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Sibirische Kälte Winterschwimmen, Eispyramide und gute Tipps gegen den Frost

dpa/dapd/ZVW, vom 06.02.2012 00:00 Uhr
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Warmes Badevergnügen bei eisiger Luft im beheizten Außenbecken im Wunnebad Winnenden. Foto: Gabriel Habermann
Warmes Badevergnügen bei eisiger Luft im beheizten Außenbecken im Wunnebad Winnenden. Foto: Gabriel Habermann
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Winnenden. „Ich muss ins Warme“, sagt eine Frau, in entschlossenem Ton. Mit „ins Warme“ meint sie aber nicht etwa die heiße Dusche oder die Sauna, sondern das Sportbecken im Freien, das sie im flotten Trippelschritt ansteuert. Darin hat das Wasser 25 Grad – gewiss einer der wärmsten Orte, um Sport zu treiben an diesem zapfenkalten Wintertag.

Wie kann man nur? Wer sich das fragt, kommt gewiss zurzeit nicht zum Schwimmen hierher ins Wunnebad. Die hingegen, die bei Minusgraden mit sportlichem Kopfsprung oder Füßen voraus ins Becken gleiten, sie kämen vermutlich auch, wenn das Becken zugefroren wäre. „Die sind wirklich schmerzfrei“, meint Schwimmmeister Robert Setzer, der zwischen Sommerschwimmern und Winterschwimmern kaum Unterschiede feststellt. Ein bei minus sechseinhalb Grad Außentemperatur (also mittags) kühn durchgeführter Selbsttest hat ergeben: Robert Setzer hat recht. Denn eigentlich ist ein Winterschwimmtag wie ein Tag im Freibad - nur natürlich etwa 36 Grad kälter. Klar: Auch die Beachvolleyballspieler und die Sonnenanbeter fallen weg. Überhaupt der Trubel des Sommerbades. Aber sonst: Sonnenschein satt, blauer Himmel.

Am Startblock formieren Zapfen eine kleine Eisorgel

Selbst im Fitnessstudio oder in der Sporthalle herrschen nur 22 Grad während des Trainings. So warm wie die Winterschwimmer kann fast niemand Sport treiben - das wird sich sicherlich auch jene Frau gesagt haben, die von der Dusche durch die Kälte zum Becken trabt. „Das ist doch nur die eine Minute, bis man im Wasser ist, danach ist’s um so wärmer“, meint sie. Diese eine Minute aber, die kann es in sich haben und man wünscht sich sofort zurück unter die warme Dusche, wenn einem die Eiseskälte einen Schock versetzt, die Gänsehaut spürbar wird und die Fußsohlen beginnen, vor Kälte zu schmerzen. Dann wird einem schlagartig bewusst, was man da eigentlich gerade tut: In Schwimmkleidung ins Freibad gehen anstatt in Winter- und Thermokleidung, mit Handschuhen und Mütze, der Kälte zu trotzen wie drüben im Eispark, wo sich dick Eingemummelte auf Kufen bewegen und so gegen das Bibbern ankämpfen.

An Tagen, wenn die Kälte einem die Nasenschleimhäute zusammenkleben lässt, ist jeder damit beschäftigt, Strategien gegen das Frieren zu entwickeln. Eine Runde Schwimmen ist da nicht zu verachten: Es kurbelt den Kreislauf an, härtet ab - und wärmt. Schon nach der ersten Bahn, wenn einen das warme Wasser umarmt und nichts mehr zu spüren ist von der Kälte, möchte ich nicht mehr mit den Eisläufern tauschen. Viel zu schön das wohlige Gefühl, sich im dampfenden Wasser „nudelwohl“ zu fühlen - der Vergleich mit einer Nudel im blubbernden Topf drängt sich auf angesichts der Nebelschwaden, die der aufsteigende Wasserdampf bildet. Wie herrlich, beim Bahnenziehen kaum Gegenverkehr zu haben. Und wie selten sind so schöne Eiszapfen zu sehen wie hier: bei der Wende am Beckenrand, wo das Wasser zu filigranen Fingern zusammengefroren ist und als „Eisorgel“ am Startblock klebt, an dem sich die Schwimmer abstoßen, einer nach dem anderen. Ganz ohne sich zu fragen: Warum tue ich mir das an?

 

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