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TV Bittenfeld„Frieda“ hat den Dialekt im Griff

Thomas Wagner, vom 24.01.2013 00:00 Uhr
Lars Friedrich, hier gegen Alex Kathrein vom österreichischen Meister Alpla HC Hard, ist nicht der klassische Shooter aus dem Rückraum. Die große Stärke des Linkshänders ist die Variabilität und das Spiel eins gegen eins. Der 27-Jährige ist in der Hinrunde zum besten Torschützen des TV Bittenfeld avanciert. Mit Michael Schweikardt teilt er sich die Verantwortung vom Siebenmeterstrich. Foto: Schrade
Lars Friedrich, hier gegen Alex Kathrein vom österreichischen Meister Alpla HC Hard, ist nicht der klassische Shooter aus dem Rückraum. Die große Stärke des Linkshänders ist die Variabilität und das Spiel eins gegen eins. Der 27-Jährige ist in der Hinrunde zum besten Torschützen des TV Bittenfeld avanciert. Mit Michael Schweikardt teilt er sich die Verantwortung vom Siebenmeterstrich.Foto: Schrade

Ein halbes Jahr spielt Lars Friedrich für den TV Bittenfeld und ist bereits eine feste Größe im Team des Handball-Zweitligisten. Der Linkshänder ist mit 101 Treffern der beste Torschütze des TVB in der Hinrunde. Die schwierigste Prüfung hat „Frieda“ auch bestanden: „Ich verstehe schon alles“, sagt der gebürtige Cuxhavener. „Nur schwäbisch schwätza kann ich noch nicht.“

Linkshänder sind äußerst gefragt im Handball. Speziell diejenigen, die im rechten Rückraum spielen. In der vergangenen Saison fehlte dem TV Bittenfeld von dort oft die Durchschlagskraft, obgleich er mit dem Isländer Arni Sigtryggsson und Junioren-Nationalspieler Jan Forstbauer so schlecht nicht besetzt war. Also sahen sich die Verantwortlichen des TVB nach einem neuen Mann für diese Position um – und präsentierten mit Lars Friedrich einen bundesligaerfahrenen Spieler.

Bittenfeld ist bereits der sechste Erst- oder Zweitliga-Club des 27-Jährigen binnen acht Jahren. Deshalb rümpfte der eine oder andere TVB-Fan zunächst die Nase nach Friedrichs Verpflichtung: Spieler mit so einer stattlichen Vita sind schnell in die wenig schmeichelhafte Söldner-Schublade gesteckt. „Sicher habe ich schon einige Stationen hinter mir“, sagt Lars Friedrich. „Aber eigentlich bin ich sehr treu und loyal und nirgends aus freien Stücken weg.“

Der Zweitligist SG Solingen holte Friedrich zur Saison 2005/2006 vom Regionalligisten TSV Bremervörde – und der Linkshänder feierte im ersten Heimspiel beim 27:25 gegen den TV Hüttenberg einen glänzenden Einstand. „Ich war erster Mann auf Halbrechts und machte gleich neun Tore“, sagt Friedrich. Als der Verein 2006 mit dem LTV Wuppertal zum Bergischen HC fusionierte, gab’s alsbald das erste Aufeinandertreffen mit seinem aktuellen Club: In der Porsche-Arena setzte sich der BHC gegen den Aufsteiger TV Bittenfeld mit 35:30 durch. Fünf Bittenfelder Spieler von damals hat Friedrich knapp sechs Jahre später in seinem neuen Team wiedergetroffen: Jürgen Müller, Florian Schöbinger, Jürgen Schweikardt, Simon Baumgarten und Adrian Wehner.

Zunächst jedoch schloss sich Friedrich 2007 dem Nord-Zweitligisten SG Achim/Baden an, nachdem seine Dienste bei den Bergischen Löwen nicht mehr gefragt waren. An Achim/Baden erinnert er sich besonders gerne. Mit 257 Treffern war Friedrich der beste Torschütze seines Teams und beendete die Saison auf Rang fünf der Zweitliga-Torschützenliste. „Das war eine überragende Zeit“, sagt Friedrich. Umso bitterer war der Abschied: Der Verein ging pleite, die Folge war der Zwangsabstieg. „Sonst wäre ich da nie und nimmer weggegangen.“

Verantwortung zu übernehmen macht viel mehr Spaß

Nicht richtig glücklich wurde der Linkshänder anschließend beim TuS Nettelstedt-Lübbecke. In seiner ersten Saison beim Erstliga-Absteiger gelangen ihm in 30 Spielen immerhin 132 Tore, er stand im Team unter anderem mit Michal Jurecki und Nikola Blazicko. Im Oktober 2009 wechselte Friedrich – mitten in der Saison – zum TSV Hannover-Burgdorf. Die Nettelstedter hatten ihm zuvor mitgeteilt, dass sie nicht mehr auf ihn setzen.

Auch Hannover verlängerte den Vertrag mit Friedrich nicht, bei der HSG Wetzlar fand er eine neue Heimat. In der ersten Saison kam er dort sehr gut zurecht, zählte mit 136 Treffern zu den erfolgreichsten Werfern seines Teams. 2011/2012 lief’s nicht ganz so gut. „Ich hatte ein bisschen Verletzungspech“, sagt Friedrich.

Nachdem Wetzlar für die Saison 2012/2013 die Verpflichtung von Michael Müller von den Rhein-Neckar-Löwen bekanntgegeben hatte, sanken Friedrichs Chancen auf einen Platz im HSG-Team. Mit Martin Valo hatte Friedrich einen weiteren Konkurrenten im rechten Rückraum, den Wetzlar aufgrund seiner Abwehrqualitäten im Mittelblock unbedingt halten wollte.

Es griffen die üblichen Mechanismen: Der Spielerberater nahm die Arbeit auf, sondierte die Angebote. „Es gab das eine oder andere aus der ersten Liga“, sagt Friedrich. Doch da wäre er nicht erster Mann gewesen. In Bittenfeld dagegen schon, schließlich war die Position im rechten Rückraum nach dem Weggang von Sigtryggsson und Forstbauer verwaist.

Dass viel Druck auf ihm lastet beim TVB, stört Friedrich nicht – im Gegenteil: „Ich wollte irgendwo Verantwortung übernehmen, das macht viel mehr Spaß.“ Er habe sich auch deshalb für Bittenfeld entschieden, weil er gute Chancen gesehen habe, mit dem Team in der 2. Liga vorne mitzuspielen. „Ich kannte ja die anderen Neuen“, sagt er. „Und von Spielern wie Tobias Schimmelbauer oder Simon Baumgarten weiß man ja, was sie können.“

Nicht allzu hoch war offensichtlich die Sprachbarriere für den Norddeutschen, den es zum ersten Mal in den Süden der Republik verschlagen hat. „Inzwischen verstehe ich alle, auch den Trainer“, sagt er und lacht. „Nur schwäbisch schwätze kann ich noch nicht.“ Im Zweifelsfall zieht er seinen Dolmetscher zurate: Peter Jungwirth, der zwei Jahre mit Friedrich in Wetzlar spielte, ist des Schwäbischen mächtig.

Friedrich fühlt sich rundum wohl beim TVB. Das liegt natürlich auch daran, dass ihn seine Freundin Annika begleitet hat. Die beiden wohnen in Schwaikheim. „Das ist perfekt“, sagt Friedrich. Er sei in fünf Minuten im Training. Und seine Freundin, die in Stuttgart auf Lehramt studiert, fahre bequem mit der S-Bahn. Demnächst wird sich Annika Bier auch wieder sportlich betätigen: Zuletzt spielte sie beim Drittligisten SG Kleenheim, derzeit kämpft sie sich nach einem Kreuzbandriss wieder heran. Bei welchem Club sie einsteigen wird, sei noch nicht entschieden, sagt Friedrich.

Bis Annika einen neuen Verein gefunden hat, kann sie sich aufs Daumendrücken konzentrieren. Freund „Frieda“ möchte gerne zurück in die erste Liga – mit dem TV Bittenfeld. „Wir haben die Qualität, unter die ersten drei zu kommen.“ Das Rückrundenprogramm sei so schlecht nicht. „Emsdetten und der Bergische HC kommen zu uns. Und in der Scharrena müssen sie uns erst einmal schlagen.“

Zur Person

Lars – Spitzname „Frieda“ – Friedrich wurde am 23. April 1985 in Cuxhaven geboren. Er ist 1,94 Meter groß und wiegt 104 Kilogramm. Von Beruf ist der Linkshänder Sport- und Fitnesskaufmann. Er wohnt mit seiner Freundin Annika, ebenfalls eine Handballspielerin, in Schwaikheim.

1991 – 2001: TV Altenwalde (Jugend)

2001 – 2003: HSG Geestemünde (Jugend)

2003 – 2005: TSV Bremervörde (Regionalliga)

2005 – 2007: SG Solingen/Bergischer HC (2. Liga)

2007 – 2008: SC Achim/Baden (2. Liga Nord)

2008 – 2009: TuS Nettelstedt-Lübbecke (2. Liga/1. Liga)

2009 – 2010: TSV Hannover-Burgdorf (1. Liga)

2010 – 2012: HSG Wetzlar (1. Liga)

Seit 2012: TV Bittenfeld (2. Liga)

Vor seinem Wechsel zum TVB sicherte sich Friedrich noch schnell einen Titel: Mit der Sitzhandballgruppe Nord wurde er in Cuxhaven Niedersachsenmeister im Beach-Handball. In diesem Jahr gibt’s Terminschwierigkeiten: Parallel zu den Meisterschaften findet der letzte Spieltag der 2. Liga statt.

 

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