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Scherzanrufe„Die Grenze eines Scherzes ist der Tod“

Almut Siefert, vom 12.12.2012 10:00 Uhr
Moderator Hans Blomberg, besser bekannt als „Morgenhans“ Foto: Privat
Moderator Hans Blomberg, besser bekannt als „Morgenhans“Foto: Privat

Stuttgart - Der Tod einer Londoner Krankenschwester, die auf einen Scherzanruf hereingefallen war, hat viele schockiert. Auch Moderator Hans Blomberg von Big FM. Der spricht mit uns über den Tod der Frau und die Konsequenzen, die er daraus für seine Sendung zieht.


Herr Blomberg, wie bewerten Sie den Scherzanruf der beiden Moderatoren aus Australien?
Die Geschichte geht mir sehr nahe. Immerhin werden in unserer Sendung auch solche Scherzanrufe gemacht. Ich fühle mit den Moderatoren, deren Leben ja nun auch versaut ist. Und sie sind nicht die Täter.

Wurde bei dem Anruf in der Londoner Klink eine Grenze überschritten?
Mit dem Anruf selber nicht. Es wurde ja niemand bewusst geschädigt. Der Fehler und auch der große Unterschied zu Deutschland liegt aber darin, dass das Opfer des Scherzanrufs nicht gefragt worden ist, ob es mit der Sendung einverstanden war. So hätten wir das nie gemacht. Aber sonst: Es war ein provokanter Anruf, das kann man gerne versuchen. Und es fand ja auch jeder lustig, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Dame sich umgebracht hat.

Lassen Sie jeden Ihrer Scherzanrufe vor der Sendung freigeben?
Ja, immer. Aber wir hatten trotzdem den ein oder anderen Fall, wo es Ärger gab.

Zum Beispiel?
Einmal hatte uns der Auftraggeber gesagt: Die Dame XY trägt Zeitungen aus, schmeißt aber einen Teil der Zeitungen immer weg. Ich sollte als Verleger anrufen und sagen: Wir haben das rausgefunden, dein Job ist in Gefahr. Durch die Ausstrahlung hat der Arbeitgeber tatsächlich davon mitbekommen. Und er selbst bekam Probleme mit Werbekunden. Das hatte glaube ich sogar Konsequenzen für die Dame, aber sie war mit der Ausstrahlung einverstanden gewesen. Damit waren wir zumindest rechtlich auf der sicheren Seite.

War Ihnen das also egal?
Nein. Wir haben uns persönlich bei ihr entschuldigt und daraus Konsequenzen gezogen: Wir lassen nun immer die Firmennamen weg. Namen und die Orte werden aber schon genannt. Genau das macht ja Spaß, wenn man jemanden im Radio hört, das ist dann lange Gespräch im Ort.

Sind die Opfer auch mal nicht einverstanden?
Natürlich: Von 100 Anrufen können bestimmt die Hälfte nicht ausgestrahlt werden.

Gab es Fälle, in denen Sie selbst gesagt haben: Ne, das senden wir jetzt nicht, das ist zu krass?
Nein. Solange das Opfer des Anrufs einverstanden ist, habe ich da keine Skrupel. Das Beste ist immer, wenn Leute kurz vor der Hochzeit sind (lacht). Und man gibt sich als Veranstaltungssaalanbieter aus und sagt: Die Hochzeit kann heute bei uns nicht stattfinden, wir haben eine Doppelbuchung. Da gibt es schon mal Tränen. Mir ist auch immer noch in Erinnerung – und da gab es viele Tränen – eine Dame, der ich gesagt habe: Das Hochzeitskleid, dass heute geliefert werden sollte, gibt es nur noch in Lila . . .

Wo liegen die Grenzen bei Ihren Anrufen?
Wir versprechen keine Gewinne. Also kein: Hey, du hast eine Million gewonnen. Und natürlich liegt die Grenze beim Tod. In den USA gibt es eine Sendung, in der gesagt wird, ihr Angehöriger XY ist gestorben und erst wenn die große Panik da ist, wird das aufgelöst. Da haben wir uns eindeutig dagegen entschieden.

Haben Sie Konsequenzen aus dem Tod der Krankenschwester gezogen?
Klar. Ich mache mir schon Gedanken, ob man damit im Leben der Leute etwas kaputt macht. Wenn es aber nur das Hochzeitskleid ist, was angeblich nicht geliefert wird und die Frau am Ende selber drüber lacht, dann ist das in Ordnung. Dann sind das gute Reaktionen. Und etwas anderes machen wir nicht.

Wurden Sie selbst schon einmal Opfer eines Scherzanrufs?
(zögert) Nein. Ich gehe aber auch wirklich nur dann ans Telefon, wenn ich die Nummer kenne, oder wenn ich einen Anruf erwarte. Ab und zu hat es schon mal jemand bei mir probiert mit so einem Anruf. Ich glaube aber, ich würde das immer sofort erkennen, aber das sagen unsere Hörer ja auch.

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