Waiblingen Der Waldkauz ist Vogel des Jahres

Pia Eckstein, 20.03.2017 00:00 Uhr
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Waldkauz im Anflug: Der bei uns häufigste Eulenvogel jagt in Wäldern und auf Lichtungen oder Obstbaumwiesen. Er braucht alte Bäume mit Baumhöhlen als Nistplatz. Foto: Nabu/Dietmar Nill
Waldkauz im Anflug: Der bei uns häufigste Eulenvogel jagt in Wäldern und auf Lichtungen oder Obstbaumwiesen. Er braucht alte Bäume mit Baumhöhlen als Nistplatz.Foto: Nabu/Dietmar Nill

Waiblingen/Schorndorf. Der Waldkauz ist bekannt. Obwohl man ihn so gut wie nie zu sehen bekommt. Doch der klassische Dunkel-Grusel-Krimi-Ruf gehört zu dieser Eulenart. Allerdings ist er wirklich fast nur noch im Fernsehen zu hören. Denn dem Waldkauz gehen bei uns die Nistplätze aus. Deshalb hat ihn der Nabu zum Vogel des Jahres 2017 gewählt, stellvertretend für alle Eulenarten.

Keine Bange: Der Waldkauz ist im Rems-Murr-Kreis noch keine gefährdete Art. Es gebe, sagt Jörg Daiss vom Nabu Schorndorf, noch gute Bestände. Auf der Nabu-Homepage heißt es: „Häufigste Eule im Raum Schorndorf. Zum Lebensraum gehören auch Streuobstwiesen in Waldnähe , sowie Friedhöfe und Parks. Als Tagesquartiere dienen teilweise nicht benutzte Schornsteine im Siedlungsbereich.“

Mit dem Siedlungsbereich, das heißt, mit der Menschennähe, fangen aber auch die Probleme an. „Verkehrssicherheit“ ist das Stichwort. Und die bedeutet, dass alle alten Bäume, die womöglich irgendwann größere Teile verlieren oder umfallen könnten, üblicherweise gefällt werden. Auch auf Friedhöfen, in Parks, an Alleen, sogar im Wald. Denn selbst da ist nichts mehr vor dem Mensch sicher, der gern vor allem sicher sein will. Schlimmes Beispiel für den Waldkauz: Vor rund zwei Jahren, sagt Jörg Daiss, sei rund um die Waiblinger Rundsporthalle so gut wie alles gefällt worden.

Die Jagdgebiete schwinden

Der Waldkauz lebt und jagt quer durch den Wald, über Lichtungen, in Streuobstgebieten, kurz überall dort, wo die Natur noch viel Struktur hat und Abwechslung bietet. Er jagt vor allem Mäuse, Ratten und Kaninchen, manchmal auch Maulwürfe, Reptilien oder Vögel. Vögel aber nur, wenn er keine Mäuse finden kann.

Da im Rems-Murr-Kreis die natürliche Landschaft mehr und mehr durch industrielle Landwirtschaft und vor allem Siedlungsbau knapp wird, muss der Waldkauz sowohl ausreichend große Jagdgebiete als auch Nistplätze suchen. Ein Waldkauz-Revier ist bis zu 50 Hektar, also rund einen halben Quadratkilometer groß. Und in seinem Wohnbaumhöhle bleibt er, so dieser nicht verloren geht, ein Leben lang.

Ein lautloser Jäger

Der Kauz jagt nachts. Drum ist er so selten zu sehen. Wenn er fliegt, ist er vollkommen leise, denn seine Federn sind so weich, dass kein Flügelschlag die Maus warnen könnte. Im Herbst, zur Balzzeit, verrät sich der Kauz jedoch durch seinen wohlbekannten Ruf. Jetzt brütet er. Da ist er still.

Der normale Gartenbesitzer kann für den Waldkauz fast nichts tun. Selbst ein Nistkasten würde, sagt Daiss, wohl nichts helfen. Wald- und Stücklesbesitzer könnten alte Bäume stehen lassen. Oder sich bereit erklären, Nistkästen aufzuhängen. Und da könnte ja der normale Gartenbesitzer wieder aktiv werden. Oder die Kindergartengruppe. Oder die Schulklasse, der Sportverein, die Jugendgruppe . . . Die nämlich könnten dem Wald- und Stücklesbesitzer den einen oder anderen Nistkasten anbieten. Nistkästen zu bauen ist nämlich nicht schwer. Und macht wirklich Spaß.

Hier gibt es eine Bauanleitung des Nabu für einen Waldkauz-Nistkasten. (Quelle: Nabu/Vogel des Jahres 2017)

Welche Eulen gibt es noch bei uns?

Der Waldkauz ist, so der Nabu Schorndorf, im Raum Schorndorf „bodenständig“. Das heißt, er brütet auch hier.

Auch die Schleiereule, die hellste Eule mit dem herzförmigen Gesicht, findet offenbar genügend Raum für die Jagd und Brutplätze. Sie ist „bodenständig“.

Das Gleiche gilt für die Waldohreule, die durch große Federohren auffällt, die im Übrigen nichts mit ihrem guten Gehör zu tun haben.

Schlechter sieht es beim Sperlingskauz, der mit 16 bis 19 Zentimetern kleinsten heimischen Eule, aus. Lediglich einzelne, seltene Exemplare wurden in den vergangenen Jahren gesehen.

Auch bei der tagaktiven Sumpfohreule und dem Raufußkauz, der seinen Namen von den hellen Federn bekommen hat, die bis zu den Füßen hinunter wachsen, ist es nicht besser. Es gibt nur Einzelbeobachtungen.

Ganz verschwunden ist im Schorndorfer Raum der Steinkauz, bekannt von der Abbildung auf der griechischen Euro-Münze. Die Art, so steht’s auf der Liste der Vogelarten, sei einst Brutvogel gewesen, doch seit mindestens zehn Jahren liegen keine Brutnachweise mehr vor.

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