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SchorndorfGesucht: Die Oma für zwei Stunden

Pia Eckstein, vom 04.12.2012 00:00 Uhr
Begehrte Babysitter: Romina Umfa (links) und Ursula Thon bringen schon ganz viel Erfahrung mit. Der Kinderschutzbund sucht dringend mehr Frauen wie die beiden. Foto: Bernhardt/ZVW
Begehrte Babysitter: Romina Umfa (links) und Ursula Thon bringen schon ganz viel Erfahrung mit. Der Kinderschutzbund sucht dringend mehr Frauen wie die beiden.Foto: Bernhardt/ZVW

Schorndorf. Ach wär’ das schön, mal wieder ins Kino zu gehen! Kein Problem – es gibt doch Babysitter. Die werden vom Kinderschutzbund im Schorndorfer Familienzentrum vermittelt. Der allerdings hat ein Problem: Immer mehr junge Eltern wünschen sich Babysitter-Omas oder -Opas. Und die sind rar.

Romina Umfa ist seit Jahren dabei. Sie war die klassische Babysitterin: 15 Jahre jung und noch in der Schule. Heute ist sie Mitte dreißig, hat selbst zwei Kinder und sittet noch immer mit Begeisterung. Ihre Kinder, sagt sie, seien absolute Frühaufsteher und dadurch auch abends früh im Bett. Und wenn die dann schlafen, kümmert sie sich gerne noch um anderer Leute Kinder. „Es liegt mir einfach im Blut“, sagt sie. Es macht ihr Spaß.

Jemanden wie Romina Umfa könnte Margritta Knauß vom Deutschen Kinderschutzbund noch ungefähr 20-mal brauchen. Jemanden, der viel Geduld, viel Erfahrung, Flexibilität und Freude mitbringt. Oder jemanden wie Ursula Thon. Sie ist schon – das darf man sagen – eine richtige Babysitter-Oma. Die 62-Jährige ist vor allem vormittags für die Kleinen da – und betrachtet das als absoluten Vorteil. Denn da kann sie mit den Kindern spielen. Oder rausgehen. „Kinder müssen springen können“, sagt sie. Und sie weiß: Zieht ein Kind eine Grimasse, dann weiß sie genau, wo der Schuh drückt. Denn sie hat einfach schon sehr viel Erfahrung.

Immer mehr junge Eltern, sagt Margritta Knauß, sind irgendwo her aus Deutschland ins Remstal gezogen. Oma und Opa sind weit weg; sie können nicht mal kurz kommen und die Kinder regelmäßig sehen. Kinder aber lieben eine Oma, einen Opa. Und drum heißt’s immer wieder beim Kinderschutzbund: Habt ihr nicht eine Ersatz-Oma?

Vielleicht, meint Margritta Knauß, gibt’s ja auch alleingelassene Großeltern? Menschen, die sich Ersatz-Enkel wünschen, auf die sie hin und wieder aufpassen, mit denen sie spielen, singen, spazieren gehen und ihnen Ruhe und Sicherheit geben, wenn sich die Eltern mal einen Kinoabend gönnen. Eigene Kinder und Enkelkinder sind aber keine Voraussetzung. Allein der Wunsch nach Kontakt zählt. Selten seien es Babys, die betreut werden müssten, meist seien es Kleinkinder oder Schulkinder. Wer sich solch eine Aufgabe zutraut, kann beim Kinderschutzbund noch einen Babysitterkurs, in dem es um Erste Hilfe, Unfallverhütung oder die neuesten Wickeltechniken geht, belegen – muss aber nicht. Überhaupt gibt’s beim Babysitten keinerlei Verpflichtungen, wie sie etwa Tageseltern mit den vielen Fortbildungen erfüllen müssen. Allein der Wille, die Freundlichkeit und die Zuverlässigkeit zählen.

Ein Muss ist allerdings ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und eine Haftpflichtversicherung, die auch Babysitting abdeckt. Oder eine Mitgliedschaft beim Kinderschutzbund für 35 Euro im Jahr – dann ist das Babysitting automatisch mitversichert. Bei allem hilft und berät Margritta Knauß. Sie will auch wissen: Wie alt sollen oder können die Kinder sein, die die Ersatz-Oma sitten will? Wie viele Kinder auf einmal traut sich der Sitter-Opa zu? Wie weit darf die Fahrt sein? Zu welchen Zeiten ist eine Betreuung möglich?

Wer alle diese Fragen beantwortet hat, kommt als Babysitter in die Kinderschutzbund-Kartei. Fragen dann Eltern an, gibt Margritta Knauß, wenn die Voraussetzungen passen, die Telefonnummer. Die Eltern melden sich dann und kümmern sich um ein Kennenlernen. Die Erfahrung zeigt: Hat’s einmal geklappt, dann geht die Sitter-Oma immer wieder zur selben Familie.

Reich wird freilich niemand bei dem Job. Die Empfehlung des Kinderschutzbundes lautet: Auf die Stunde sollte es wenigstens etwa fünf Euro geben. Aber die Bezahlung ist Verhandlungssache.

„Wegen dem Geld sollte es niemand machen“, sagt Romina Umfa. Aber wegen der Freude. Und Freude, das weiß auch Ursula Thon, macht dieser Job. „Ich könnt’ alle so knuddeln, als wären’s meine eigenen.“

Babysitter-Tipps

Unter www.kinderschutzbund-schorndorf-waiblingen.de gibt’s alle Informationen und Fragebögen zum Babysitten. Einfach weiterklicken auf „unsere Angebote“ und dann „Babysitterzentrale“.

Wer in die Babysitter-Kartei aufgenommen werden will, muss einmalig fünf Euro an den Kinderschutzbund zahlen.

Der Kinderschutzbund gibt Babysittern noch folgende Tipps:

Lassen Sie sich Ihre Aufgaben genau erklären, zum Beispiel, ob Sie mit den Kindern spielen oder sie nur ins Bett bringen sollen.

Fragen Sie, ob Sie Besuch bekommen und angerufen werden dürfen, ob Sie fernsehen dürfen oder sich aus der Küche etwas zu essen und zu trinken nehmen dürfen.

Seien Sie mindestens zehn Minuten vor der verabredeten Zeit bei der Familie, damit Sie sich noch über alles Aktuelle, was die Kinder betrifft, informieren können, zum Beispiel, ob ein Kind zahnt oder krank ist.

Lassen Sie sich eine Telefonnummer geben, unter der die Eltern oder eine den Kindern nahestehende Person im Notfall zu erreichen ist.

Bitten Sie die Eltern, etwas Bargeld für unerwartete Notsituationen zu hinterlegen.
 

 

Kommentare (2)
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DEZ
05
10:42 Uhr, geschrieben von Redaktion
Internetadresse
Lieber Herr Ellrich, Sie haben recht, wir haben die Adresse mittlerweile korrigiert. Sie lautet: www.kinderschutzbund-schorndorf-waiblingen.de. Vielen Dank für den Hinweis und viel Spaß als Ersatzopa. Die Redaktion
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DEZ
04
20:47 Uhr, geschrieben von Ellrich Siegfried
Herr
Die von ihnen angegebene Internetadresse gibt es nicht www.kinderschutz-schorndorf-waibligen.de , gern hätte ich mich als Ersatzopa gemeldet, leben meine beiden Enkel leider 500 Km weit weg. Da kam dieser Artikel gerade richtig mich bei anderen Familien ein wenig nützlich zu machen., Aber vielleicht helfen sie mir ja.
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