Waiblingen/Stuttgart Technikwunder Stuttgart 21

Jörg Nolle, 18.07.2012 18:21 Uhr
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Physiker Engelhardt hat seine Kritik an Stuttgart 21 erneuert Foto: dpa
Physiker Engelhardt hat seine Kritik an Stuttgart 21 erneuertFoto: dpa

Waiblingen/Stuttgart. Der Zug, Stuttgart 21 noch zu stoppen, ist nicht abgefahren. Diese Hoffnung wächst wieder bei Kritikern des Tiefbahnhofs. Deshalb hat der Waiblinger SPD-Politiker Klaus Riedel Dr. Christoph Engelhardt eingeladen in sein Forum im Waiblinger Schwanen. Zuvor, gestern Mittag, hatte dieser vor der Landespresse in Stuttgart seine Aussage erneuert. Die, träfe sie voll zu, das Zeug zum Skandal hat: Der Tiefbahnhof sei von Anfang an als Rückbau geplant. Er könne gar nicht zur Verbesserung des Verkehrsknotens dienen.

Gutachten:

Falls jemand selbst die vier Grundrechenarten bemühen will: Ein Leitfaden zu Stellen in den Originalgutachten findet sich hier als pdf-Download.

Der gelernte Physiker Engelhardt ist den fleißigen Zuschauern von Geißlers Schlichtungsrunden noch als Experte für tatsächliche oder nur angenommene Kapazitäten bekannt. Jetzt beschäftigt sich der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim mit seiner Analyse. Jedenfalls bauen die Anwälte der Hausbesitzer auf Engelhardts Erkenntnisse, deren Häuser weichen müssen.

„Rechnungen gehen nicht auf“

Und Engelhardt legt nochmals nach. Ohne jeden Furor in der Stimme, aber mit einem nonchalanten Lächeln in der Schlussfolgerung. Man müsse kein Bahnexperte sein, auch kein Jurist, jeder könne etwa aufgrund der beim Stresstest offengelegten Pläne nachweisen, dass die Rechnung der Bahn nicht aufgeht. Es brauche dazu lediglich die vier Grundrechenarten.

Engelhardt nahm sich zum Beispiel die von der Bahn in Auftrag gegebene Personenstromanalyse vor, mit welcher sich abschätzen lässt, ob die Dimensionen der Bahnsteige und Treppen bei acht Gleisen reichen. Sie reicht nicht, sagt Engelhardt. Oder sie reichen nur, wenn man mit 32 Zügen in der Stunde rechnet. Der bestehende Bahnhof leistet bereits ohne Ausbau 38. Versprochen wurde von den Projektbetreibern aber nahezu eine Verdoppelung der Kapazität. Das sei nur möglich, wenn die Haltezeit minimiert wird. „Zwei Minuten sind zu kurz. Drei Minuten müssen es sein“, sagt Engelhardt. Stuttgart sei kein Provinzbahnhof, bei dem wenige aussteigen, „es ist ein Bahnhof mit hohem Fahrgastwechsel“.

Was er auch studiert, welches Gutachten auch immer, er kommt mit einfachen Grundrechenarten auf die eine Zahl: 32. Das sei die von der Bahn den Gutachtern eingeschriebene Zugzahl, auch wenn oft vermieden worden sei, diese klar auch im Text aufzunehmen. Etwa für die Personenstromanalyse.

Engelhardt hat wiederum bei den Befürwortern seine Kritiker. Sie sagen, Personenstromanalysen kümmern sich nicht um Zugzahlen, sondern betrachten nun mal die maximal mögliche Anzahl von Personen auf den Bahnsteigen. Engelhardt entgegnet darauf, dass es sehr wohl auf die Zugzahl ankomme, um Spitzenbelastungen berechnen zu können.

Lauter Widersprüche?

Wo er auch hinschaut, er sieht Widersprüche, fehlende Angaben und falsche Annahmen. Und wenn er dann nachrechnet, kommt er auf die magische Zahl 32. Mit mehr rechne die Bahn offenbar nicht. Mit mehr lasse sie nicht rechnen.

Engelhardt, Initiator von WikiReal.org und Experte für das Aktionsbündnis K 21, hofft auf die Einsicht einer höheren Instanz. Seiner Physik-Kollegin Angela Merkel hat er geschrieben: „Frau Merkel, lassen Sie nicht zu, dass vermeintliche Investitionssicherheit durch den milliardenteuren Rückbau der Bahninfrastruktur demonstriert wird. Setzen Sie ein Zeichen für verantwortungsvolle und lernfähige Politik und stoppen Sie das Projekt 21. Das Ansehen Deutschlands und seiner weltweit geschätzten Ingenieurskunst könnte sonst erheblich leiden.

 

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Kommentare (27)
Herbert Haffner Ist schon länger als 1 Jahr her
Sämtliche Versprechungen eines Leistungszuwachses durch Stuttgart 21 sind als Meinungsmache zur Volksabstimmung entlarvt. Sie halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Die Beführworter- Front im Regionalparlament und in Landkreistagen schweigen, obwohl ihnen gewiss ist daß der Bürger für einen mafiosen Beutezug des S21 Kartells bluten muß. Wären Merkel, Ramsauer und Kretschmann, Hermann und Schmid verantwortungsvolle Politiker, würden sie ob dieser jetzt zweifelsfrei erwiesenen Sachlage S21 sofort stoppen. Die Bürger sind für diese Scheinelite nur Mittel zum Zweck, Manipulations-masse, Zahlmeister und Stimmvieh. Wie wird das Verwaltungsgericht, vor diesem Hintergrund, Zwangsenteignungen von Immobilien durch-setzen? Viel Hoffnung habe ich nicht! Der in 58 Jahren gewachsene Filz ist in die Gerichtsbarkeit eingewachsen. Ersichtlich bei dem Fall des pensionierten Richter und Geschädigten bei der Parkräumung. Er wurde ja von Staatsanwalt Häußler bereits als krank verdächtigt. Hat Häußler von der Hessischen Regierung gelernt? Dort wurden ja von Roland Koch und Herrn Buffier, beide CDU, mit einem bezahlten Psychiater vier mutige Steuerfahnder in den vorzeitigen Ruhestand verdammt. Der Schwindel ist aufgeflogen, der Rechtsstreit dauert an zu Lasten der Bürger. Roland Koch ist heute Vorstandschef bei Bilfinger-Berger. Die Fa. hat bei der DB-AG, zu S21, Großaufträge für Tunnelbauten übernommen. Lothar Späth an gleicher Stelle bei Tunnelbohr-Spezialist Herrenknecht. Geht jetzt ein Licht auf bei Einigen? Wenn nicht, gehören Sie zur Gruppe der Königlichen-KLARTEXT Schwadron. Aktive Schreiber von Projekt S21-Schwätzer Dietrich, in allen Gazetten der Südwest-Presse zu finden. Furchtlos, frech und Faktenresistent!
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Opa Kolja Ist schon länger als 1 Jahr her
am Besten ignoriert man die an Impertinenz und Böswilligkeit kaum noch zu übertreffenden 'Beiträge' der Klartext und König. Nach dem Motto: 'Was juckt es die Eiche - wenn sich die Sau daran scheuert'. Es wäre zuviel der Ehre für diese interessengeleiteten Schreiberlinge, wenn man sich darüber ärgerte. Schönes Wochenende
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Klartext Ist schon länger als 1 Jahr her
Nur so zur Info…..Nur weil Sie, die Gegner, von der Immobilienmafia der Halbhöhenlage bezahlt werden, müssen Sie Ihre Vorgehensweise nicht auch den Befürwortern unterstellen.=============Und falls Sie ein bißchen nachdenken würden, würde Ihnen auffallen, dass das MVI wikidummi seit Monaten geprüft hat und die Ergebnisse vorliegen. Warum werden diese nicht veröffentlicht? ===========Ganz einfach: sie sind so verheerend für wikidummi, dass das MVI abwartet, bis die OB-Wahlen vorüber sind. Für Sie und Ihre Mitstreiter ist schon lange Feierabend – Sie wollen es nur nicht wahrhaben.
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Bittenfelder Ist schon länger als 1 Jahr her
..für alle neu dazu gekommenen: Die Aufgabe von 'Klartext', 'Hans König' etc. besteht einzig darin, Diskussionen oder unbequeme Kommentare mit sinnlosen oder auch beleidigenden Beiträgen zu verwässern und zu entschärfen. Es handelt sich hier nicht um persönliche Ansichten sondern um die gezielte journalistische Arbeit. Auch wenn sie so unterirdisch ist wie das Projekt selbst. Aber auch für sie wird bald Feierabend sein.
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Shoobidoo Ist schon länger als 1 Jahr her
Herr Dr. Engelhardt wurde erst während der Geissler-Schlichtung auf die Rechenkünste der Bahn aufmerksam - und rechnete nach. Seinen Auftritt hatte er bei der sogenannten Stresstest-Präsentation Im Sommer 2011.
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