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Schorndorf Kindern mehr Selbstbewusstsein geben

Ein selbstbewusstes Kind muss wissen, wer es ist, was es kann – und seine Stärken und Schwächen annehmen können, so Elke Walter. Foto: Ralph Steinemann

Schorndorf. In den ersten Lebensjahren sind die Eltern für ein Kind noch die Allergrößten. Darum ist es wichtig, was wir ihnen vorleben und wie wir sie behandeln. Bei einem Vortrag in der Volkshochschule erläuterte Mentaltrainerin Elke Walter, wie Eltern die Potenziale ihrer Kinder fördern und ein gesundes Selbstbewusstsein stärken können.

Video: Elke Walter erklärt wie das Selbstbewußtsein der Kinder gestärkt wird.

Der kleine Max stolpert beim Toben über einen Ast und fällt hin. Was macht er wohl als Erstes? Losweinen, weil es wehtut? Nein, er schaut, wie seine Eltern reagieren: Bleiben sie ruhig oder werden sie panisch? „Das Kind richtet dann sein Verhalten an dem seiner Eltern aus“, sagt Elke Walter. Max beginnt also, fürchterlich zu brüllen, wenn seine Eltern sich fürchten und aus dem Fall ein Drama machen – oder lässt sich schnell beruhigen, wenn sie ihm gut zureden und ruhig bleiben.

Kritisiere ich gerade das Kind oder die Sache, die es falsch gemacht hat?

Solch ein Verhalten kann sich zu Mustern verfestigen. Max wird also eher ein ängstliches Kind oder selbstbewusst und mutig – je nachdem, was ihm seine Eltern vorleben und wie sie auf das reagieren, was er tut. „Die Frage lautet daher: Was pflanzen wir den Kindern ein?“ Bis zum achten Lebensjahr werden sie nämlich sehr stark von ihren Eltern geprägt. „Die glauben Ihnen alles, für sie sind Sie die Götter in Weiß auf dem Thron.“ Wenn Kinder älter werden, können sie die Aussagen der Erwachsenen differenzieren, bis dahin nehmen sie alles für bare Münze. Sagt der Vater zu Max also: „Was hast du bloß wieder mit deinem Zimmer gemacht! Du bist so unordentlich“, so verinnerlicht Max das. Und glaubt irgendwann selbst, dass er ein unordentlicher Mensch ist. „Du bist – das geht sofort rein“, sagt die 47-Jährige. Als Eltern sollte man sich daher stets fragen: Kritisiere ich gerade das Kind oder die Sache, die es falsch gemacht hat?

Diese Langzeitprägungen beginnen schon im frühesten Kindesalter. „Da versteht das Kind die Inhalte noch nicht, aber die Schwingungen seiner Umgebung.“ Also ob seine Mutter den kleinen Max mit anderen Kindern vergleicht – und Defizite beklagt. Oder ob er gelobt wird für die Fortschritte, die er erreicht. Später kommen diese dann als Gefühle hoch: etwa dem, den Ansprüchen seiner Eltern nie genügen zu können.

„Die Kinder sind schon in Ordnung. Wir müssen vielmehr bei uns selbst anfangen.“ Sonst wird schon früh der Kern zum Selbstzweifel gelegt. Für ein gesundes Verhältnis zu seinem Ich braucht Max aber Selbstvertrauen und Selbstachtung: Er muss genau wissen, was er kann – und was nicht. Und das auch annehmen. Schwächen zu verleugnen binde einfach zu viel Energie. Zu ihnen zu stehen, das mache hingegen sympathisch.

Kinder brauchen ausreichend Spielraum für eigene Erfahrungen

Dazu braucht das Kind ausreichend Spielraum für eigene Erfahrungen – ohne dass die Eltern eingreifen, ohne dass sie sofort gut gemeinte Ratschläge erteilen und dabei doch nur Ängste oder Zweifel säen. Sätze wie „du kannst das eh nicht“, „das ist nichts für dich“, „das geht bestimmt schief oder „ob das wohl klappt?“ machen das Kind kleiner, als es ist. Ob sie ihnen stattdessen schöne, positive Erfahrungen geben und unter Kontrolle auch mal etwas Gefährliches ausprobieren lassen, das haben die Eltern selbst in der Hand.

Diese Erfahrungen wandern schließlich ins Unterbewusstsein, wo sie nie wieder verschwinden, höchstens von neuen Erfahrungen überschrieben werden. Die Gehirnforschung geht davon aus, dass lediglich zwei bis fünf Prozent der Handlungen, die ein erwachsener Mensch ausführt, auch bewusst geschehen. „Wir fahren also den ganzen Tag im Autopilot“, sagt Walter. Entsprechend große Bedeutung haben die Erfahrungen und Prägungen der Kindheit.

Aber nicht nur durch aktives Handeln können seine Eltern das Selbstbewusstsein von Max beeinflussen. Verhaltensmuster können sich auch übertragen, laut Walter sogar auf bis zu sieben Generationen. Denn „Ängste, die nicht bearbeitet sind, verfestigen sich.“ Als Tochter einer Familie, die 1945 den Bombenangriff auf Dresden erlebt hat, wisse sie das aus eigener Anschauung. Ängste aus dieser Generation hätten sich bis zu ihren Kindern weitergetragen.

Gute Eltern müssen sich auch um sich selbst kümmern

„Nehmen Sie darum die Ängste des Kindes ernst“, so der Ratschlag von Walter. „Nehmen Sie aber auch sich selbst ernst.“ Denn Kinder sind gute Beobachter. Sie nehmen ganz genau wahr, wie wir mit uns umgehen, wie wir uns selbst behandeln. „Schauen Sie darum nach sich. Denn nur wenn Sie mit sich im Reinen sind, können Sie auch etwas geben!“ Sich als Mutter oder Vater auch mal etwas zu gönnen, sei darum auch keineswegs egoistisch.

Wie wir unsere Kinder letztlich selbstbewusster machen? Indem wir uns zunächst einmal selbst lieben – und öfter loben. Den Satz „Eigenlob stinkt“ solle man am besten gleich vergessen, findet Walter. Und diese Selbstliebe an die Kinder weitergeben.

Indem wir ihnen und uns Mut zureden und nicht ständig das Scheitern im Kopf haben. „Denken Sie dorthin, wo Sie hinwollen.“ Indem wir uns aber auch aktiv damit befassen, wie wir mit einer Situation umgehen, denn „ich entscheide selbst, wie ich mich fühle“.

Und indem wir die Aufmerksamkeit auf das lenken, was sie können, nicht auf ihre Schwächen. Denn „hätte man Boris Becker mit acht Jahren zum Logopäden geschickt, hätte er Wimbledon wohl nie gewonnen.“

Löwenstark-Seminar

Seit 2006 macht die studierte Ökonomin Elke Walter Mentaltrainings für Kinder von fünf bis zehn Jahren. Unter dem Motto: „Löwenstark – wecke den Löwen in dir“ gibt sie den Kindern Werkzeuge an die Hand, um „den Löwen in sich zu wecken und sich selbst stark und mutig zu sehen“.

Weitere Informationen zu dem Konzept gibt es hier.

Am 10. Januar um 16 Uhr startet der nächste Löwenstark-Kurs bei der Volkshochschule Schorndorf. Die fünf Termine kosten 75 Euro. Anmeldung unter 07181/ 200-70, auf der Homepage oder direkt bei der VHS in der Augustenstraße 4.

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