">

Rundschlag Die Wahrheit über Wolfgang

,
Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten. Foto: Wikiipedia

Neulich im Roten Morgen, dem Zentralorgan einer Kleinst-, Schwund-, Schrumpf- und Splittergruppe namens „Kommunistische Partei Deutschlands, Marxisten/Leninisten“ (kurz KPD/ML), fand sich ein faszinierendes Interview mit „Winnie“, einem verdienten alten Genossen. „Lieber Winnie“, hub der Reporter des Roten Morgen an, „die älteren Linken in Gelsenkirchen waren schockiert, als sie aus der Zeitung erfuhren, dass ihr geschätzter linker Arzt von einst jetzt Landtagsabgeordneter der AfD in Baden-Württemberg ist und aus dieser wegen ,Antisemitismus’ und Rechtsabweichung ausgeschlossen werden soll. Winnie, du kennst ihn von früher aus der KPD/ML . . .“

Worauf Winnie ins Plaudern kam: wie Wolfgang Gedeon damals in den 70er Jahren als Verkäufer des Roten Morgen „herumhüpfte“; wie sie gemeinsam zum „Rote-Garde-Festival nach Essen“ fuhren; wie Gedeon in seiner Arztpraxis viele Genossen heilte und im Wartezimmer Bilder von Albanien, Enver Hodschas gelobtem Land des Sozialismus, aushängte; und wie sie, als Gedeon in Gelsenkirchen für die KPD/ML kandidierte, „in der Praxis den Kleister für die Plakate“ anrührten. Ferner war Gedeon Mitglied der „Volksfront gegen Faschismus und Krieg“ und spielte „in der Agitprop-Gruppe Pfeffermühle“ Akkordeon.

Aber wie um Wladimir Iljitschs Willen kam er dann zur AfD? Winnie: „Es begann mit Esoterik, Wünschelruten, Pendeln. Plötzlich trat er im Fernsehen mit Gesundheitssteinen auf.“ Von diesen Verwirrungen aus war der Weg dann offenbar nicht mehr weit.

Ausgerechnet der Rote Morgen legt sich in einem weiteren Artikel zu einer Ehrenrettung des Abtrünnigen ins Zeug: „Die bürgerliche Hetzpresse“ – vom KPD/ML-Organ gerne auch als, hört, hört, „Lügenpresse“ bezeichnet – werfe Gedeon nun „Antisemitismus“ vor. Dabei bekämpfe er, „allerdings etwas verworren“, doch nur „eine rechtsradikale Form des Judentums, den Zionismus. Was soll daran so sehr verwerflich sein?“ Kritisierenswert sei allenfalls, dass er sich nicht ausreichend mit „den Grundlagen des Marxismus“ befasst habe und deshalb, ideologisch beklagenswert ungefestigt, auf die wahnsinnige Idee verfallen sei, wie die „amerikanischen Kreationisten“ Darwins Evolutionstheorie abzulehnen. Damit sei Wolfgang Gedeon „sogar hinter die Katholische Kirche zurückgefallen. Das ist der eigentliche Skandal.“

All dem schließen wir uns vollinhaltlich an: zuvorderst natürlich dem – wenn auch etwas verklausulierten – Lob der heiligen römischen Kirche, das uns Papisten zumindest im Vergleich zu Gedeon durch die Blume Ansätze von Vernunftbegabung zugesteht. Aber noch in anderer Hinsicht wollen wir dem ehrenwerten Vorbilde des Roten Morgen folgen: Auch wir erheben die Stimme zu Wolfgang Gedeons Verteidigung – der Mann hat sich große Verdienste erworben! Er hat es geschafft, dass sich wegen ihm die AfD-Landtagsfraktion sauber zerstritten, zerlegt und glanzvoll als Haufen erlesenster Mostköpfe präsentiert hat. Darin liegt (ohne dass wir das Kleben von KPD/ML-Plakaten und den Verkauf des Roten Morgen geringschätzen wollen) Wolfgang Gedeons wahre politische Lebensleistung.

  • Bewertung
    8
 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)