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StellenausschreibungenAnreiz und Vorselektion

Peter Ilg, vom 09.06.2012 15:19 Uhr
Stellenanzeigen spielen eine wichtige Rolle, um Arbeitgeber und Jobsuchende zusammenzubringen. Foto: Lantelme
Stellenanzeigen spielen eine wichtige Rolle, um Arbeitgeber und Jobsuchende zusammenzubringen.Foto: Lantelme

Bad Homburg - „Wir sind als führender Hersteller von Hydraulik- und Vakuumpumpen eine der ersten Adressen für die Automobilindustrie. 1400 Mitarbeiter entwickeln und produzieren Pumpen für . . . an den Standorten Bad Homburg und Hückeswagen.” - „Dieser kurze Abschnitt über uns steht einleitend in jeder Stellenausschreibung von uns”, sagt Kajetan Gressler, Leiter Marketing und Kommunikation bei ixetic in der Zentrale in Bad Homburg. Dann folgen in allen Ausschreibungen dieselben Gliederungspunkte: „Ihre Aufgaben”, „Ihre Qualifikation”, „Unser Angebot” und „Ihre Bewerbung”. „Die Fachabteilungen liefern mir die Inhalte, ich mache daraus den Text und sorge für die Veröffentlichung auf unserer Homepage, in Karriereportalen und in Fachzeitschriften.” Die Anzeigen sollen nach Angaben von Gressler zunächst das Interesse wecken und dann in den Dialog mit dem Bewerber führen. Dass sie ihren Zweck erfüllen, kann Gressler belegen: Vor fünf Jahren hatte www.ixetic.de zehn Besucher täglich. Heute sind es bis zu 600, wenn ein interessanter Job ausgeschrieben ist. Das zeigt, wie wichtig der Inhalt von Stellenangeboten ist.

Nach der Lektüre sollte der Leser wissen, ob er für den Job geeignet ist

„Stellenanzeigen sind eine Mischung aus Anreiz und Vorselektionsinstrument für Bewerber und Unternehmen zugleich”, sagt Dr. Sascha Armutat, Leiter Forschung in der Deutschen Gesellschaft für Personalführung in Düsseldorf. Sie sollen Interesse wecken und eine Art Selbstauskunft über den Arbeitgeber sein, und sie sollten Informationen über die Tätigkeit enthalten. Nach der Lektüre sollte der Leser wissen, ob er für den Job geeignet ist. „In dem Fall bekommen die Unternehmen dann auch nicht waschkörbeweise Bewerbungen, sondern nur solche, bei denen das Grundsätzliche passt.”

Pflicht in jeder Stellenanzeige sind nach Angaben von Armutat eine klare Beschreibung der Tätigkeit und der erforderlichen Kompetenzen. Was nicht hineingehört, sind Diskriminierungen, etwa in Bezug auf Alter und Geschlecht. Weiterhin hält er eine angemessene und verständliche Sprache für wichtig: „Je präziser die Kompetenzen beschrieben sind, desto stärker können Stellenausschreibungen ein Vorselektionsinstrument für beide Seiten sein.” Sie sollten eine realistische Vorschau auf den Job liefern, und die Bildsprache sollte mit den Begriffen zusammenpassen. „Nichts ist unpassender, als wenn ein ,junges und dynamisches Unternehmen' einen neuen Mitarbeiter sucht und daneben ist ein Foto abgebildet, auf dem ein alter Haudegen dem Jungen dessen Job erklärt.” Die Kür einer Stellenanzeige besteht nach Meinung von Armutat schließlich darin, wenn das Employer Branding klar und deutlich zum Ausdruck kommt.

„Jede Stellenanzeige ist zugleich imagefördernd"

Ein Beispiel dafür ist in der ixetic-Anzeige der Satz: „Wir bieten viel Freiraum für Ihre Ideen und Initiativen.” Mit der Arbeitgebermarke wollen sich Unternehmen als attraktive Arbeitgeber darstellen und von Wettbewerbern abheben. Dass Gressler nicht nur für Kommunikation, sondern auch für Marketing zuständig ist, zeigt seine nächste Aussage. „Jede Stellenanzeige ist zugleich imagefördernd. Deshalb und aus Kostengründen schalten wir nur in seltenen Fällen Headhunter ein.”

Christian Pape ist Headhunter. Seriöser ausgedrückt ist er Personalberater und Vorstandsvorsitzender der Pape Consulting Group AG in München. Das Unternehmen ist eine klassische Personalberatung und arbeitet daher überwiegend in der Direktsuche, schaltet aber auch bei etwa einem Drittel aller Kundenaufträge Stellenanzeigen. Rund 400 Stellen hat die Firma im vergangenen Jahr besetzt. „Stellenausschreibungen führen oft nicht zum gewünschten Erfolg, weil sich Leute in guten Positionen durch eine Bewerbung nicht outen und sie gerne hofiert, also angesprochen werden wollen.” Und es würden vor allem diejenigen Stellenanzeigen lesen, die wechseln wollen. „Doch die haben oft einen Haken.” Dennoch: aus Sicht der Interessenten seien klassische Stellenanzeigen nach wie vor das führende Medium, um einen neuen Job zu finden.

Gut 120 Stellenanzeigen hat Pape Consulting im vergangenen Jahr geschaltet und wurde auch auf diese Art und Weise fündig. „Stellenanzeigen sind nur dann gut, wenn sie keine Plattitüden enthalten wie ,Wir sind die Besten und Tollsten'.” Diese Worte hält Pape für typischen Einheitsbrei, der nicht hervorsticht. Doch genau das sollen die Offerten. Stellenanzeigen sollten nach seiner Meinung authentisch sein und die gelebte Firmenkultur beschreiben. „Der Leser muss sich zurechtfinden und orientieren können.” Aussagen wie „Wir sind dynamisch” helfen dabei nicht im Geringsten. Schon eher Aussagen wie „inhabergeführt” oder „mit hohen Freiheitsgraden”. „Viele haben vieles zu bieten, doch leider sagen sie das nicht.” Und häufig würden zahlreiche Unternehmen nicht den passenden Kandidaten finden, weil die Stellenausschreibung vom Ideal ausgehe. Und das gibt es bekanntlich selten.

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