Waiblingen/Backnang Smartphone lotst zu freiem Parkplatz

ZVW, 20.10.2016 00:00 Uhr
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2500 dieser Sensoren sind auf den Park+Ride-Anlagen im Rems-Murr-Kreis verbaut worden und informieren über freie Parkplätze. Foto: Bosch
2500 dieser Sensoren sind auf den Park+Ride-Anlagen im Rems-Murr-Kreis verbaut worden und informieren über freie Parkplätze.Foto: Bosch

Waiblingen/Backnang. Anfang 2017 startet der Echtbetrieb: Eine Smartphone-App lotst dann die Autofahrer zu einem freien Stellplatz auf einer Park+Ride-Anlage. In Backnang hat die App dieser Tage ihren ersten Test bestanden. Das Parkraum-Management wird zwei Jahre lang im Rems-Murr-Kreis ausprobiert.

Wie der Verband Region Stuttgart mitteilt, ist das Pilotprojekt Parkraum-Management auf einem guten Weg. Rund 2500 Sensoren hat die Robert Bosch GmbH in den letzten Monaten auf insgesamt 15 Park+Ride-Plätzen entlang der S 2 im Remstal und S 3 nach Backnang montiert. Das Prinzip, mit Hilfe dieser Sensoren in Echtzeit die Parkplatzauslastung anzuzeigen, funktioniert, heißt es in der Mitteilung. Dies habe eine Demonstration im Park+Ride-Parkhaus in Backnang Mitte Oktober gezeigt.

Für Vertreter beteiligter zehn Kommunen sowie des Verbands Region Stuttgart als Partner des Pilotprojekts zeigten die Bosch-Verantwortlichen, wie es geht. Einparken – und Sekunden später wechselt die Internet-Anzeige auf Rot: Der Platz ist belegt. Ausparken – Sekunden später geht die Anzeige auf Grün: Der Platz ist frei.

Was im Kleinen klappt, werde nun auf elf Stationen übertragen. „Wir beginnen bereits in wenigen Wochen den Testlauf mit allen 2500 vernetzten Stellplätzen“, sagt Stefan Nordbruch, Projektleiter im Bosch-Projekt Connected Parking. „Anfang 2017 kann das Pilotprojekt zur Erfassung der Parkplatzsituation der Park+Ride-Plätze entlang der S 2 und S 3 in den regulären Betrieb gehen.“ Im laufenden Regelbetrieb soll die Information über freie Stellplätze über die App und Internetseite des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart GmbH (VVS) für jeden abrufbar sein.

„Mit diesem Pilotprojekt betreten wir Neuland“, sagt Wirtschaftsdirektor Dr. Jürgen Wurmthaler. „Die Demonstration hat uns ermutigt, dass wir davon viele neue Erkenntnisse erwarten dürfen, die uns beim regionalen Park+Ride-Konzept helfen.“ Neue Informationen erhofft er sich unter anderem zur Auslastung der Park+Ride-Plätze. Ob Echtzeitinformation zu freien Park+Ride-Plätzen tatsächlich mehr Autofahrer in Busse und Bahnen bringen, wird ebenfalls Gegenstand begleitender Untersuchungen sein.

Ein Pilotprojekt an elf Stationen entlang der Linien S 2 und S 3

Das Pilotprojekt an elf Stationen entlang der Linien S 2 und S 3 ist mit den Projektpartnern für eine Laufzeit von zwei Jahren vereinbart. In dieser Zeit werden die Belegungsdaten ausgewertet und nächste Schritte vorbereitet. Unter anderem muss ermittelt werden, welcher Aufwand für den dauerhaften Betrieb des Systems erforderlich ist. Erst dann kann in den politischen Gremien entschieden werden, ob die Erfassung der Belegungssituation nach der Projektphase weitergeführt und auf weitere Park+Ride-Anlagen ausgeweitet werden kann.

Weniger Verkehr, weniger Emissionen

Bosch verspricht, durch ein Parkraum-Management, den Verkehr um bis zu 30 Prozent verringern zu können, weil der lästige Suchverkehr wegfällt. „Die Suche nach Parkplätzen verursacht rund ein Drittel des Verkehrsaufkommens in Innenstädten. Autofahrer legen dabei im Durchschnitt 4,5 Kilometer zurück, um einen freien Parkplatz zu finden.“ Das aktive Parkraum-Management verkürze die Parkplatzsuche und schone so die Umwelt: „Anstatt im Suchverkehr weiter Emissionen auszustoßen, erreichen Fahrzeuge ihren Bestimmungsort direkt.“

Und so funktioniert das System: Bosch installiert eigenen Angaben zufolge die Parkraumsensoren in der Mitte eines Parkplatzes. Dort erkennen sie den aktuellen Belegungsstatus zuverlässig und melden ihn über ein in der Nähe installiertes Gateway an das Rechenzentrum (Cloud). Hier werden alle eingesandten Daten gesammelt und ausgewertet. Parallel erfolgt ein Abgleich mit den gespeicherten Meta-Informationen wie die Abmessungen von Parkplätzen, Kosten und Sondersituationen wie behindertengerechte Parkbuchten. Aus der Summe dieser Infos generiert das Rechenzentrum eine Echtzeit-Parkkarte. Autofahrer erhalten via Smartphone-App alle Informationen und verschaffen sich so permanent einen Überblick zum nächstgelegenen freien Parkplatz mit allen zugehörigen Einzelheiten wie Entfernung und Preis.

Park+Ride-Anlagen

In der Region Stuttgart gibt es über 100 Park+Ride-Anlagen mit 50 bis 700 Stellplätzen. Im Bereich des Pilotprojekts verfügt die kleinste Anlage über 49 Plätze (Schorndorf) und die größte über 520 Stellplätze (Waiblingen).

Während eine ganze Reihe dieser Park+Ride-Anlagen umsonst sind, kostet das Parken in Waiblingen, Schorndorf, Winnenden oder Nellmersbach Gebühren. So werden in Waiblingen 1,50 Euro für die Tageskarte verlangt. Die Monatskarte kostet zehn Euro und die Halbjahreskarte 50 Euro. In Schorndorf kostet der Tag einen Euro, der Monat 5,10 Euro und das halbe Jahr 25,50 Euro. Die Preise in Winnenden und Nellmersbach betragen ein Euro pro Tag, zehn Euro im Monat und 50 Euro im Halbjahr.

Im Internet gibt es hier einen Überblick über alle Park+Ride-Anlagen.

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Kommentare (10)
Pendlerin • vor 2 Monaten
Nicht nur, dass die Parkplätze ab 8 Uhr voll sind - es gibt auch noch genügend Autofahrer/Parker mit zu viel Luft im Oberstübchen, die sich genau zwischen diese "knubbel" am Boden stellen. Ergo werden dann 2 freie Plätze angezeigt, von denen keiner vorhanden ist. Einzig das hübsche neue Auto der Sinnlosparker hat genügend Abstand zum Nebenauto - heiligs Blechle, sag ich da nur...
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Britta • vor 2 Monaten
Vielleicht kommt es ja noch irgendwann soweit dass mir die App anzeigt wann ich das nächste Mal aufs Klo muss? Im Ernst, wie weit soll es eigentlich noch gehen. Und was wenn irgendwann alles vernetzt ist und je mal alles ausfällt. Kriegt der Mensch dann überhaupt noch irgendwas selbst gebacken? Die Menschen merken anscheinend nicht dass sie einen hohen Preis (Freiheit und Selbständigkeit) dafür bezahlen. Niemand hinterfragt mehr was, Hauptsache man ist cool weil man jetzt von unterwegs seine Heizung steuern kann. Sschmaschinen liefern irgendwann nur noch Ergebnisse die zum eigenen Profil, respektive Kontostand passen. Und ich freue mich schon auf die zahlreichen Unfälle die durch die ständige Handynutzung dazukommen werden.
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Dieter Britta • vor 2 Monaten
Liebe Britta, sie haben mit ihren Gedanken völlig recht. Aber können die meisten Menschen solche Gedanken gar nicht begreifen. Man mag sich nur mal vorstellen wass passiert, wenn tatsächlich mal 48 Stunden lang kein Strom vorhanden ist.
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Ist das durchdacht? • vor 2 Monaten
Das noch mehr Menschen mit Smartphone in der Hand durch die Gegend fahren?!
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Kopfschüttler Ist das durchdacht? • vor 2 Monaten
@Ist das durchdacht.... Bin genauso Ihrer Meinung....das kann doch alles nicht wahr sein....! Oh Herr schmeiß Hirn ra!
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Claudia • vor 2 Monaten
Für mich ist das völliger Blödsinn. Ab 8 Uhr sind die Parklpätze sowieso immer voll.
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Sebastian • vor 2 Monaten
Mhhh eine gute Sache, vom Prinzip her. Was man noch untersuchen sollte (das Beispiel ist bewusst überspitzt, es geht auch mit 10 freien Parkplätzen und 30 App-Benutzern): Die App meldet einen freien Parkplatz im Bereich A. Dann fahren 20 App-Benutzer diesen Parkplatz an. Der Erste der ankommt nimmt den Parkplatz. Dann wird er in der App als belegt angezeigt. Dann fahren 19 App-Benutzer einen anderen freien Parkplatz im Bereich B an. Der Erste belegt ihn, dann fahren 18 App-Benutzer einen Parkplatz im Bereich C an...so geht das weiter,...es entsteht also trotzdem ein Such-Verkehr. Wenn man davon ausgeht, dass die App wärend dem Fahren nicht benutzt wird (ist ja verboten) stehen dann eben 18 App-Benutzer vor dem belegten Parkplatz und rufen die App auf und suchen den nächsten freien. Früher hat man einfach den erst-Besten auf dem Weg zum Bahnhof genommen. Bin gespannt ob das System was bringt!
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van Hier Sebastian • vor 2 Monaten
Das war auch mein erster Gedanke :) Über die App wird ein freier Parkplatz gemeldet und alle stürmen los, um diesen einen freien Parkplatz zu ergattern. Vielleicht hilft ein zusätzlicher Reservierungsknopf? Wer die Meldung als erster sieht und den Reservierungsknopf drückt, dem steht der Parkplatz zu. Blöd natürlich, wenn einer ohne App den Parkplatz vorher ansteuert. Ein Dilemma.
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Thilo Wagner van Hier • vor 2 Monaten
Danke für den Schmunzler. Gute Idee mit dem Reservierungsbutton. Perfekt wäre es dann noch, wenn das Kennzeichnen des Reservisten gleich noch am Parkplatz leuchtet. Es wird immer kranker.
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