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Frauen bei der Polizei Die Zusage kam an ihrem Geburtstag

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„Ich bin nicht ängstlich“, beschreibt sich die 21-Jährige. „Sonst hätte ich den falschen Beruf.“ Foto: Palmizi / ZVW

Waiblingen. Die Arbeit der Polizei hat sie schon immer fasziniert. „Es ist ein interessanter Beruf, ich habe mir für mich nie etwas anderes überlegt“, sagt Fabienne Fischer. Seit zwei Jahren studiert die 21-Jährige an der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen, derzeit absolviert sie in Waiblingen ihr zweites Praktikum. „Ich würde es definitiv wieder machen“, sagt sie, nach wie vor von ihrer Berufswahl überzeugt.

Wenn sie morgens zur Arbeit geht, weiß sie nicht, was der Tag bringen wird. Und genau das findet Fabienne Fischer ungemein reizvoll an ihrem Beruf. Der direkte Umgang mit den Menschen gefällt ihr ebenso gut wie die Arbeit mit den Kollegen – wer zur Polizei geht, sollte definitiv kein Eigenbrötler sein. „Man verbringt viel Zeit im Team“, sagt die 21-Jährige, die als aktive Handballspielerin beim VfL Waiblingen auch im Privatleben ein Teamplayer ist.

Die „Basics“ der Polizeiarbeit

Nach dem Abitur am Remstal-Gymnasium absolvierte Fabienne Fischer zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankenhaus und bewarb sich gleichzeitig für den gehobenen Dienst bei der Polizei. Der Brief mit der Zusage kam genau an ihrem Geburtstag - da war die Freude doppelt groß. In Biberach lernte sie bei ihrer Vorausbildung die „Basics“ der Polizeiarbeit wie situatives Handlungstraining, Schießen und Grundlagen von Verkehrs- und Polizeirecht, Kriminaltaktik und Psychologie. Anschließend war Fabienne Fischer ein halbes Jahr im Streifendienst in Waiblingen und auf dem Polizeiposten in Weinstadt im Einsatz. Danach absolvierte sie ihr erstes Jahr an der Polizei-Hochschule in Villingen-Schwenningen. Vorlesungen in Führungs- und Einsatzwissenschaft standen dort unter anderem auf dem Stundenplan, aber auch Berufsethik, also das Leitbild der Polizei.

Im zweiten Praktikum ihrer Ausbildung

Derzeit ist sie im zweiten Praktikum ihrer Ausbildung. Und erlebt im Streifendienst, bei der Kripo und bei der Stabsarbeit die ganze Bandbreite der Polizeiarbeit. Vor kurzem hat sie einer alten Frau aus einem Seniorenheim geholfen, die sich verirrt hatte. „Sie wusste nicht, wo sie hingehört. Und sie war so dankbar über unsere Hilfe.“ Mit ihrem Kollegen war sie als eine der Ersten bei einem Motorradunfall, bei dem der verunglückte Biker noch eingeklemmt unter seinem Fahrzeug lag und schrie. Eine belastende Situation. „Das vergisst man nicht“, sagt Fabienne Fischer.

Angst, sagt sie, habe sie noch nie gehabt, obwohl brenzlige Situationen für eine Polizistin nicht ausbleiben. So wie bei einer Messerstecherei in Neustadt, von der sie beim Spätdienst über Funk gehört hatte, um dann zur Verstärkung an den Tatort zu fahren. Ein Mann war mit seinem Messer auf einen 14-jährigen Jungen losgegangen. „Wir sind mit dem Jungen ins Krankenhaus gefahren. Er hatte eine tiefe Stichwunde am Rücken.“

Frauen bei der Polizei gehören heute zum Alltag

Dass sie jung ist und eine Frau, empfindet sie keineswegs als Nachteil. Ganz am Anfang ihrer Ausbildung habe sie mal einen Verkehrsunfall aufgenommen und gemerkt, dass der Mann keinen Respekt vor ihr hatte. „Er hat mich übergangen, sich offensichtlich meinem Kollegen zugewandt.“ Doch der Mann war eine Ausnahme. Polizistinnen gehören heute längst zum Alltag und haben keine Probleme, sich durchzusetzen. „Es gibt immer mehr Frauen bei der Polizei“, sagt die 21-Jährige. „In meinem Jahrgang sind 40 Prozent Frauen.“

Traumberuf gefunden

Für Fabienne Fischer jedenfalls ist klar, dass sie ihren Traumberuf gefunden hat. Etwas anderes sei für sie auch nie infrage gekommen. Bis Ende März wird sie noch in Waiblingen bleiben. Danach geht es zurück nach Villingen-Schwenningen. Im März 2018 ist sie mit ihrer Ausbildung fertig. Dann will sie erst noch Streifendienst arbeiten, was danach kommt, ist noch offen. „Ich war noch nicht bei der Kripo, könnte mir das aber gut vorstellen.“

Schon jetzt weiß sie, es wird definitiv anders sein als im Fernseh-„Tatort“. Von Zeit zu Zeit guckt sie sich das trotzdem gern im Fernsehen an - wohl wissend, dass die einsame Kommissarin, die im Alleingang die kniffligsten Fälle löst, höchst unrealistisch ist. Und ganz weit weg ist vom Alltag einer Polizistin.

Die Hochschule

Die Hochschule für Polizei - Baden-Württemberg bildet die Polizeibeamen für den gehobenen Polizeivollzugsdienst aus. Sie bietet 1300 Studienplätze und beschäftigt 58 hauptamtliche Dozenten und 74 Verwaltungsmitarbeiter.

Das Studium dauert drei Jahre, wobei „Direkteinsteiger“ mit Abitur/Fachhochschulreife (also nicht „Aufsteiger“ aus dem mittleren Polizeivollzugsdienst) vorab eine neunmonatige Vorausbildung an den Standorten des Instituts für Ausbildung und Training ab–solvieren müssen.

Mit dem erfolgreichen Studium wird der „Bachelor of Arts (B.A.) - Polizeivollzugsdienst/Police Service“ verliehen.

Die ganze Serie finden Sie unter www.zvw.de/polizei_frauen

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