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Waiblingen Gurtmuffel riskieren ihr Leben

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Der junge Mann trifft die richtige Entscheidung – und schnallt sich an. Foto: Dada Lin / Fotolia

Waiblingen. Ohne Sicherheitsgurt würden sehr viel mehr Unfälle tödlich enden. Trotzdem verzichten Autofahrer noch immer auf den Lebensretter. Bei Kontrollen sind vergangenes Jahr deutlich mehr Gurtmuffel aufgefallen als zuvor.

Verstöße gegen die Gurtpflicht nennt die Polizei an erster Stelle als Grund, der zu Verletzungen bei Unfällen, im schlimmsten Fall zum Tod von Beteiligten führt. Ferner zählt die Polizei in der Jahresstatistik 2016 fehlende Kindersicherung, Verstoß gegen die Helmpflicht und die Nutzung des Handys während der Fahrt als Gründe auf. Mit 7240 (Vorjahr 6119) Verstößen gegen die Gurtpflicht registrierte die Polizei im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen sehr viel mehr Verwarnungen dieser Art im Vergleich zu den Verstößen gegen das Benutzungsverbot von Handys (2824 Verstöße, was einem Plus von fast einem Drittel entspricht).

Häufig werden Ausflüchte gesucht 

Der ADAC gibt zwar keine offizielle Stellungnahme zu gängigen Ausreden ab – doch immerhin eine Einschätzung, häufig verwendete Ausflüchte betreffend: „Ich fahre nur langsam beziehungsweise in der Stadt, da brauche ich den Gurt nicht“ – „Der Gurt ist unbequem, schränkt die Bewegungsfreiheit ein“ – „Ich hab doch einen Airbag“ – „Wenn das Auto brennt, kann ich mich nicht rechtzeitig befreien.“

Frische Operationsnarbe muss als Ausrede herhalten

Offenbar verweisen Autofahrer anderen Berichten zufolge auch gern auf einen Freund, der einen Unfall nur deshalb überlebt habe, weil er eben nicht angeschnallt war. Eine frische Operationsnarbe muss hin und wieder herhalten – oder eben der Verweis auf die nicht antastbare persönliche Freiheit. Darauf pfeifen Gurtwarner mit ihren penetranten Tönen – doch solche Warner sind eben in alten Autos noch nicht verbaut.

Gurtwarner nicht nur auf Vordersitzen

Auf allen Plätzen, auch den hinteren, sollte ein Gurtwarner zum Handeln verleiten, dafür plädiert der ADAC: „Denn ein nicht angeschnallter Heckpassagier gefährdet nicht nur das eigene Leben, sondern ebenso das der anderen Insassen, die er bei einem Unfall mit seinem eigenen Körper förmlich erschlagen kann.“

Regelmäßige Erhebungen 

Die Bundesanstalt für Straßenwesen erhebt seit vielen Jahren regelmäßig, wie es die Autofahrer mit ihrer Sicherheit halten. Demnach waren 2015 auf Autobahnen 99 Prozent der erwachsenen Insassen in Autos, auf Landstraßen 98 Prozent und innerorts 97 Prozent mit einem Gurt gesichert.

Gurt muss richtig angelegt sein 

Schön und gut, hält der ADAC dagegen: Ein Sicherheitsgurt allein nützt noch nichts, er muss auch richtig angelegt sein. „Eine Jacke sollte möglichst immer über dem Beckengurt liegen, damit der Gurt so nah wie möglich direkt am Becken anliegt“, informiert der ADAC-Sprecher. Ferner verweist der Club auf die Bedienungsanleitung des Fahrzeugs – auch wenn’s mühsam ist, sich dort durch Themen wie Sitzeinstellung, Gurthöhenverstellung oder Sitzhaltung zum Airbag durchzuarbeiten.

"Weiterhin ein erhebliches Verbesserungspotenzial"

Laut der Bundesanstalt für Straßenwesen war ein Prozent der Kinder 2015 im Auto nicht gesichert. Allerdings wurden auf Landstraßen und innerorts jeweils 15 Prozent der Kinder ab sechs Jahren mit Erwachsenengurten und damit nicht altersgerecht gesichert. Das Amt sieht trotz im Vergleich zu Vorjahren besserer Sicherung „weiterhin ein erhebliches Verbesserungspotenzial“.

Kindersitze müssen richtig gesichert und verwendet werden

Kinder bis zu zwölf Jahren beziehungsweise bis zu einer Körpergröße von 150 Zentimetern gehören in einen passenden Kindersitz, darauf weist der ADAC hin. Sitzerhöhungen ohne Rückenstütze und Kopfteil seien keine sichere Lösung. Für ganz kleine Kinder entstehen laut dem Club unkalkulierbare Risiken, wenn die Babyschale nicht korrekt angebracht oder Becken- und Schultergurt vertauscht sind. Ein falsch befestigter Sitz kann sich ganz aus dem Gurt lösen und bei einem Unfall durchs Wageninnere fliegen.

Crash-Test des ADAC

Erwachsene wirken auch beim Angurten als Vorbild. Nicht angeschnallte Verkehrsteilnehmer unterliegen einem weitaus höheren Risiko, schwere oder gar tödliche Verletzungen zu erleiden. Der Anteil der nicht angeschnallten Fahrzeuginsassen an den Getöteten liegt bei 20 Prozent, das ergab ein Crash-Test des ADAC.

Seit 1976 Pflicht

Sicherheitsgurte sind prinzipiell ebenfalls eine sehr alte Erfindung, auch wenn sie sich im Automobilbau als Standard spät durchgesetzt haben. Erst durch Studien, die die Vorteile für die Fahrgastsicherheit wissenschaftlich belegen konnten, und gesetzliche Vorgaben - wie etwa die 1976 in der Bundesrepublik eingeführte Gurtpflicht - wurde der Sicherheitsgurt letztlich akzeptiert. Deutsches Patent- und Markenamt.

 

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