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Frauen bei der Polizei Besser kein Pfefferspray in der Handtasche

Renate Sonnet im Haus der Prävention. Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Sie war die erste Frau im Mannheimer Rauschgiftdezernat, die erste Frau im gehobenen Dienst bei der damaligen Polizeidirektion Waiblingen und irgendwann die erste, die Teilzeit arbeitete: Erste Kriminalhauptkommissarin Renate Sonnet hatte bei der Kripo schon viele Premieren. Seit 18 Jahren berät sie nun Menschen in Sachen Gewaltprävention. Langweilig wurde ihr das nie: „Hier bin ich an der richtigen Stelle“, weiß sie. „Das passt.“

Die Polizei kommt nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Mit ihrer Beratungsstelle ist die Kripo auch Ansprechpartnerin für jeden, der sich über Gefahren und Bedrohungen informieren und beraten lassen und sich aktiv davor schützen will. Eine der Ansprechpartnerinnen ist Erste Kriminalhauptkommissarin Renate Sonnet (57). Seit 1998 sorgt sie dafür, dass sich Menschen sicherer fühlen können, zu Hause, aber auch auf der Straße und im Umgang mit anderen. Zur Kriminalprävention war sie nach ihrer zweiten Elternpause gekommen. Sie wusste schnell: „Das passt.“

Damals gab es noch die „weibliche Kriminalpolizei“

Angefangen hatte sie 1978 bei der Kripo Mannheim als Kriminalanwärterin. Der ebenso abwechslungsreiche wie krisensichere Job, bei dem man jeden Tag mit Menschen zu tun hat, hatte sie gereizt. Anders als heute habe es damals noch eine weibliche Kriminalpolizei gegeben. Die WKP war ein eigener Zweig der Kripo, die vornehmlich für Frauen und minderjährige Straftäter und Opfer zuständig war. Das freilich war kein Berufsziel für Renate Sonnet. „Für mich war klar, dass ich da nicht hin wollte“, erinnert sie sich. 1979 wurde die WKP aufgelöst und in die Kripo integriert. Renate Sonnet kam als erste Frau ins Mannheimer Rauschgiftdezernat.

Zuhause im Rauschgiftdezernat

Der Liebe wegen – sie heiratete einen Kollegen - wechselte sie drei Jahre später nach Waiblingen ins dortige Rauschgiftdezernat. Anschließend studierte sie an der damals provisorischen Polizei-Hochschule Kloster Maria Tann. 1984 startete sie in Waiblingen als erste Frau im gehobenen Dienst. Als Leiterin einer Ermittlungsgruppe war sie illegaler Beschäftigung auf dem Bau auf der Spur und verantwortete Razzien und Untersuchungsaktionen auf Baustellen. Doch es zog sie zurück ins Rauschgiftdezernat, dessen Leitung sie eineinhalb Jahre später übernahm. „Das war mein Zuhause bei der Polizei“, sagt sie rückblickend. Wohl gefühlt habe sie sich nicht nur wegen des Superteams im Drogendezernat. Eine ganz wesentliche Rolle für die Entscheidung, zurückzugehen sei auch die spezielle Art der Arbeit dort gewesen. In diesem Deliktsbereich würden keine Anzeigen gemacht, erzählt sie: „Wir mussten die Fälle selbst holen, das heißt, die regionale Konsumenten- und Kleindealer-Szene beobachten, kontrollieren, auch einen ständigen Kontakt zu dieser halten. Das war enorm abwechslungsreich.“ Damals seien Drogendelikte ausschließlich vom Fachdezernat der Kriminalpolizei bearbeitet worden, die Szene sei auch noch überschaubarer gewesen. „Gelegentlich treffe ich heute noch Ex-Drogenabhängige oder deren Eltern in der Stadt und wir können uns ohne Vorbehalte unterhalten, ja freuen uns sogar, mal wieder voneinander zu hören.“

Mutter und Polizistin

Als 1989 Tochter Anna zur Welt kam, plante Renate Sonnet, schnell wieder zurückgehen. Doch es kam anders. Anna war mit der Erbkrankheit Mukoviszidose auf die Welt gekommen und brauchte besondere Betreuung. Drei Jahre blieb Renate Sonnet daheim, bis ihre Tochter gesundheitlich stabil war und in den Kindergarten ging. Weil sie Teilzeit arbeiten wollte, wechselte die Polizistin in den Innendienst der Kripo, wurde zuständig für Personal- und Einsatzpläne und Materialorganisation. Keine Ermittlungstätigkeit mehr, aber es sei gut handelbar gewesen, erzählt sie.

Oft habe sie sich nachmittags um ihre Tochter gekümmert und sei abends an den Schreibtisch zurückgekehrt, wenn ihr Mann zu Hause war. 1996 wurde die zweite Tochter geboren. Wieder pausierte Renate Sonnet drei Jahre lang, bis sie 1998 wieder einstieg, dieses Mal in die Kriminalprävention.

Tiefgaragen sind manchmal ungefährlicher als Wohnungen

Heute kümmert sich die 57-Jährige um Gewaltvorbeugung an Schulen genauso wie um häusliche Gewalt und Suchtprävention. Sie hält Vorträge in Schulen, Kindergärten und Seniorenkreisen und sitzt als Vertreterin der Polizei an runden Tischen. Wo es wirklich brisant ist und was dann zu tun ist, das wissen viele nicht, und darüber klärt sie auf. Über reale Gefahren herrsche häufig ein völlig falsches Bild in der Bevölkerung: „In den dunklen Tiefgaragen, in denen sich die meisten mulmig fühlen, verzeichnen wir weit weniger Straftaten als in den Wohnbereichen.“ Anders als viele meinen, dringen Einbrecher selten durch Keller, aber oft über helle Terrassen und durch Fenster ein, und sind Pfeffersprays für Ungeübte keineswegs ein gutes Mittel zur Selbstverteidigung: „Bei diesen Dingen sind wir die Fachleute“, sagt die Erste Kriminalhauptkommissarin ein bisschen stolz. „Wissen ist Macht.“

Renate Sonnet liebt ihren Beruf. Früher im Drogendezernat, heute in der Kriminalprävention. „Prävention ist meine Leidenschaft“, sagt sie. Eine Zeit lang habe sie sich überlegt, in die Ermittlung zurückzugehen. Aber sie weiß: „Hier bin ich an der richtigen Stelle. Hier bin ich bekannt. Das passt für mich.“

Im Polizeipräsidium Aalen gibt es insgesamt 33 Beamte, die nur für Prävention und Verkehrserziehung zuständig sind, 13 von ihnen haben ihr Büro in der Außenstelle Fellbach. Auf Anfrage bieten sie Beratungen an und halten Vorträge.

Nach den Ereignissen in der Silvesternacht in Köln wurde Renate Sonnet immer wieder zum Thema Gewalt gegen Frauen angefragt. Sie empfiehlt, sich frühzeitig ein Bild über eine mögliche Gefährdung zu machen, sich Raum zu schaffen und früh Grenzen zu setzen. Bei Menschen, die einem zu nah kommen, solle man lieber früher als später einen Schritt zurückgehen und auch mal ein deutliches Stopp setzen.

Häufig unbegründet sei die Angst vor Fremden. „Meistens sind die Täter aus dem sozialen Umfeld: Nachbarn, Freunde und Verwandte.“

Waffen zur Selbstverteidigung empfiehlt die Erste Kriminalhauptkommissarin nicht: Der Umgang mit Pfeffersprays und anderen Abwehrwaffen müsse geübt werden. „Jede Abwehrwaffe kann gegen einen selber eingesetzt werden.“

Tipps gibt es auch unter polizei-beratung.de

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