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Waiblingen MC Bruddaal: Rappen isch a Subbersach

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Waiblingen/Schorndorf. MC Bruddaal alias Henrik Brislow, der Schwobarapper mit der Fellkapp’, war bruddaal fleißig und machte sich an die zweite CD. Fragen an den Autoren des Hits „Du bisch mei Number One“, der beim Zeitungsverlag Waiblingen als Grafiker arbeitet.

Video: Interview mit MC Bruddaal über seine neue Platte und die schwäbische Lebensart.

Hat eigentlich Edeka noch nicht angerufen? MC Bruddaal besingt die 25 Arten, wie Maultascha auf den Tisch kommen. Es ist eine einzige Liebeserklärung im „Mauldasch Song“ an die Teigwickelei, eben „subber lecker“. Gemacht wie für die Werbung. Würdest du den Song hergeben?

Edeka hat noch nicht angerufen. Wenn jemand den Song will: haja klar! Da sag I ned noi! Freunde von mir verkaufen sogar Maultaschen, vielleicht schaffen wir es da, ein Video auf die Beine zu stellen.

Essen scheint eh ein Thema bei dir zu sein. „Budderbrezel“ besingt das Samstags-Vergnügen, wenn man vom Bäcker kommt. Deine Eltern sind Schweden. Mein lieber Schwede, da geriet aber die Integration zur Überanpassung, so wie du einem die Butter auf die Brezel schmierst. Kam die Liebe zum Ländle über die Leibspeisen?

Die Liebe zum Ländle kam wahrscheinlich im Gesamtpäckle! Ich liebe Essen und das schwäbische besonders. Ich verbinde das mit Heimat und vermisse im Urlaub immer Laugengebäck. Die Maultaschen gab’s meistens bei Uschi, einer guten Freundin der Familie.

Angefangen hat die Rapperei wegen der Wut, dass das Hauptstädle mit dem Kessel total aufgewühlt wird. Der Bahnhof. Jetzt geht’s weiter. Im Rap „Wär I Bürgermeischter“ versprichst du nicht nur all Tag Linsa mit Spätzle, sondern auch Schluss mit der Katastroph’: „Stuttgart isch a oinzige Baustell.“ Wie groß ist das Leiden an Stuttgart 21?

Viele sind genervt von den Staus, Verspätungen und ich bin überzeugt, meinen Heuschnupfen von dem ganzen Feinstaub bekommen zu haben. Das hatte ich früher nie. Das erste Video „Oba Bleiba“ haben wir im Park gedreht und kurz vor dem Bürgerentscheid veröffentlicht.

Es geht gerade so weiter mit der Politikberatung. In „Feinstaub Alarm“ heißt es: „OB Kuhn, du musch ebbes tun. Aber ned rom renna wie a kopfloses Huhn. Scheiße war dei Plakat Aktion, aber was willsch erwarte von oim mit Germanischtik Diplom.“ Du liest offenbar sehr aufmerksam die Zeitung. Schmückt ausreichend Bildung auch den Hip-Hopper?

Auf jeden Fall. Ich habe auch ein Jahr lang jede Woche die Nachrichten zusammengefasst und „lustige“ Wochenrückblicke gemacht. Da musste ich ganz viel Zeitung lesen. Ich habe zudem gemerkt, dass ich besser schreiben kann, desto mehr ich lese.

Aber gell, drhoim romhocka allein bringt einen nicht weiter. Für die Nummer „D’r Schwob vom Prenzlauer Berg“ war Recherche-Aufwand nötig. Sonst bringt man nicht solch fein beobachtete und umgesetzte Zeilen zustande. Wie: „In Berlin ankomma, da merkt er schnell, da isch jeder superindividuell. Einig send sie sich bloß en oim Punkt, mir meged koine Deutsche mit Migrationshintergrund.“ Den Gentrifizierungsgegnern wird gesagt: „Kauf net bei Schwoba, stoht auf dr Wand. Aber ohne Dübel hält au koi Trabant.“ Da gibt ein Wort das andere. Genial. Als ob du dich in so und so viel Slam-Poetry-Wettbewerben bewährt hättest.

Ich habe 2009 bis 2010 in Berlin gewohnt und habe ganz viel über Berlin und Schwaben erfahren. An diesem Lied habe ich in der Tat lange geschrieben, damit Inhalt und Reime perfekt sind. Recherchiert habe ich allerdings nicht so viel wie beim Song „Schwobaland Flavour“ wo ich schwäbische Erfindungen aufzähle. Die Welt hemmer verändert mit Subbersach, Berlin eba au!

Was waren deine Bühnen früher? Die Eltern können es kaum gewesen sein. Wurdest du gemobbt in der Schule, weil du doch einen leichten Schweden-Slang hattest? Und hast du dann zurückgeschlagen mit Schwaben-Imitation?

Awa! Mein Deutsch und vor allem Schwäbisch war immer subber! Auf der Bühne stand ich aber nur selten. Ich habe in der Musikschule mal ein Stück auf der Gitarre gespielt. Ich hatte eher einen leichten deutschen Slang, wenn ich in Schweden war. Mir haben auch immer die coolen aktuellen Worte gefehlt, da ich das 70er-Jahre-Vokabular von meinen Eltern mitbekommen habe.

Ein genialer Synchronsprecher fürs Schwäbische ist Dodokay aus Reutlingen. Bei dir ist er mit einer Strophe zu hören. Wie bist du zu ihm gekommen, der mittlerweile große Hallen füllt?

Ich war schon Dodokay-Fan, bevor ich mit MC Bruddaal gestartet bin. Dann habe ich Karten für die Dodokay-Show geschenkt bekommen und habe das gepostet. Daraufhin hat er mich eingeladen, nach der Show in den Backstagebereich zu kommen. Dodokay ist ein großartiger Künstler und subber korrekt.

Die Produktion ist in einem Keller in Zuffenhausen entstanden. Du hast auch noch das Allermeiste selbst gebastelt und eingespielt. Manches kommt genau so schlurfig, wie wir sprechen. Eben so, als ob man einen Haufen Steine im Mund rumwargelt. Der passende Sound zu unserem Gelaber, reinste Satire. So bezweckt? Oder willst du in der Liga oben mitspielen? Jan Delay hat ja ein furchtbares Breimaul. Darf es da auch trocken rumpeln im Karton?

Musik war scho emmer mei Leidaschaft! Heutzutage kann man mit wenigen Mitteln einen Hit im Keller produzieren. Das ging früher nicht so einfach, weil einfach die Produktionsmittel zu teuer waren. Am Ende muss einfach der Song und die Stimmung passen, da reicht manchmal eine schepprige Gitarre.

War es schlimm mit der zweiten Platte? Davor haben ja alle Bammel. Du aber hast einen Brotberuf. Alles andere ist Bretzel mit Budder. Oder?

Auf die zweite Platte bin ich viel mehr stolz als auf die erste, „Bollahits“. Da habe ich viel mehr selber gemacht und konnte alle Fäden selber ziehen. Einen Brotberuf zu haben, macht Musikmachen viel entspannter und freier. Wenn man davon abhängig ist, dass das Album gut ankommt, verbiegt man sich meist.

Zum Youtube-Kanal von MC Bruddaal geht's hier.

 

CD „Schwepisch“

Die Platte ist im ZVW-Shop oder über die Website subbersach.com zu haben.

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