Man kann recht haben. Und wirkt dann auch so: Wie ein Rechthaber. Man kann etwas schon immer gesagt haben. Und wirkt dann auch wie einer, der hinterher immer alles besser wusste. Auch wenn man dann am Ende recht hatte: Es sind keine schönen Eigenschaften.

In der Verkehrspolitik im Land, bei Stuttgart 21, sind die ewigen Rufer und Mahner und Warner wieder einen Schritt weiter. Sie meinen jetzt sicherer denn je, im Nachhinein sagen zu können, dass sie recht hatten. Und vielleicht ist es auch so. Mehr noch: Die Anzeichen dazu häufen sich. Und das, bevor überhaupt begonnen wurde zu bauen.

Jetzt hat der Landesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland, Matthias Lieb, ein Diplommathematiker und Bahnkenner, nochmals genauer nachgerechnet. Eine ganze Studie dazu angefertigt, was mit Liebs Hilfe vor zwei Monaten schon in dieser Zeitung als Trend stand. Nämlich, wie sehr die frühere Landesregierung der Bahn freie Fahrt gab mit günstigen Verträgen, auf dass sie für das Großprojekt S 21 über viele Jahre hinweg tüchtig was ansparen kann. Sonst hätte das Land die Bahn auch gar nicht dazu überreden können, das Tiefbahnhofsprojekt überhaupt anzugehen. Nach Liebs Rechnung nimmt die Bahn für den Regionalverkehr im Jahr bis zu 140 Millionen Euro zu viel ein. Den Vertrag ausgehandelt hat damals, 2002, der Verkehrsstaatssekretär Stefan Mappus. Und ihm, komisch, traut man spätestens seit gestern manches mehr zu.

Dann: Der Stern hat in seiner neuen Ausgabe eine kleine Fleißarbeit vollbracht. Er hat alles zusammengeschrieben, was bislang in der Bauvorbereitung und bei der Verkehrsmengenerfassung zu S 21 schon schieflief. Und natürlich ein bisschen dabei dramatisiert – „Der Krampf geht weiter“. Der Tiefbahnhof sei auf maximal 32 Züge in der Stunde ausgelegt. Die Bahn aber versprach 49.

Der Stern beruft sich dabei auf den Bahnexperten Christoph Engelhardt. Sowie auf die Personenstromanalyse der Durth Roos Consulting GmbH. Engelhardt kommt jetzt am Mittwoch auf Einladung von Klaus Riedel nach Waiblingen in den Schwanen. Und spricht dort vom „Technikmärchen“ statt „Leistungswunder“ S 21.

Es ist nicht schön, dieses Rechthaben. Aber andererseits: Man will es einfach wissen. Und zwar rechtzeitig. Um hinterher nicht recht haben zu müssen.