Waiblingen Planungsausschuss: Diskussion um zerstörtes Kunstwerk in der Talaue

Jutta Pöschko-Kopp, 21.03.2017 00:00 Uhr
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So sah das Kunstwerk in der Talaue 2004 aus. Zehn Jahre später (Bild unten) sieht man die Zeichen der Zeit. Foto: Pavlovic / ZVW
So sah das Kunstwerk in der Talaue 2004 aus. Zehn Jahre später (Bild unten) sieht man die Zeichen der Zeit.Foto: Pavlovic / ZVW

Waiblingen. Auch wenn der Künstler auf das Ende seines Kunstwerks selbst sehr gelassen reagiert und gegebenenfalls eine neue Skulptur in der Talaue entwickeln will: Alfonso Fazio hat im Planungsausschuss seine harsche Kritik an der Beseitigung der „Kapelle für einen sterbenden Baum“ erneuert. „Ich nehme das, was ich in der Zeitung gesagt habe, nicht zurück. Die Planer und die Verwaltung haben das Objekt nicht berücksichtigt.“

Wie berichtet, war im Zuge der Arbeiten für die Baumlichtung das Kunstwerk „Kapelle für einen sterbenden Baum“ von Helmut Stromsky beseitigt worden. Beim Versuch, die Skulptur aus etwa zehn Meter langen Fichtenholzstangen vom Dornenbewuchs freizulegen, hatte sie nach Darstellung der Stadtverwaltung ihre Standfestigkeit verloren. Danach hatte Oberbürgermeister Andreas Hesky versucht, mit dem Künstler Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam zu überlegen, wie weiter verfahren werden soll.

Neue Skulptur für die Talaue von Stromsky?

„An dieser Stelle möchte Herr Stromsky kein Kunstwerk mehr aufstellen“, berichtete Baubürgermeisterin Birgit Priebe jetzt im Planungsausschuss. Stromsky überlege sich aber, für die Talaue eine neue Skulptur zu entwickeln: „Wir werden Ihnen das vorschlagen“, kündigte sie an. Es sei sehr bedauerlich, dass das Gebilde zusammengefallen sei: „Aber die Stelen waren morsch.“

Alfonso Fazio: "Ich bin sicher, dass die Leute keine Ahnung hatten, was sie da tun."

Diese Erklärung wies Alfonso Fazio zurück. Weder die Planer noch die Verwaltung hätten das Objekt berücksichtigt: „Ich bin sicher, dass die Leute keine Ahnung hatten, was sie da tun.“ Nicht nur bei ihm habe der Vorgang Empörung ausgelöst, und er nehme nicht zurück, was er gesagt habe. Im Übrigen, sagte Fazio, wäre er an der Stelle des Künstlers wohl auch froh, wenn er etwas Neues bauen könne.

Kritik auch von Ingo von Pollern 

Kritik kam auch von Ingo von Pollern (CDU) – wenn auch aus anderem Grund: „Das hätte nicht passieren dürfen. Das ist Wasser auf die Mühlen der Gegner“, ärgerte sich der erklärte Fan der Kunstlichtung. Er frage sich schon, ob die notwendige Sensibilität vorhanden war: „Da müssen alle Alarmglocken klingeln“, betonte er.

"Kapelle" als eine Naturskulptur als temporäre Kunst konzipiert

Helmut Stromsky selbst hatte im Gespräch mit der WKZ seine „Kapelle“ als eine Naturskulptur bezeichnet, die von Anfang an als temporäre Kunst konzipiert gewesen sei. Im Rahmen der Landeskunstwochen seien damals mehrere solcher Naturskulpturen in der Talaue positioniert worden – die alle nicht für die Ewigkeit gedacht waren. „Wenn ich aus Holz baue, dann weiß ich, dass es temporär ist“, betonte jetzt auch Michael Fessmann (DFB). Eine Holzterrasse beispielsweise halte zehn bis 15 Jahre.

Über städtisches Kunstwerk muss diskutiert werden 

Auch Stromskys „Kapelle“ habe keine 22 Jahre gehalten, sondern sei von den Brombeeren zusammengehalten worden. „Das hat niemanden interessiert. Auch nicht Herrn Fazio. Ich weiß nicht, was der Aufruhr soll.“ Ins selbe Horn stieß auch Bernd Mergenthaler (FDP): „Der nächste Sturm hätte es umgehauen.“ Das wollte Alfonso Fazio keinesfalls so stehen lassen: „Ich bin wohl im falschen Film“, ereiferte er sich. Hier gehe es um ein städtisches Kunstwerk: „Wenn das weggkommt, muss man darüber diskutieren.“ In keinem Plan sei es abgebildet gewesen. Wenn die Firma einen seriösen Auftrag hatte, erwarte er, dass sie sich rückversichere, bevor sie die Skulptur mit dem Bagger umwälzt.

„Ist es Liebe zur Kunst oder die Gegnerschaft zur Kunstlichtung?“

Der Künstler selbst stellt sich angesichts der erbitterten Debatte, bei der schon Worte wie „Kunstfrevel“ und „Baum-Mord“ fielen, mittlerweile die Frage, ob es hier noch um seine Baum-Skulptur geht. „Ist es die Liebe zur Kunst oder die Gegnerschaft zur Kunstlichtung?“, fragte der 75-Jährige im Gespräch mit der Zeitung. Instrumentalisieren lassen wolle er sich nicht. Seine „Kapelle“ sei fast nicht mehr zu erkennen gewesen, „und so war es auch gedacht“.

Stromsky kann sich Kunstwerk für Gartenschau vorstellen 

Er selbst habe in dieser Sache nichts mehr zu reklamieren, die Stadt habe keinen Fehler gemacht. Wenn gewünscht, könne er sich vorstellen, mit einem Kunstwerk einen Beitrag zur Gartenschau zu leisten. Entweder mit einem, das er extra konzipieren würde oder mit einer seiner fertigen Arbeiten. Dies sei aber offen, weitere Gespräche mit dem Gartenarchitekten seien nötig. „Es muss einen Sinn machen“ betont Stromsky.

 

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Kommentare (2)
Born 1970 • vor 5 Tagen
Mein Vorschlag zur güte wäre wartet noch ein paar Tage bis es wieder etwas wärmer ist, dann zündet den ganzen Haufen an und ladet 20 Kinder zum Würstle grillen ein und alle werden gücklich!
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Augenroller • vor 5 Tagen
Nun ist auch mal gut mit dem bissl Holz... Man hat ja sonst keine Probleme O.o
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