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SchorndorfDie Macherin im Hintergrund

Karin de la Roi-Frey, vom 29.12.2012 00:00 Uhr
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Die Gaupp’sche Apotheke anno dazumal. Foto: ZVW
Die Gaupp’sche Apotheke anno dazumal.Foto: ZVW
Schorndorf.
In der wechselvollen Geschichte der Gauppschen Apotheke in Schorndorf waren es immer wieder die Frauen, die das Traditionshaus an den Schnittstellen zwischen Verlust und Fortbestand retteten.

Die am Oberen Marktplatz seit Ende des 17. Jahrhunderts seßhaften Apotheker starben entweder viel zu früh oder sie hatten andere Interessen. Ihre Ehefrauen und Töchter aber konnten das Unternehmen nicht weiterführen, weil sie eben weiblich und deshalb von Ausbildung, Beruf und Geschäftsführung ausgeschlossen waren. Aber sie wußten sich mit einer geschickten Heirats- oder Geschäftspolitik zu helfen, was nicht selten auf das Gleiche hinauslief.

Mitte des 18. Jahrhunderts führte Johann Gottfried Hauffe die Apotheke am Oberen Markt. Bald wurde deutlich, daß der Sohn des Hauses und designierte Nachfolger es eher mit der Theologie als mit der Pharmazie hatte. Und so mußte seine Schwester Christina Catharina das Erbe antreten, indem sie einen möglichst geeigneten Heiratskandidaten für sich und die Apotheke fand. Es klappte. 1775 heiratete sie den Provisor, d.h. den bisher angestellten Apotheker Jacob Victorin Gaupp (1749–1796) aus Kirchheim.

Mit dem Kauf der Apotheke seines Schwiegervaters hatte er sich zwei Jahre zuvor selbstständig gemacht und damit das Gründungsdatum der nun Gauppschen Apotheke in die Unternehmensgeschichte gesetzt. Gaupp wurde Bürgermeister und genoss großes Ansehen in Schorndorf. Und nach drei Töchtern und 16 Jahren Ehe kam auch endlich der nächste Apotheker Gaupp auf die Welt. Er hieß Gottlieb Friedrich (1791–1831) und hatte mit seiner Frau Luise Friederike, geborene Abele (1793–1871) drei Töchter und fünf Söhne, die alle noch minderjährig waren, als er viel zu früh starb.

Luise Friederike war die Tochter des verstorbenen Schorndorfer Schloßküfers Georg Michael Abele (1756–1825) und seiner Frau Maria Magdalena, geborene Hess (1763–1843). Wie sollte es jetzt weitergehen? Konnte sie von ihrer Familie Hilfe erwarten? Ihr Großvater Hess hatte als Ochsenwirt einen Namen in Schorndorf gehabt, ihre Tante Christiane (1773–1848) war die Frau des Tabakfabrikanten Christian Rapp (1771–1853), und Luise Friederikes Bruder Carl August (1804–1851) amtierte als Oberamtsarzt in Kirchheim. Oder sollte die 38-jährige Witwe vielleicht doch lieber gleich nach einem geeigneten Apotheker, Ehemann und Vater für acht Kinder Ausschau halten? Luise Friederike Gaupp musste die Apotheke schließlich verkaufen. Einige Jahre später aber konnte sie wieder in das Haus am Oberen Markt zurückkehren und brachte auch gleich einen Geschäftsführer mit: Carl Christian Grünzweig (1809–1880).

Grünzweig war 16 Jahre jünger als die Witwe. Keine schlechte Gelegenheit. So mancher Mann schaffte sich auf diese Weise eine eigene Existenz. Grünzweig aber nahm lieber die Tochter Luise Christine (1815–1906) zur Frau und führte auch gleich zwei Neuheiten ein: die Blockschokolade und die „Schorndorfer Lakritze“. „Bäradreck“ hieß diese Schleckerei bei den Einheimischen, und manches Büble brauchte davon schon früh morgens dringend eine Portion. Als sich der verschlafene Apotheker Gaupp nach mehrmaligem Läuten endlich am Fenster zeigte und den Wunsch des kleinen Kunden hörte, rief er ihm freundlich hinunter: „Oh Bua, do muschd scho bis en zwoi Stond wieder komme, bis jetzt hen dia Bäre no gar koin Dreck falla lassa!“

Und wie es nun schon bald „Tradition“ war, zeichnete sich auch bei Grünzweigs wieder eine schwierige Nachfolgesituation ab. Sohn Carl Otto (1845–1913) studierte zwar die für einen Apotheker nötigen Wissenschaften, sein Interesse aber galt der industriellen und nicht der pharmazeutischen Chemie. Und als sich die „g’schickte“ Heirat seiner Schwester Julie (1840–1933) mit dem Apotheker Hermann Haag (1835–1907) abzeichnete, verließ er Schorndorf und sollte später als Gründer der Isoliermittelindustrie in die Geschichte eingehen.

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