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WaiblingenAbschied mit Freude und etwas Wehmut

ZVW, vom 15.12.2010 01:02 Uhr
Letzter Arbeitstag in der Familienbildungsstätte: Nadja Graeser verlässt Waiblingen nach sieben Jahren. Bild: Bernhardt Foto: ZVW
Letzter Arbeitstag in der Familienbildungsstätte: Nadja Graeser verlässt Waiblingen nach sieben Jahren. Bild: BernhardtFoto: ZVW

FBS-Leiterin Nadja Graeser verlässt die Familienbildungsstätte

Waiblingen. In Zeiten klammer Kassen gibt es gemütlichere Posten als den der Leiterin einer Familienbildungsstätte, die sich ständig für den Zuschussbedarf rechtfertigen muss. Für FBS-Leiterin Nadja Graeser war und ist es gleichwohl „eine tolle vielseitige Stelle, bei der man vieles weiterentwickeln kann“. Doch nun nimmt sie nach sieben Jahren ihren Abschied: „Ich gehe, weil ich etwas Neues machen will.“

Etwas wehmütig ist dieser Abschied schon. Schließlich steht Nadja Graeser voll zur Familienbildungsstätte (FBS), deren Ende in Waiblingen sie trotz klammer Kassen noch lange nicht gekommen sieht. Waiblingen brauche und vertrage zwei Bildungseinrichtungen wie die FBS und die Volkshochschule (VHS), ist sie überzeugt. „Es kostet, aber dafür bekommt die Stadt auch etwas zurück. Die FBS ist ein Standortfaktor“, sagt sie selbstbewusst an die Adresse derjenigen, die die FBS schon in der VHS aufgehen sahen. Ein Standortfaktor könne die FBS ihrer Ansicht nach innerhalb der VHS schon deshalb nicht werden, weil die beiden Bildungseinrichtungen gänzlich unterschiedliche Philosophien hätten. „Bei der VHS steht die Wissensvermittlung im Vordergrund, bei der FBS sind es Begegnung und Kontaktpflege.“ Dies sei Teil des pädagogischen Konzepts. „Ich sehe die Zukunft der FBS nicht gefährdet. Sie hat in Waiblingen weiterhin eine große Chance.“

Nach sieben Jahren steht für sie die Veränderung an

Nadja Graeser wird in Zukunft freilich nicht mehr dabei sein. Nach sieben Jahren in Waiblingen will sie sich beruflich verändern. In der Erwachsenenbildung will sie bleiben, in einer Einrichtung im Stuttgarter Raum habe sie eine Stelle in Aussicht, auf die sie große Lust habe: „Im Bildungsbereich die Themen weiterentwickeln, gesellschaftliche Entwicklungen aufgreifen, etwa mit Frauen, Migranten und Senioren, das macht mir Spaß.“

Themen, die sie auch in Waiblingen weiterentwickelt hat. Die Profilentwicklung der FBS und die Abgrenzung gegenüber der VHS nennt die 44-Jährige als Schwerpunkte der vergangenen Jahre, außerdem die neue Ferienbetreuung für Stihl und Bosch, das Mehrgenerationenhaus für Senioren, die Konzeption fürs Familienzentrum, das ihr als „gute und wichtige Einrichtung für Waiblingen“ besonders am Herzen lag – und die Kinderuni, die vor zwei Jahren mit einem schrecklichen Unglücksfall für Aufsehen gesorgt hat.

Diesen Tag im April wird Nadja Graeser wohl nie vergessen. Von der Kursleiterin war sie darüber verständigt worden, dass zwei Kinder bei einem Versuch schwerst verletzt worden waren. „Es war ein Einschnitt für die FBS und für mich persönlich“, sagt sie heute. Als FBS-Chefin übernahm sie die Verantwortung für den Unglücksfall – und wurde selbst darüber krank. „Ich bin oft darauf angesprochen worden, dass ich ja nicht dabei war und deshalb keine Schuld hätte“, erzählt sie. „Aber ich hatte die Verantwortung für die Einrichtung.“ Sie kümmerte sich um die Kursleiterinnen, sorgte dafür, dass sie Therapieplätze bekamen. „Ich finde, wir haben das gut hingekriegt, aber wir hatten auch eine gute Unterstützung durch den Vorstand, Frau Eisrich als Seelsorgerin und Frau Wilfahrt als Anwältin.“ Noch heute denke sie oft an die Kinder und ihre Familien, vergessen wird sie die Katastrophe sicher nie. „Damals hat bei mir ein Veränderungsprozess begonnen, der - unter anderem - dazu geführt hat, dass ich jetzt etwas anderes machen will.“

Mittlerweile ist die Entscheidung gefallen. Die kommissarische Leitung der FBS wird ihre Stellvertreterin Judith Weber übernehmen. Im Januar wird die Stelle ausgeschrieben, im Frühjahr besetzt. Neu besetzt werden muss auch die Stelle der FBS-Vorsitzenden, die mit dem Wegzug von Pfarrerin Eisrich nach Schorndorf vakant wird. Die Kontinuität sieht die scheidende Leiterin dennoch gesichert: „Der Vorstand bleibt ja und auch das FBS-Team.“

Auch aus dem Waiblinger Rathaus kommen nach einem laut Oberbürgermeister Andreas Hesky „positiven Gespräch“ optimistische Töne zur Zukunft der FBS: „Ich bin optimistisch, dass die Familienbildungsstätte auch künftig eine Bildungseinrichtung in Waiblingen bleibt“, sagt der Oberbürgermeister. „Es wäre auch schade, wenn es anders wäre. Wenn man dieses Kursangebot will, muss man damit leben, dass es eben auch mit Kosten verbunden ist.“

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