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Stuttgart 21Bahn räumt weitere Bauverzögerung ein

Konstantin Schwarz, vom 20.12.2012 11:23 Uhr
  Foto: Leif Piechowski
 Foto: Leif Piechowski

Stuttgart - Erst im Oktober hatte die Bahn den Zeitplan für ihre Bauarbeiten korrigiert und stellenweise bis zu acht Monate Verzögerung eingeräumt. Am Mittwoch erklärte eine Sprecherin, dass der Plan in Teilen erneut korrigiert und vor dem Weiterbau im Bahnhof zunächst ein neues Fahrplankonzept erarbeitet werden müsse. Die Bahn bestätigte damit die am gleichen Tag von dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Verkehrsclub Deutschland und dem Bahn-Experten Gerhard Schnaitmann erhobenen Vorwürfe. Ob mit dem neuen Fahrplan Züge in Stuttgart entfallen und außerhalb halten, ist unklar. Die Sprecherin wollte sich zu Details des neuen Fahrplans nicht äußern.

Bis April 2013 wollte das Unternehmen alle Bahnsteige im alten Hauptbahnhof von der Kopfbahnsteighalle aus um 120 Meter kürzen und in das Gleisfeld hinein verschieben. Damit sollte Platz für die Grube des Tiefbahnhofs geschaffen werden. Der Zeitplan ist nicht mehr haltbar. Für den Umbau, bei dem immer zwei Gleise gesperrt worden wären, steht nicht mehr genügend Gleiskapazität zur Verfügung. Die Arbeiten sollen nun bis Jahresmitte 2013 erledigt sein, „gegebenenfalls“ werde es zu weiteren Verzögerungen kommen.

Grund der neuerlichen Misere sind drei Entgleisungen an der Weiche Nummer 227, womit Gleis 10 auf unbestimmte Zeit gesperrt ist. Außerdem kann nur noch ein Drittel von Gleis 8 genutzt werden. Der Rest ist durch Stahlträger und Betonbrocken blockiert, mit denen das Hallendach gegen Windkräfte gesichert werden muss. Aus dem Dach wurden die vertikalen Scheiben ausgebaut. Am Mittwoch kündigte die Bahn an, dass der Wetterschutz mit feuerfestem Kunststoff wiederhergestellt werde.

„Die Bahn hat sich selbst einen Baustopp verordnet“, sagt Gerhard Schnaitmann. Die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender spricht von „dilettantischer Planung und einem einzigen Missmanagement“.

Dahlbender, früher Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, fordert einen Baustopp. Bahn und Land müssten ein „Ausstiegsszenario“ erarbeiten. Dahlbender kündigte außerdem eine Klage des BUND für den Fall an, dass die Bahn Bäume im Rosensteinpark ohne neue Gutachten zum Natur- und Artenschutz fällen wolle. Die Bahn hat Gutachten aus 2000 und 2002. Eine neue Erhebung sei von der Bahn an ihre Bonner Genehmigungsbehörde gereicht worden, sagt BUND-Kreisgeschäftsführer Gerhard Pfeiffer. Er bezweifle aber, dass die Expertise ausreichend sei.

Beim Weiterbau von Stuttgart 21 müssen Fahrgäste nach Ansicht von Matthias Lieb mit erheblichen Einschränkungen und weiter unpünktlichen Verbindungen rechnen. Lieb ist Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Durch die zu geringe Gleiskapazität im Bahnhof müsse der Fern- und Nahverkehr auf die aus Bad Cannstatt kommenden S-Bahn-Gleise ausweichen. Dadurch würden auch außerhalb Stuttgarts ständig Anschlüsse verpasst.

„Stuttgart 21 ist schlampig geplant. Die Fahrgäste baden das jetzt aus“, sagt Leib. Im Hauptbahnhof werde es nach dem Verschieben der Bahnsteige zu erheblichen Engpässen kommen, weil dann auch der Zugang zur S-Bahn von den Bahnsteigen entfalle. Weil nur noch zwei Treppenhäuser als Zugang blieben, seien Staus zu befürchten. „Mit nur noch zwei Aufgängen stellt sich für uns die Sicherheitsfrage“, so Dahlbender.

Unabhängig von Stuttgart 21 können sich nach Ansicht der Experten von Mitte 2013 an durch den Einsatz neuer S-Bahn-Züge mit veränderter Türschließ-Automatik Probleme ergeben, weil Züge erst losfahren können, wenn Türen nicht durch Reisende blockiert werden. Weitere Verspätungen seien zu befürchten, sagt Gerhard Schnaitmann. Das Problem könne durch mehr Personal gelöst werden.

Der Arbeitskreis Juristen zu Stuttgart 21 wies am Mittwoch darauf hin, dass die Stadt Schadenersatzansprüche gegen die Bahn wegen einer möglichen Täuschung über die Höhe der tatsächlichen Baukosten noch bis zum Jahresende stellen könne. OB Wolfgang Schuster (CDU) solle dies tun, weil er sich sonst wegen Untreue strafbar machen könnte, fordern die Projektgegner.

Kommentare (3)
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DEZ
22
15:57 Uhr, geschrieben von Beobachter
Die Bahn will aussteigen
Mir kommt es so vor, als will die Bahn umbedingt aussteigen, aber die Projektpartner lassen sie nicht! Jeden Tag kommen neue Negativschlagzeilen auf den Tisch, Schlag auf Schlag. Das kann kein Zufall sein! Und die Bahn hat ja schon Ausstiegsbedingungen formuliert: Volker Kefer erklärte vor dem Verkehrsausschuß, daß die Bahn von ihrer 'Ausführungsverpflichtung' absehen würde, wenn die Projektpartner darauf verzichten würden zu klagen. Was muß eigentlich noch alles passieren, damit Stadt, Region und Land, nicht tatenlos auf dem Spielfeld herumstehen, sondern endlich aufwachen, die Steilvorlagen nutzen und den Ball ins Tor spielen!
DEZ
22
11:02 Uhr, geschrieben von Durchblicker
Strategie der Bahn: Moralischen Druck erzeugen und warten bis zum Erpressungspotenzial
Die Bahn will also einen Teil der Mehrkosten übernehmen. Aber es ist doch so durchsichtig: Dass die Bahn die Mehrkosten von 1,1 Milliarden „freimütig“ aus der eigenen Tasche zahlen möchte, hat genau zwei Gründe. 1.) Die DB AG will mit dieser Großzügigkeit den moralischen Druck auf die grün-rote Landesregierung erhöhen und sie künftig (bei den weiteren, mehreren Milliarden, die bei einem Bau erst noch kommen werden) zum Mitmachen zwingen. http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/stuttgart-21-fakten-fakten-neue-fakten-11991626.html 2.) Weil das Projekt derzeit noch umkehrbar ist, hat die Bahn gegenüber Stadt und Land noch kein Erpressungspotenzial. Erst wenn die Grube gegraben gegraben, und rund um den Bahnhof noch mehr zerstört worden ist, eine offene BAugrube über Jahre droht, zieht DB-Grube den Revolver und setzt ihn dem betroffenen Bürger bzw. Steuerzahler auf die Brust.
DEZ
20
14:32 Uhr, geschrieben von Schildbürger
Neues aus Schilda
Ich findes es toll wie die Experten der bahn jeden Tag eine neue tolle Überraschung für uns Schildbürger haben. Schon unser Rathaus war dieszbezüglich eine Riesending! Stimmt es wirklich, das für den neuen Bahnhof, das Stellwerk vergessen wurde?? http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-bahn-prueft-erhalt-des-alten-stellwerks.4617f90c-9822-4d0a-b8d6-2c6871054024.html
 
 
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