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RundschlagGanz ohne Botox

Nils Graefe, vom 29.12.2012 00:00 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
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Bei Schönheitsoperationen liegen prominente Körperteile voll im Trend. „Alle wollen Kates Nase“ raunt es auf dem Boulevard. Gemeint ist Kate Middleton, die britische Prinzen-Gattin. Wohin soll das alles noch führen?

Moment! Solange nur herumgeschnippelt, Botox gespritzt, Haut gestrafft, fett abgesaugt, Knorpel rausgeschnitten oder zurecht gebogen und gedrückt wird, ist’s ja noch ein, zwar zum Teil blutiges, aber doch ehrbares – mit Betonung auf Bares – Fälscher-Handwerk. Fälscher? So hießen früher, seit dem 14. Jahrhundert, die Grob-Chirurgen und Wundheiler, die die Verwundeten auf den Schlachtfeldern versorgten. Ach, nee, falsch! Die hießen Feldscher, hört sich aber so ähnlich an wie Fälscher.

Die Feldschere – so lautet die korrekte Mehrzahl – von heute, also jene, die mit ihren Scheren rumschnippeln, und die Menschen von den Spuren der Schlachten des Alltags befreien, zum Beispiel Sorgenfalten und Tränensäcke glätten, sind symptomatisch für eine ganz besondere Verkommenheit der heutigen Zeit. Nämlich für gar keine!

Anders aussehen wollten auch schon die Menschen des Altertums und des Mittelalters. Römerinnen zum Beispiel trugen gern Germaninnen-Perücken. Wenn nicht falsches Haar, fremde Federn, Puder, Kosmetik und Parfüm, so ist doch Schmuck so alt wie die Menschheit selbst. Na, ja, gut. Aber irgendwie ist der heutige Schönheits-OP-Wahn doch etwas pervers und dekadent. Da fällt einem auch gleich dieses Spielzeug ein: das große Gesicht ohne Körper, mit ansteckbaren Ohren, Augen und Mund, dem abnehmbaren Bart, den Armen und Füßen.

Man nehme die Nase von Landrat Johannes Fuchs, die Ohren des Backnanger Oberbürgermeisters Frank Nopper, die Augen des Waiblinger Oberbürgermeisters Andreas Hesky und den Mund von Bodo Kern (Kaisersbacher Bürgermeister): Fertig ist das allzeit entspannte Rems-Murr-Gesicht, das ganz ohne Botox auskommt.

Guten Rutsch ins neue Jahr!

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