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Waiblingen Buchmarkt lädt zum Stöbern ein

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Waiblingen. Wieder das Mekka für die Freunde antiquarischer Bücher war die Waiblinger Innenstadt, in der an über 60 Ständen Private und Händler zum Stöbern einluden. Altes und Neues, Spannendes und schwere Kost, für Kinder und Erwachsene – es war für alle etwas dabei. Auch gelegentliche Schauer hielten das zahlreiche Publikum nicht vom Gruschteln und Anschmökern ab.

Bücher sind ja eigentlich nichts mehr wert, aber geschätzt werden sie noch immer. Die Preise für Bücher sind, wie professionelle Antiquare klagen, eingebrochen. Ganze Bibliotheken werden von Erben aufgelöst, ohne dass die dafür einen nennenswerten Betrag erhielten. Und auch die Verlage selbst geben immer schneller ihre Jahresproduktionen in sogenannte moderne Antiquariate ab. Die schöne Folge für den Sammler und die Leser: Bücher sind, wenn man etwas wartet, so günstig wie nie zu haben. So auch beim Waiblinger Buchmarkt. „Jedes Buch drei Euro, vier Stück zehn Euro“ stand da über vielen Bücherkisten zu lesen. Und das galt eben nicht nur für offensichtlich schon einmal gelesene, sondern auch für alte, aber erkennbar noch ungelesene Bücher. Spannend für den Antiquariatsbummler sind oft die Geschichten, die sich an älteren Büchern, jenseits ihres Inhalts, auch noch ablesen lassen. Sie legen vertrauliche Spuren aus, die auf ihre früheren Besitzer schließen lassen.

Kaum ein Thema für das kein Buch zu finden wäre

Da liegen manchmal akribisch ins Buch gelegte Besprechungen desselben bei. Und gelegentlich sind es liebevolle Widmungen, an denen man hängenbleibt, seltsam berührt, wenn das Buch, das als Geschenk ja oft mit einer Botschaft, einer Aufforderung verbunden ist, dann ungelesen geblieben ist oder - ins Antiquariat abgeschoben wurde. „Denn was in der Gegenwart geschieht, erfährt man in der Regel erst eine ganze Weile danach von den Historikern.“ So die Widmung zum 70. Geburtstag des Beschenkten. Das Buch selbst – „Die siebzig großen Geheimnisse der Alten Kulturen“ – informiert über die Mysterien der Azteken und den Kult um König Arthur.

Kaum ein Thema oder Interessensgebiet, für das hier nicht ein Buch zu finden wäre. Viel Gesundheit und Esoterik, dazu Unmengen Schmöker und Kriminalromane zur Entspannung. Kurios auch, was da gelegentlich dann auf engstem Raum zusammen liegt. Gleich neben „Frauen“ stapeln sich „Thriller“, was sicher Zufall ist. Genauso wie die Kiste mit den Werken von Hermann Hesse, in deren vertrauter Nachbarschaft Vampir-Romane zu haben sind.

An einem Stand kann man beim Buchbinden zuschauen

Überhaupt Hermann Hesse, der wird einem schier nachgeworfen, während man dann umso mehr über ein älteres Buch staunt, das sich irgendwie auf den Markt verirrt zu haben scheint: „Die Feile und ihre Entwicklungsgeschichte“ von einem Herrn Otto Dick. Wird das Werk am Abend einen Liebhaber gefunden haben?

Es gibt hier aber auch Spezialisten unter den Händlern, die schöne, bibliophile Drucke anbieten, etwa aus der renommierten Eremitenpresse. An einem Stand kann man beim Buchbinden zuschauen, einem Handwerk, das selten geworden ist und für die fast im Verschwinden begriffene Solidität des Objekts Buch steht.

Die Heimatfreunde konnten sich am Stand des Heimatvereins an der enormen Vielfalt der Schriften über die regionale Geschichte erfreuen. Und in der Kiste mit der Kartonaufschrift „Lustiges“ suchten Kids nach dem Donald-Duck-Band, den sie noch nicht hatten; begleitet von der geduldigen Frau Mama mit dem Geldbeutel.

Fachsimpeleien von Bücherkiste zu Bücherkiste

Richtig was los war auch in der geöffneten Stadtbücherei, die mit „1 Meter für 20 Euro“ lockte. Hier konnten Dubletten, Ausgemustertes oder der Bücherei Geschenktes, das nicht unterzubringen war, für wenig Geld mitgenommen werden. Eine Aktion, die noch drei Wochen im Foyer der Bibliothek fortgeführt wird.

Bis dahin müsste der vom Berichterstatter erstandene Krimi indes ausgelesen sein. „Der Schluss ist aber anders als im Film“, informierte eine Dame an der Bücherkiste daneben. Ins fachsimpelnde Gespräch konnte man also auch kommen, bei diesem bunten Büchermarkt.

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