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Schorndorf Burgstraße: Tempolimit ist möglich

Zwei Kindergärten, eine Kita und drei Schulen – wenn das kein Argument für weniger Tempo auf der Burgstraße ist. Foto: Palmizi / ZVW

Schorndorf. Tempo 30 von der Albert-Schweitzer-Schule bis zur katholischen Kirche und weiter bis zum Reinhold-Maier-Kreisel – unrealistisch ist das nicht, worüber OB Matthias Klopfer im Moment des Öfteren laut nachdenkt: Anfang Dezember wurde die Straßenverkehrsordnung geändert. Ist die entsprechende Verwaltungsvorschrift erlassen, die Anweisung des Regierungspräsidiums erfolgt und die Debatte im Gemeinderat überstanden, kann’s auf der Burgstraße sicherer und leiser werden.

In der Uhlandstraße konnte sich der Oberbürgermeister vor vier Jahren mit seiner Tempo-30-Idee nicht durchsetzen: Auf der 7,50 Meter breiten Straße gilt – so wie es der Gemeinderat damals mehrheitlich beschlossen hat – Tempo 50. Eine Geschwindigkeit, die die Fahrtzeit für Autofahrer zwar um ein paar Sekunden verkürzt, die Uhlandstraße aber auch unsicherer und laut macht: Schließlich würden sich bei einer Reduzierung von 50 auf 30 Sachen nicht nur die Bremswege halbieren, sondern auch der Verkehrslärm deutlich abnehmen (siehe Infobox).

OB Klopfer kann neue Hoffnung schöpfen

Argumente, die den Gemeinderat vor vier Jahren nicht überzeugt haben. Doch nachdem die Bundesregierung die Straßenverkehrsordnung (StVO) Anfang Dezember 2016 geändert hat, kann OB Klopfer als bekennender Tempo-30-Fan neue Hoffnung schöpfen – wenn auch nicht für die Uhlandstraße.

Denn nachdem auch sein Plan scheiterte, statt der Fußgängerunterführung am Burg-Gymnasium einen Fußgängerüberweg zu schaffen (wir haben berichtet), hat Klopfer in den vergangenen Wochen wiederholt laut darüber nachgedacht, Tempo-30-Limits auf mehreren Straßen in Schorndorf einführen zu wollen. Vor allem für die Burgstraße, von der Albert-Schweitzer-Schule bis zur katholischen Kirche und am liebsten weiter bis zum Reinhold-Maier-Kreisel, schwebt ihm ein solches Tempolimit vor – für mehr Sicherheit und weniger Lärmbelastung.

"Sensiblen Bereiche mit besonders schützenswerten Verkehrsteilnehmern"

Und neuerdings gibt das auch die Straßenverkehrsordnung her: So kann Tempo 30 nicht mehr nur auf Nebenstraßen eingeführt werden, sondern auch auf Hauptstraßen in „sensiblen Bereichen mit besonders schützenswerten Verkehrsteilnehmern“. Also wenn sich am Straßenrand Schulen, Kindergärten, Senioren- und Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäuser befinden. Gleichzeitig entfällt der Nachweis, dass es sich dabei um einen Unfallschwerpunkt handeln muss.

Schulen und Kindergärten gibt es an der Burgstraße mit der Albert-Schweitzer- und der Künkelinschule und dem Burg-Gymnasium gleich drei – mit mehr als 2000 Schülerinnen und Schülern. Dazu kommen der Aichenbach- und der Burg-Kindergarten sowie das Kinderhaus am Schloss. Nicht zu vergessen das Karlstift, auch wenn dessen Haupteingang nicht an der Burgstraße liegt. Unter dem Lärm von 11 000 Fahrzeugen täglich leiden die Pflegeheimbewohner aber durchaus – und das gilt auch für die Anwohner der Feuerseestraße, von denen OB Klopfer schon eine Unterschriftenliste vorliegt. „Im Prinzip“, sagt Klopfer, „ist der ganze Innenstadtring betroffen.“ Ja, selbst die Grabenstraße: Das Berufschulzentrum hat immerhin 4000 Schüler.

"Heitere kommunalpolitische Diskussion“

Bis spätestens Juni 2017 will die Stadt mit einem Lärmaktionsplan in den Gemeinderat gehen – und sehr viel früher wird die Änderung der Straßenverkehrsordnung wohl auch nicht spruchreif werden: Schließlich muss die Stadt die entsprechende Verwaltungsvorschrift des Landes, die Anweisung des Regierungspräsidiums und die Entscheidung des Gemeinderats abwarten. Denn eines ist für den OB klar, auch wenn er entschlossen ist, sich dieses Mal mit seiner Idee durchzusetzen: Die Entscheidung über ein mögliches Tempolimit wird er dem Gemeinderat überlassen, schon als „Zeichen des guten Miteinanders“. Klopfer erwartet eine „heitere kommunalpolitische Diskussion“ und bleibt realistisch: „Ohne regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen, auch an den Wochenenden, geht es nicht.“

Das spricht für Tempo 30

  • „Tempo 30 für mehr Leben“ – seit Jahren setzt sich der Verkehrsclub Deutschland (VCD) unter diesem Slogan für ein Tempolimit auf den Straßen ein – mit starken Argumenten:
  • So sind Autofahrer, entgegen aller Vorurteile, bei einer Basisgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern keinesfalls länger unterwegs: „Denn der Verkehr fließt durch weniger Stop-and-Go-Phasen, weniger Staus flüssiger und gleichmäßiger“, argumentiert der VCD und fordert, dass nur dort, wo es notwendig ist, höhere Geschwindigkeiten zugelassen werden können, wenn Bedarf und Sicherheit nachgewiesen werden.
  • Tempo 30 ist laut VCD aber nicht nur ein Thema für die Autofahrer. „Es erhöht die Sicherheit für alle und sorgt für mehr Gleichberechtigung zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern.“ Gerade die ungeschützten Fußgänger und Radfahrer profitieren von Tempo 30: Bei einer geringeren Basisgeschwindigkeit lassen sich Straßen leichter überqueren. Auto- und Radverkehr harmonieren besser, da Tempo 30 die Kommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmern erleichtert.
  • Bei Tempo 30 ist außerdem die Chance, rechtzeitig zu halten, wesentlich höher. Schon nach 13,3 Metern kommt das Auto zum Stehen. Wer mit Tempo 50 unterwegs ist, hat einen doppelt so langen Bremsweg.
  • Und es profitieren auch die Anwohner: Der Verkehrslärm nimmt deutlich ab, da langsamere Autos weniger Motoren- und Rollgeräusche entwickeln. Die Absenkung der Höchstgeschwindigkeit auf 30 Stundenkilometern reduziert den Lärm der Fahrzeuge nach Rechnung des VCD im Durchschnitt um bis zu drei Dezibel. Und das werde wie die Halbierung der Verkehrsmenge wahrgenommen. „Kurz gesagt: 50 Autos, die mit Tempo 50 unterwegs sind, sind ebenso laut wie 100 Autos, die Tempo 30 fahren.“ (Quelle: https://tempo30.vcd.org/t30-start.html)
     
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