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StrukturpolitikEine schwierige Standortsuche

olm, vom 23.06.2012 16:35 Uhr
Standorte für Logistikdienstleister
gibt es in der Region viel zu wenige, sagt die Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart. Foto: Mierendorf
Standorte für Logistikdienstleister gibt es in der Region viel zu wenige, sagt die Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart.Foto: Mierendorf

Stuttgart - Nein, zwischen den Stühlen sitze er nicht, spielt Walter Rogg die schwierige Suche der Wirtschaftsförderung nach Logistikflächen etwas herunter. Der oberste Wirtschaftsförderer der Region macht sich allerdings ernsthafte Sorgen, weil es ihm und seinen Kollegen bislang nicht gelungen sei, den Kommunen in der Region mehr Zustimmung für Logistikansiedlungen abzuringen.

Dabei gebe es in den 179 Städten und Gemeinden der Region genügend Möglichkeiten. Fast jede Kommune hat ihr eigenes Gewerbegebiet, hinzu kommen 15 interkommunale Gewerbegebiete. „Investoren können aus einem großen Angebot wählen, nur bei Logistikflächen haben wir echt ein Problem”, sagt Walter Rogg. Bis heute sei es zu wenig gelungen, die Kommunen rund um Stuttgart davon zu überzeugen, dass Logistik heute nicht zwangsläufig etwas mit einer Zunahme des Verkehr zu tun habe.

„Es ist ja nicht mehr so, dass an den Standorten nur Krach gemacht wird, große Flächen verbraucht würden und wenig Arbeitsplätze entstünden. Heute bringen logistische Nutzungen eine hohe Wertschöpfung”, erklärt Rogg. Bei vielen Logistikunternehmen handele es sich zudem um ausgelagerte Industrieproduktionen, die mittlerweile teilweise mehr Mitarbeiter beschäftigten als die regulären Produktionsbetriebe. „Hier müssen wir bei den kommunalen Entscheidern noch Überzeugungsarbeit leisten”, so Walter Rogg. Dabei gebe es viele Beispiele gelungener Logistikansiedlungen, etwa Porsche und Winkels in Sachsenheim oder Lapp Kabel in Ludwigsburg.

Arbeitsplätze sind in Gefahr

Zwar sei es auf der einen Seite gut, dass es unter den Städten und Gemeinden einen Wettbewerb um die begehrten Investoren gebe - das würde vor allem der Preisgestaltung und dem Service, vor allem aber dem Umgang der Kommunen mit den Investoren entgegenkommen. Andererseits habe sich die zurückhaltende Einstellung gegenüber Logistikansiedlungen in den letzten Jahren zu einem immer größeren Problem für die Region entwickelt. Gerade eine so stark exportabhängige Wirtschaft wie die der Region Stuttgart sei aber auf neue Logistikflächen angewiesen.

„Ohne diese Flächen wird auch die Industrie in der Region eines Tages wegziehen, und das wird Arbeitsplätze kosten”, befürchtet der oberste Wirtschaftsförderer der Region schon seit langem. Eigentlich müsste sofort etwas passieren, meint Rogg. Die Gemeinden weisen immer noch zu wenig Flächen in ihren Gewerbegebieten als sogenannte 24/7-Gebiete aus. Das sind Gewerbegebiete, in denen an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden gearbeitet werden darf. „Wir müssen jetzt nochmals mit allen Bürgermeistern entlang den Hauptverkehrsachsen sprechen und sie davon zu überzeugen versuchen, dass ihre Kommune der geeignete Standort für eine Logistikansiedlung sein könnte”, macht Rogg die Dringlichkeit deutlich.

Dass Rogg und seine Kollegen von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart in der Vergangenheit bei der Suche nach Logistikflächen häufig bei den kommunalen Repräsentanten abgeblitzt sind, hat nicht immer nur mit den Unternehmen an sich als mit dem Wunsch vieler Bürgermeister zu tun, in ihrem Gewerbegebiet auch einen Edelbetrieb wie Bosch oder Porsche vorweisen zu können. „Das Image eines international renommierten Unternehmens strahlt zwangsläufig auch auf die Kommune ab, wissen die Bürgermeister und pokern entsprechend hoch bei der Besetzung ihrer Gewerbegebiete”, weiß der Wirtschaftsförderer. Andererseits sei die Aussicht auf derart wertvolle Arbeitsplätze und die damit verbundenen sicheren Steuereinnahmen eher selten und wie ein Sechser im Lotto für eine Kommune, gibt er zu bedenken.

Man muss sich an Inhalten orientieren

Rogg setzt deshalb auch auf die Einsicht der Kommunen. Dazu will die Wirtschaftsförderung künftig noch stärker auf Aufklärung und Kommunikation in den Gemeinden setzen. Allerdings weiß auch Rogg, dass die Not in den Gemeinden nicht so groß ist, freiwillig die kostbaren Gewerbeflächen für die Ansiedlung eines Logistikers zu „opfern”. Der Wirtschaftsförderer setzt deshalb auch auf Förderprogramme wie die zur Bildung interkommunaler Gewerbegebiete und die Nachverdichtung kommunaler Brachflächen. Denn für viele Gemeinden, die nicht an den großen Entwicklungsachsen liegen, sei es schon heute sehr schwierig, überhaupt noch Flächen genehmigt zu bekommen.

Rogg würde es deshalb auch begrüßen, wenn die regionale Förderung von Gewerbegebieten sich stärker an den Inhalten orientieren würde, damit es zu einem regional ausgewogenen und nachfrageorientierten Gesamtangebot bei den Gewerbegebieten kommen kann. Das gilt nach Ansicht Roggs aber nicht nur bei den dringend benötigten Quadratmetern für Logistikansiedlungen. Denn obwohl die Region Stuttgart reich an Gewerbeflächen ist, fehlte es in den zurückliegenden Jahren immer öfter vor allem an den begehrten Standorten wie zum Beispiel der Landeshauptstadt an schnell verfügbaren Flächen.

Dass sich die Kommunen in der Wirtschaftsregion Stuttgart manchmal etwas schwertun, wenn kurzfristig für einen Investor Flächen benötigt werden, liegt auch daran, dass sich die begehrten Städte und Gemeinden auch zu sehr darauf verließen, dass private Anbieter rechtzeitig die notwendigen Flächen auf den Markt bringen. Vor allem an den begehrten Standorten fehle es an schnell verfügbaren Gewerbeflächen, bemängelt Rogg.

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