Zeitung in der Schule Die Auftaktveranstaltung

Heidrun Gehrke, 08.10.2016 00:00 Uhr
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Lehrerinnen und Lehrer drücken die Schulbank und informierten sich im Zeitungshaus Waiblingen über das Projekt „Schüler machen Zeitung“. Foto: Büttner / ZVW
Lehrerinnen und Lehrer drücken die Schulbank und informierten sich im Zeitungshaus Waiblingen über das Projekt „Schüler machen Zeitung“.Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Grundschulkinder aus dem Verbreitungsgebiet des Zeitungsverlags beschäftigen sich einen Monat lang mit dem Medium Zeitung und mit ihrer eigenen Mediennutzung. Reflektiertes Lesen und Medienkompetenz statt fremdbestimmter Medienkonsum sind die Ziele des Projekts „Schüler machen Zeitung“ des ZVW, das im November startet.

24 Lehrer aus dem Rems-Murr-Kreis haben sich bei einer Auftaktveranstaltung über Inhalt und Verlauf des Projekts informiert. Auch in Zeiten leistungsstarker technischer Geräte, die uns gigantische Informationsmengen in Sekundenschnelle aus dem Netz saugen können, ist die lokale Tageszeitung ein „hervorragendes Instrument, um mit Schülern verschiedene Fähigkeiten einzuüben“, sagte Saskia Karbach von Promedia Maassen, dem medienpädagogischen Partner des Zeitungsverlags Waiblingen, der das Projekt „Schüler machen Zeitung“ koordiniert und es inhaltlich konzipiert hat.

Die Schüler können selbst journalistisch tätig werden

767 Grundschüler aus 35 Klassen aus 20 verschiedenen Schulen aus dem Verbreitungsgebiet des ZVW können durch tägliche Zeitungslektüre ihre Lese- und Schreibkompetenz verbessern. Sie lernen ihre Tageszeitung als wichtiges Informationsmedium kennen, lesen sie täglich, freitags zusätzlich die Kinderzeitung. Sie sprechen im Klassenzimmer über das Gelesene, bauen die Informationen in den Unterricht ein. Es besteht Gelegenheit, die Redaktion des Zeitungsverlags Waiblingen zu besuchen, auch eine Führung durch das Druckhaus steht auf dem Programm.

Die Schüler können selbst journalistisch tätig werden und vielleicht sogar ihre eigene Geschichte in der Zeitung lesen; eine Auswahl der Texte wird in der Zeitung erscheinen. Auch besteht die Möglichkeit, in der ZVW-eigenen Onlineredaktion unter Anleitung eines Videoredakteurs ein Video zu drehen.

Jugendliche nutzen eine „Mixtur verschiedener Kanäle“

Warum die gedruckte Tageszeitung den Grundschülern nahebringen, die hinein geboren werden in ein stetig wachsendes und schon heute unübersichtliches Medienangebot? Weil „in aufgeregten Zeiten ein unaufgeregter Journalismus, kritische Recherche und nüchterne Einordnung wichtiger denn je“ seien, zitierte ZVW-Geschäftsführer Michael Krickl den Präsidenten des Bundesverbands der deutschen Zeitungsverleger, Dr. Mathias Döpfner. Auch wenn unser Eindruck ein anderer ist: Unter Zwölf- bis 19-Jährigen überwiegt nicht per se das Internet. Eine Jim-Studie, die den Umgang mit Medien und Information bei Jugendlichen untersucht hat, fand heraus, dass eine „Mixtur verschiedener Kanäle“ genutzt wird, informierte Saskia Karbach. Das Internet überwiege bei den sogenannten weichen Themen wie Unterhaltung und Lifestyle. Bei anderen Themen wie Sport und Lokalpolitik stehe unverändert die Zeitung an erster Stelle. „Es ist der Vertrauenspartner, auch gerade für Jugendliche“, so Karbach.

Zeitung biete nach wie vor mehr als nur die „bloße Übermittlung von Nachrichten“, sagte Michael Krickl. Sie sorge für Orientierung, diene dem „Schärfen des eigenen Verstands“ und „der eigenen fundierten Meinungsbildung“. Kinder, die zwischen hektisch hingetwittertem Hashtag und gründlich recherchierter Information unterscheiden, könnten eigene Sichtweisen entwickeln und Geschehnisse vor ihrer Haustüre und weltweit besser einordnen.

Das Zitat

„In aufgeregten Zeiten sind ein unaufgeregter Journalismus, kritische Recherche und nüchterne Einordnung wichtiger denn je.“ Dr. Mathias Döpfner, Präsident des Verbands Deutscher Zeitungsverleger

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