Waiblingen. Ein Immobilienkauf gleicht ein wenig einer Heirat: Es handelt sich um eine Entscheidung, die meist nicht allzu oft im Leben ansteht. Zurzeit treffen besonders viele Bürger eine solche Entscheidung – der Immobilienmarkt boomt. Das hat mit der Eurokrise zu tun, aber auch mit der Sehnsucht nach einem verlässlichen Zuhause: Auf der Immo-Messe war richtig viel los.
„Was wir hier heute Kinderwägen gesehen haben!“ – Herbert Zäpf, der Leiter des Immobiliengeschäfts bei der Kreissparkasse Waiblingen, schwärmte gestern Abend vom großen Interesse der Besucher auf der Immobilienmesse im Wailbinger Bürgerzentrum. Wegen des sehr niedrigen Zinsniveaus könnten sich nun auch junge Familien eine eigene Wohnung, vielleicht gar ein eigenes Häuschen leisten. Eine andere Zielgruppe, laut Zäpf auf der Messe auch sehr stark vertreten, sind die am gewissen Luxus Interessierten: „Jeder fragt nach dem Penthouse.“ – „Das Geld ist vorhanden, ganz klar“, sagt Herbert Zäpf. Wer Geld hat, sorgt sich zurzeit mehr als früher: Die Finanzkrise steigert das Interesse an Immobilien enorm. Weshalb die Immobilienpreise bereits deutlich gestiegen seien, vor allem im vorderen Remstal. Im Neubaubereich kostet dort ein Quadratmeter bereits mehr als 3.000 Euro. „Die Preise steigen weiter“, prophezeit Zäpf, und der Boom am Immobilienmarkt sei noch lange nicht vorüber. Das Zinsniveau werde voraussichtlich leicht ansteigen, „aber sicher nicht gravierend.“
Aufs Preis-Leistungs-Verhältnis und auf die Lage achten
„Hellseher sind wir auch nicht“, sagt Dany Kallenberg von Garant Immobilien. Ob sich eine Investition in eine Immobilie in zehn oder gar 20 Jahren rückblickend rentiert hat, kann heute niemand mit Sicherheit vorhersagen. Doch aus Dany Kallenbergs Sicht spricht vieles dafür, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist für einen Immobilienkauf. Besucher interessierten sich auf der Messe für die ganze Bandbreite des Angebots, vom Ein-Zimmer-Appartment bis hin zur schicken Penthouse-Wohnung. Besonders gefragt seien kleine Wohnungen mit ein oderzwei Zimmern, weil sie leicht zu vermieten seien und auch für Kapitalanleger mit nicht ganz so üppig viel Geld auf dem Konto eine Chance bieten, Immobilienbesitzer zu werden. Worauf es beim Immobilienkauf ankommt, hängt natürlich von den individuellen Wünschen ab: Wer ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchte, um selbst darin zu leben, sollte unbedingt auf sein „Bauchgefühl“ hören, rät Dany Kallenberg. Kriterien wie eine gute Lage und ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis gilt’s zu beachten.
Um herauszufinden, ob das Preis-Leistungsverhältnis bei den einzelnen Angeboten stimmt, eignete sich selbstredend ein Messerundgang: 26 Betriebe informierten über ihre Angebote, so dass sich Besucher einen sehr guten Marktüberblick verschaffen konnten.
Eine Immobilie kauft man nicht wie einen Gebrauchtwagen. Eine solche Investition will gut überlegt sein. Fragen des Energiesparens spielen bei diesen Überlegungen heute eine weitaus größere Rolle als noch vor einigen Jahren. Weshalb die Immo-Messe des Zeitungsverlages Waiblingen mit Vorträgen zu diesem Thema aufwartet. Um energetische Sanierung und ums Energiesparen in Verbindung mit öffentlichen Fördermitteln ging es in den Vorträgen beispielsweise.
Das Energiethema spiegelt sich auch am Informationsangebot der Aussteller wieder, beispielsweise am Messestand der Firma Wohnwert Waiblingen. Die Firma präsentiert sich als Passivhausplaner und bringt die Besonderheiten eines Passivhauses in einem schlichten Satz auf den Punkt: „Die Wärme bleibt drin.“ Carolin Lepore, Beraterin bei Wohnwert, freut sich über das große Interesse der Messebesucher. Nicht nur, weil in einem Passivhaus die Heizkosten „dramatisch“ niedriger liegen als in einemherkömmlichen Haus, bleiben Messegäste am Wohnwert-Stand stehen. Das Unternehmen lockt mit Äpfeln und Birnen zum Reinbeißen – „damit Sie nicht Äpfel mit Birnen vergleichen“. Den einen oder anderen Gast veranlasst solch ein Stand wohl auch deshalb zum Stehenbleiben, weil sich Menschen wegen des Klimawandels verantwortlich fühlen. Ein älterer Herr habe versichert, erzählt Carolin Lepore, er würde sich gern „ein Paar Socken mehr anziehen“, um mittels geringeren Heizenergieverbrauchs einen Beitrag zu leisten gegen den Klimawandel.
Nicht allein um Energiefragen drehten sich die Gespräche am Stand der EnBW. Politische Themen kommen dort auch zur Sprache. Doch nehmen solche Themen oder auch Diskussionen um den Ausstieg aus der Kernenergie bei anderen Messen größeren Raum ein, erzählt Daniela Heinrich. Auf der Immo-Messe stehen fachliche Fragen eher im Mittelpunkt, weil zu solch einer Messe gezielt Menschen kommen, die sich ohnehin mit Immobilienkauf oder -verkauf oder energetischer Sanierung auseinandersetzen.
Die Messe war erfolgreich wie nie
- „Diese Messe war so erfolgreich wie noch nie“: Frederik Spies, beim Zeitungsverlag Waiblingen für Messen zuständig, zog gestern Abend eine positive, nein, eine begeisterte Bilanz: Die Besucher strömten am Samstag und besonders am Sonntag in Scharen ins Bürgerzentrum Waiblingen, um sich einen Überblick über den Immobilienmarkt zu verschaffen.
- Das große Interesse hat natürlich mit der Eurokrise zu tun, sagt Spies: In diesen unsicheren Zeiten und beim aktuell sehr niedrigen Zinsniveau erwägen viele Bürger, eine Immobilie zu kaufen, sei es als Kapitalanlage, sei es als eigengenutztes Objekt. Auch die Fachvorträge waren außergewöhnlich gut besucht. Beim Vortrag des Fachanwalts Frank Fliegner zum Thema „Worauf muss beim Immobilienkauf geachtet werden“ mussten ein paar Zuhörer im Studio des Bürgerzentrums gar auf dem Boden Platz nehmen, so proppenvoll war’s.
- Bereits zum zwölften Mal veranstaltete der Zeitungsverlag Waiblingen die Immobilienmesse im Rems-Murr-Kreis. 26 Betriebe präsentierten sich dieses Wochenende auf der Messe im Waiblinger Bürgerzentrum.
- Nächstes Jahr gibt’s wieder eine Immo-Messe. Der Termin steht sogar schon fest: 2012 findet die Messe am 20. und 21. Oktober statt, wieder im Bürgerzentrum Waiblingen.
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