Schorndorf Katrin Bauerfeind im Interview

Jörg Nolle, 30.11.2016 18:00 Uhr
Schaut allemal forsch in die Welt: Katrin Bauerfeind, aufgewachsen in Aalen. Foto: Jürgen Naber
Schaut allemal forsch in die Welt: Katrin Bauerfeind, aufgewachsen in Aalen.Foto: Jürgen Naber

Schorndorf. Katrin Bauerfeind kommt am Samstag in die Manufaktur und liest aus ihrem Selbsterfahrungsbuch „Hinten sind Rezepte drin“. Sie erörtert darin solche Fragen, ob Frau emanzipiert sein und trotzdem ohne Unterwäsche in die Stadt gehen kann. Aber hier mehr vom Anfang. Wie zeigte sich die gefragte Kabarettistin und Moderatorin früh in ihr?

Haben Sie, die gebürtige Aalenerin, die Manufaktur gekannt? Welche Clubs und Szenen haben Sie denn humormäßig sozialisiert? War Musik für den Distinktionsgewinn wichtig, die ganze Bescheidwisserei um Platten und Bands?

Als Aalenerin muss man sich humormäßig weitestgehend selbst sozialisieren. Lachen als eigene Sportart ist dem Schwaben ja erst mal fremd und Aalen ist, was das angeht, noch mal schwäbisches Hinterland. Aber Fernsehen hat geholfen. Mein Vater fand, am Ende hat immer Dieter Hildebrandt recht, bei mir war’s dann schon eher Harald Schmidt. Bands und Platten ist tatsächlich ein lustiges Thema: Als wir Kabelfernsehen bekamen, haben die Top-Stars schon gar keine Videos mehr gemacht, die MTV und VIVA hätten senden können und meine erste Platte war von DJ Bobo „Everybody“. Wenn das nicht zum Lachen ist. Als Kind der 90er braucht man eh wahnsinnig viel Humor.

Spielten Sie in der Schule den Klassenkasper? Was hat dann den Kick gegeben fürs Genre?

Ja, kann man sagen. Meine Slapstick-Referate und Lehrer-Parodien sind bis heute legendär. Und sobald beim Klassentreffen alle den 0,7-Promille-Pegel überschritten haben, muss ich die noch mal zum Besten geben. Ich bin das klassische Schultheater-Kind und keine Tante war vor meinen Showeinlagen an Geburtstagsfeiern sicher. Ist angeboren, nehme ich an. Man verdrängt das ja selbst, aber ich kenne Leute, die behaupten, dass ich sie bis aufs Klo verfolgt habe, um ihnen ganze Sendungen von „Samstag Nacht“ auswendig nachzuspielen. Schon als Kind hab ich immerzu geredet, wenn keiner da war, dann eben mit mir selbst. Dass daraus Gott sei Dank ein Job und keine Krankheit geworden ist, beruhigt vermutlich am allermeisten meine Mutter!

Sie begleiten Promis. Hinter der Kamera läuft sicher nicht immer alles easy und lustig ab. Das besondere Vorkommnis?

Bei „Bauerfeind assistiert…“ begleite ich einen Tag lang einen Prominenten in seinem Job. Die Sendung hat den Vorteil, dass wir immer zeigen können, wenn was nicht gut läuft, denn es ist ja sozusagen eine „Hinter den Kulissen“-Sendung! Mit Tim Mälzer hab ich mich richtig gestritten, wer von uns Beiden mehr recht hat, Dunja Hayali wollte mich kürzlich rausschmeißen, weil ich ihr das Morgenmagazin nicht zufriedenstellend vorbereitet habe.

Wer war der bizarrste Gast?

Bizarr war sicher Noel Gallagher von Oasis, der ja ein eher schwieriges Verhältnis mit seinem Bruder Liam hat. Da kam alle zwei Minuten der Manager rein und sagte, wenn euch der Liam hier sieht, gibt’s auf die Fresse. Hach, schön, da kann ich mich dran erinnern, als sei es gestern gewesen.

Und Michail Gorbatschow ist hängengeblieben. Der war beeindruckend. Ich hatte Geschichte-Leistungskurs und das Abi-Thema „Deutschland 1945-1990“. Da ging’s zwangsläufig viel um Gorbatschow. Ich hab grade so ‘ne Vier plus hinbekommen im Abi, was mir zum ersten Mal sehr unangenehm war, als der Mann, um den es ging, persönlich vor mir stand. Ich hab ihm dann gesagt, dass ich besser gelernt hätte, wenn mir jemand rechtzeitig Bescheid gegeben hätte, dass ich ihm mal begegnen werde. Und er sagte: „Sehen Sie, Mädchen, da sag’ noch mal einer, was man in der Schule lernt, brauche man später nicht für’s Leben!“

Früh dran

Katrin Bauerfeind moderierte das erste ruckelfreie deutsche Internetfernsehen „Ehrensenf“, das mit mehreren Grimme-Preisen dekoriert wurde. Sie liest diesen Samstag, 3. Dezember, ab 20 Uhr in der Manufaktur in Schorndorf aus ihrem Buch „Hinten sind Rezepte drin“.

          0
 
Kommentare (0)