Donnerstag, 17. Mai 2012
 
 
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Teurer Tunnel Kostenexplosion in Schwäbisch Gmünd

Heino Schütte und Gregor Preiß, vom 03.02.2012 18:51 Uhr
Der Tunnel soll die Stadt im Ostalbkreis vom Durchgangsverkehr entlasten Foto: dpa
Der Tunnel soll die Stadt im Ostalbkreis vom Durchgangsverkehr entlasten Foto: dpa
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Schwäbisch Gmünd - Das Regierungspräsidium Stuttgart hat die Kostenexplosion inzwischen bestätigt. Ein Sprecher der Behörde verweist aber noch auf Nachverhandlungen und genaue Prüfungen mit den Baufirmen. Tatsache sei, dass im Zuge der Bauarbeiten „geologische Überraschungen“ aufgetreten seien, die einen Mehraufwand an Arbeit und Material bedingt hätten.

Die 2,2 Kilometer lange Tunnelkonstruktion führt in Schichten des Bunten Mergel. Dieser ist gekennzeichnet durch einen Wechsel aus unterschiedlich festen Ton- und Sandsteinschichten. Die uneinheitlichen Schichten konnten durch Probebohrungen im Voraus nicht ausreichend erfasst werden. Erst die Tunnelarbeiter erkannten durch eigenen Augenschein, wie groß der tatsächliche Aufwand für Sicherung und Ausbau mit Beton und Stahl sein würde.

Hinzu kommt die große hydrogeologische Herausforderung in den wetterlaunischen Grundwasserzonen direkt neben der Rems. Die Tunnelwände müssen wie ein Freibadbecken abgedichtet werden. Auch dabei laufen die Kosten für Stahlbeton und Fundamente aus dem Ruder.

Seit fast 30 Jahren geplant und gebaut

Das Regierungspräsidium geht, ausgehend von der zuletzt im Bundeshaushalt fixierten Summe von 230 Millionen Euro, von einer zehnprozentigen Steigerung aus. Die Kalkulation könnte sich bis zur Fertigstellung in einem Jahr aber noch erhöhen. Damit bestätigt das Regierungspräsidium Aussagen des Gmünder Bundestagsabgeordneten und finanzpolitischen Sprechers der CDU-Bundestagsfraktion, Norbert Barthle.

Dieser hatte von Mehrkosten in Höhe von 35 Millionen Euro gesprochen. Vorsorglich widmete er schon mal 20 Millionen Euro aus dem jüngsten Infrastrukturbeschleunigungsprogramm des Bundes dem Gmünder Sorgenkind – immerhin ein Fünftel der Summe fürs ganze Land. Das Sonderpaket soll bereits begonnene Straßenbauvorhaben beschleunigen. 21 Millionen fließen in den Ausbau der A 8 zwischen Karlsbad und Pforzheim-West, zehn Millionen in den Ausbau zwischen Gruibingen und Mühlhausen, mit 16 Millionen soll der Abschnitt Böblingen/Hulb–Gärtringen beschleunigt werden.

An der aktuell größten und teuersten Straßentunnel-Baustelle Deutschlands wird nun schon seit fast 30 Jahren geplant und gebaut. Vor zehn Jahren belief sich die Schätzung noch auf 125 Millionen Euro. Bei Baubeginn des Tunnels im Zuge der insgesamt vier Kilometer langen Ortsumgehung standen 180 Millionen Euro im Raum. Danach explodierten die Arbeits-, Material- und Rohstoffpreise vor allem beim Baustahl, so dass der Betrag auf 230 Millionen kletterte. Damit haben sich die Baukosten innerhalb von zehn Jahren verdoppelt.

Rems muss auf 1000 Metern verlegt werden

Die gleiche Entwicklung bereitet den Geldgebern von Bund und Land auch bei den Betriebskosten Kummer. 2004 war noch von laufenden Kosten in Höhe von 350 000 Euro pro Jahr die Rede gewesen. Jüngste Prognosen liegen nun bei 1,2 Millionen Euro. Bau- und sicherheitstechnisch ist der Tunnel im Vergleich zu anderen ein relativ kompliziertes Gebilde. Er umfährt in einem weiten und kurvigen Bogen den historischen Stadtkern von Schwäbisch Gmünd, muss hierbei Rems und Eisenbahnlinie unterqueren. Die Trogform unterquert den Grundwasserspiegel. An der tiefsten Stelle beträgt die Überdeckung zur Erdoberfläche etwa 120 Meter. Aus Kostengründen wird es vorläufig nur eine Fahrröhre mit Gegenverkehr geben, was eine aufwendige sicherheitstechnische Nachrüstung mit Querstollen und Rettungstunnel notwendig machte.

Riesig auch der Aufwand für das Verlegen der Rems in einen neuen Kanal auf gut 1000 Meter Länge. Dazu muss Hochwassersicherheit hergestellt werden. Sonst würde bei einer Flut, wie sie in den vergangenen 20 Jahren wiederholt vorkam, das Wasser in den Tunnel schwappen.

Die Vorteile des Bauwerks sind jedoch auch nicht zu vergessen. Schwäbisch Gmünd leidet seit Jahren unter hohem Durchgangsverkehr. Mit 40 000 Fahrzeugen pro Tag ist die B 29 die wichtigste Achse zwischen Stuttgart und Ostwürttemberg. Wenn das stauträchtige Nadelöhr beseitigt ist, werden sich die Fahrzeiten beträchtlich verkürzen. Außerdem gibt der Tunnel der Stadt mit Blick auf die Landesgartenschau 2014 Luft und Raum für einen grünen Stadtumbau.

In der Bevölkerung regt sich dennoch heftige Kritik, weil sich angeblich niemand in der Lage sieht, die Röhre mit einer Filteranlage auszustatten. Die feinstaubgeschwängerte Abluft soll über einen gewaltigen Schacht am Himmel im Norden Gmünds verteilt werden. Fast 20.000 Prostestunterschriften sollen demnächst der Landesregierung überreicht werden.

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