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Waiblingen Grippewelle hat den Kreis erreicht

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Nicht jede Erkältung ist eine Grippe. Foto: Photographee.eu / Fotolia

Waiblingen/Leutenbach. „Wir haben im Buchenbachtal viele Kranke“, sagt Dr. Markus Schuler. „Aber keine Influenza.“ Der Leutenbacher Allgemeinarzt unterscheidet klar zwischen Grippe und grippalen Infekten. Selbst wenn das Buchenbachtal noch verschont ist: Die Grippe hat den Kreis erreicht. Aktuell berichtet das Gesundheitsamt von 17 Influenza-Fällen.

In den vergangenen Jahren hatte die Grippewelle meist erst im Februar ihren Höhepunkt erreicht. 2016 und 2015 gab es im Januar nur wenige Meldungen über den Nachweis von Influenzaerregern. Vor allem 2015 entpuppte sich als ein schweres Grippejahr mit bundesweit geschätzt 20 000 Todesfällen. Damals stiegen die Grippefälle Ende Januar stark an und sorgten für überfüllte Arztpraxen und überlastete Krankenhäuser.

Erkältungserkrankungen von der „echten“ Grippe unterscheiden

Der Rems-Murr-Kreis spiegelt aktuell den Bundes- und Landestrend wieder, teilt das Gesundheitsamt Rems-Murr auf Anfrage mit. Es gebe bisher aber keine Anzeichen dafür, dass die Erreger dieses Jahr „heftiger“ sind als früher. Es gelte zu bedenken, dass die herkömmlichen Erkältungserkrankungen unbedingt von der „echten“ Grippe, der Influenza, zu unterscheiden sind.

Die aktuelle Grippewelle gefährde vor allem ältere Menschen, sagt eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Bisher dominiere nämlich der Virustyp H3N2, der bei Senioren zu schweren Verläufen der Krankheit führt, so Susanne Glasmacher. Auch wenn die Grippewelle schon im Gange ist, lohne sich jetzt immer noch eine Grippeschutzimpfung. Gerade älteren Menschen und chronisch Kranken sowie Schwangeren rät sie zur Impfung. Auch auf die Gefahr hin, dass sie sich dennoch anstecken könnten. Denn bis die Schutzimpfung wirkt, dauere es zwei Wochen.

Nicht jede Grippe wird gemeldet

Zu der Zahl der Grippeerkrankten selbst können die Gesundheitsämter keine Aussagen treffen. Grippeerkrankungen sind nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) nicht meldepflichtig. Meldepflichtig sind nur die Labornachweise von Influenzaerregern. Das heißt konkret: Die Labore melden dem Gesundheitsamt im Landratsamt die nachgewiesenen Fälle von „echter“ Grippe. Die Gesundheitsämter können deshalb nur Aussagen zu den Labornachweisen geben.

Das Gesundheitsamt im Landratsamt gibt diese Fallzahlen dann weiter an das Landesgesundheitsamt und an das Robert-Koch-Institut in Berlin. In ihrem Influenza-Wochenbericht heißt es, dass seit Mitte Dezember die Influenza-Fälle deutlich ansteigen. In Baden-Württemberg sind vor allem Südbaden und Nordwürttemberg betroffen. Der Raum Stuttgart galt zum Jahreswechsel die „Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen“, wie die Influenza im Fachjargon genannt wird, als „normal“ bis „leicht erhöht“. In Südbaden und im Norden des Landes war die Aktivität bereit deutlich bis stark erhöht.

Früher Ausbruch sagt nichts über die Folgen aus

Aus Sicht des Robert-Koch-Instituts lassen sich aus dem verhältnismäßig frühen Beginn der Grippewelle keine Rückschlüsse auf deren Tragweite und Folgen ziehen. Dass die Grippe schon mal im Dezember ausbreche, sei keineswegs ungewöhnlich.

Auch wenn der Leutenbacher Allgemeinmediziner Markus Schuler in seiner Praxis noch keine echte Grippe festgestellt hat, ist er weit entfernt von einer Entwarnung. Bis die Influenzaviren das Buchenbachtal erreichten, dauere es eben seine Zeit. Er geht dabei von einer Infektionskette aus, die beim Stuttgarter Flughafen beginnt und über Stuttgart, Waiblingen und Winnenden bis Weiler zum Stein reicht.

Info:

Das Robert-Koch-Institut informiert regelmäßig über den aktuellen Stand der Grippewelle im Internet: https://influenza.rki.de/.

Immer weniger lassen sich impfen

  • „Immer weniger ältere Menschen lassen sich gegen Grippe (Influenza) impfen“, stellt das Robert-Koch-Institut in Berlin fest. Die neue Auswertung von Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) zeige Defizite, Fortschritte und große regionale Unterschiede bei den Impfquoten. So waren in Baden-Württemberg nur rund 20 Prozent der über 60-Jährigen gegen Influenza geimpft. In Sachsen-Anhalt haben sich rund 55 Prozent der Senioren impfen lassen.
  • Außer Menschen mit chronischen Grundleiden, Schwangeren und dem medizinischen Personal empfiehlt die ständige Impfkommission (STIKO) allen Personen ab einem Alter von 60 Jahren eine Impfung gegen saisonale Influenza. Die Europäische Union hat in einer Resolution das Ziel definiert, dass in allen Mitgliedstaaten unter älteren Personen eine Influenza-Impfquote von mindestens 75 Prozent bis 2015 erreicht werden soll. Davon ist Deutschland und vor allem Baden-Württemberg weit entfernt, zumal die Impfquoten rückläufig sind. Seit der Saison 2012/13 scheinen die Impfquoten auf einem Niveau zu stagnieren, bei dem gut ein Drittel aller Personen ab einem Alter von 60 Jahren gegen saisonale Influenza geimpft wird, schreibt das Robert-Koch-Institut in einem epidemiologischen Bulletin, das kürzlich erschien.
     
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