuchsbeständen im Bayerischen Wald auf Füchse in dichter besiedelten Gebieten wie etwa dem Remstal zu übertragen, so Halder.
Wenn doch nur der Luchs und der Wolf. . .
„Natürlich wäre es mir lieber, wenn Wolf und Luchs wiederkämen und die Fuchsjagd unnötig würde.“ Dass der Wolf ins Remstal kommt und dort vom Menschen geduldet werde, sei aber beides höchst unwahrscheinlich, sinniert Halder. „Eine interessante Frage wäre sicherlich auch: Wie viele Füchse werden jährlich auf den Straßen überfahren und wie viele gejagt?“
Und Petra Häffner ergänzt: „Jagd ist notwendig, solange sie professionell und verantwortungsbewusst durchgeführt wird.“ Über die Art und Weise der Jagd wollen die Grünen jedoch eine Diskussion anschieben und auch den Tierschutz nicht außer Acht lassen, „so absurd das klingt, Tierschutz und Jagd in einem Atemzug zu nennen.“ Deshalb aber eben ihr Bestreben nach einem Fallenjagd-Verbot.
Wildtierschutz Deutschland e.V. nimmt Stellung
Lovis Kauertz vom Verein Wildtierschutz Deutschland kritisiert die Wildforschungsstelle Aulendorf, genauer deren Leiter Dr. Manfred Pegel und dessen Ausführungen zum Thema Fuchs (wir berichteten am 18. Januar): Das zitierte Papier von Dr. Pegel „ist seit langem bekannt und es hält wissenschaftlichen Kriterien wohl nicht stand“, so Kauertz. Es handele sich um eine rein hypothetische Berechnung der möglichen Entwicklung der Fuchspopulation bei Reduzierung des Bestandes durch Bejagung. Außer Acht gelassen würden sowohl die sich durch Bejagung erhöhenden Reproduktionszahlen der Füchse (in unbejagten Gebieten brächten Füchse häufig weniger als halb so viele Jungtiere zur Welt wie in bejagten Gebieten) als auch die Zuwanderung von Füchsen in „leergeschossene“ Reviere. „Dass die Fuchsjagd im Hinblick auf die Bestandsregulierung absolut kontraproduktiv ist, belegen dagegen zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten von jagdunabhängigen Wissenschaftlern.“ Kauertz wirbt für die Literatur-Auswahl auf www.schonzeit-fuer-fuechse.de.
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