Rundschlag Stuttgart 21 für Rechthaber

Jörg Nolle, 12.07.2012 18:39 Uhr

Man kann recht haben. Und wirkt dann auch so: Wie ein Rechthaber. Man kann etwas schon immer gesagt haben. Und wirkt dann auch wie einer, der hinterher immer alles besser wusste. Auch wenn man dann am Ende recht hatte: Es sind keine schönen Eigenschaften.

In der Verkehrspolitik im Land, bei Stuttgart 21, sind die ewigen Rufer und Mahner und Warner wieder einen Schritt weiter. Sie meinen jetzt sicherer denn je, im Nachhinein sagen zu können, dass sie recht hatten. Und vielleicht ist es auch so. Mehr noch: Die Anzeichen dazu häufen sich. Und das, bevor überhaupt begonnen wurde zu bauen.

Jetzt hat der Landesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland, Matthias Lieb, ein Diplommathematiker und Bahnkenner, nochmals genauer nachgerechnet. Eine ganze Studie dazu angefertigt, was mit Liebs Hilfe vor zwei Monaten schon in dieser Zeitung als Trend stand. Nämlich, wie sehr die frühere Landesregierung der Bahn freie Fahrt gab mit günstigen Verträgen, auf dass sie für das Großprojekt S 21 über viele Jahre hinweg tüchtig was ansparen kann. Sonst hätte das Land die Bahn auch gar nicht dazu überreden können, das Tiefbahnhofsprojekt überhaupt anzugehen. Nach Liebs Rechnung nimmt die Bahn für den Regionalverkehr im Jahr bis zu 140 Millionen Euro zu viel ein. Den Vertrag ausgehandelt hat damals, 2002, der Verkehrsstaatssekretär Stefan Mappus. Und ihm, komisch, traut man spätestens seit gestern manches mehr zu.

Dann: Der Stern hat in seiner neuen Ausgabe eine kleine Fleißarbeit vollbracht. Er hat alles zusammengeschrieben, was bislang in der Bauvorbereitung und bei der Verkehrsmengenerfassung zu S 21 schon schieflief. Und natürlich ein bisschen dabei dramatisiert – „Der Krampf geht weiter“. Der Tiefbahnhof sei auf maximal 32 Züge in der Stunde ausgelegt. Die Bahn aber versprach 49.

Der Stern beruft sich dabei auf den Bahnexperten Christoph Engelhardt. Sowie auf die Personenstromanalyse der Durth Roos Consulting GmbH. Engelhardt kommt jetzt am Mittwoch auf Einladung von Klaus Riedel nach Waiblingen in den Schwanen. Und spricht dort vom „Technikmärchen“ statt „Leistungswunder“ S 21.

Es ist nicht schön, dieses Rechthaben. Aber andererseits: Man will es einfach wissen. Und zwar rechtzeitig. Um hinterher nicht recht haben zu müssen.

          18
 
Kommentare (22)
Morriz Adonis Ist schon länger als 1 Jahr her
und sich einmal abseits der ausgetretenen Medien-Pfade der Projektbetreiber und -Befürworter informieren. Die Stuttgarter Medien haben sich offensiv auf die PROpaganda-Seite geschlagen, zitieren zudem zu oft die schon kurz darauf zur Makulatur werdenden Märchen aus der Jägerstrasse. Es wäre schön, wenn Hr. König, der diese Kanäle ja offensichtlich intensiv nutzt, einen proportionalen Anteil der 350.000,- EUR / Jahr zur Unterstützung der von ihm glaubselig nachgebeteten PROpaganda bezahlt. Oder PROfitiert er gar selbst durch eine Festanstellung beim sog. Kommunikationsbüro? Mit freundlichen Grüßen vom Marienplatz, Euer Morriz
Antworten
Hans König Ist schon länger als 1 Jahr her
verschonen Sie uns bitte mit Ihren meist faktenresistenten Pöbeleien und Ihren Lügenmärchen. Fakten sind Ihnen ja leider keine bekannt, sie kennen allenfalls das Wort, aber nicht dessen Bedeutung. I.Ü. kann die DB mit dem bereits genemigten GWM 103 völlig unaufgeregt mit dem Tiefbau für die Bahnhofshalle beginnen, was ja auch Minister Unterseller ganz klar bestätigte Sie können derweile hier Beiträge schreiben, bis Sie schwarz werden, viel Spaß dabei.
-7
Antworten
Opa Kolja Ist schon länger als 1 Jahr her
Habe die - traurige - Wahrheit des 'Baufortschrittes' gestern quasi hautnah vor Ort (S-Hbf) besichtigt. Oberflächliche, abgebrochene Alibi-Grubeleien rundum. Vorher war ich im VM und UM-jeweils 'Tag der offenen Tür' und der GWM-Demo auf dem Kernerplatz. Was hier zum Iststand von S21 zu erfahren/besichtigen war, überführt die von H.König empfohlene Werbeflyer-'Wahrheit' der DB als haltloses Wunschdenken und 'Pfeifen im Walde'.Die Realität: Erst nach der vom EBA festgeschriebenen Öffentlichen Anhörung zum GWM,darf die Chaos-Bahn 'weiterbauen'. Und dieses umfangreiche Verfahren - Ergebnis völlig offen - wird frühestens Mitte 2013 abgeschlossen sein. Dann erfolgt - Genehmigung vorausgesetzt - die vorgeschriebene, umfangreiche GWM-Probephase. 'Baubeginn' höchstwahrscheinlich - wenn überhaupt- frühestens 2014. Soviel zu DB/Königs empfohlenen 'Wunsch'-Wahrheit.
21
Antworten
Hans König Ist schon länger als 1 Jahr her
Die VA hat ganz klar gezeigt, dass die Wähler für S 21 sind, die letzte Erhebung der 'Parkschützer' hat gezeigt, dass nicht einmal mehr 0,01 % der Bevölkerung für eine Fortsetzung des Widerstandes gegen S 21 votierten. Die DB tut gut daran, völlig unaufgeregt weiterzubauen, den Baufortschritt kann man z.B. hier: http://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/mediathek/detail/media/stuttgarter-hauptbahnhof-bau-technikgebaeude/mediaParameter/show/Medium/ gut beobachten. Oben leben, unten reisen
-34
Antworten
Opa Kolja Ist schon länger als 1 Jahr her
Ach guck amol do-auch der in den Stuttgarter Zeitungen heftigst bloggende und S21-Kritiker beschimpfende 'Klartext' hat unser zvw-forum geentert. Er bedient 'S21-projektförderpflichtig' in etwa das Einzugsgebiet der Projektpartner Stadt Stuttgart und des Regionalverbandes. Seine Trübtexte erscheinen meist gleichzeitig in den SN und der StZ-nun auch im Rems-Murr-Kreis. Insider vermuten,dass er im S21-Projektsprecherbüro zu verorten wäre. Auf alle Fälle ein faktenresistenter S21-Fetischist der in der Wortwahl nicht zimperlich ist. Kostproben seiner Beiträge kann man täglich in den Blogs der Stuttgarter Zeitungen goutieren - so man sich dies antun möchte.
22
Antworten