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Waiblingen/Stuttgart Technikwunder Stuttgart 21

Waiblingen/Stuttgart. Der Zug, Stuttgart 21 noch zu stoppen, ist nicht abgefahren. Diese Hoffnung wächst wieder bei Kritikern des Tiefbahnhofs. Deshalb hat der Waiblinger SPD-Politiker Klaus Riedel Dr. Christoph Engelhardt eingeladen in sein Forum im Waiblinger Schwanen. Zuvor, gestern Mittag, hatte dieser vor der Landespresse in Stuttgart seine Aussage erneuert. Die, träfe sie voll zu, das Zeug zum Skandal hat: Der Tiefbahnhof sei von Anfang an als Rückbau geplant. Er könne gar nicht zur Verbesserung des Verkehrsknotens dienen.

Gutachten:

Falls jemand selbst die vier Grundrechenarten bemühen will: Ein Leitfaden zu Stellen in den Originalgutachten findet sich hier als pdf-Download.

Der gelernte Physiker Engelhardt ist den fleißigen Zuschauern von Geißlers Schlichtungsrunden noch als Experte für tatsächliche oder nur angenommene Kapazitäten bekannt. Jetzt beschäftigt sich der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim mit seiner Analyse. Jedenfalls bauen die Anwälte der Hausbesitzer auf Engelhardts Erkenntnisse, deren Häuser weichen müssen.

„Rechnungen gehen nicht auf“

Und Engelhardt legt nochmals nach. Ohne jeden Furor in der Stimme, aber mit einem nonchalanten Lächeln in der Schlussfolgerung. Man müsse kein Bahnexperte sein, auch kein Jurist, jeder könne etwa aufgrund der beim Stresstest offengelegten Pläne nachweisen, dass die Rechnung der Bahn nicht aufgeht. Es brauche dazu lediglich die vier Grundrechenarten.

Engelhardt nahm sich zum Beispiel die von der Bahn in Auftrag gegebene Personenstromanalyse vor, mit welcher sich abschätzen lässt, ob die Dimensionen der Bahnsteige und Treppen bei acht Gleisen reichen. Sie reicht nicht, sagt Engelhardt. Oder sie reichen nur, wenn man mit 32 Zügen in der Stunde rechnet. Der bestehende Bahnhof leistet bereits ohne Ausbau 38. Versprochen wurde von den Projektbetreibern aber nahezu eine Verdoppelung der Kapazität. Das sei nur möglich, wenn die Haltezeit minimiert wird. „Zwei Minuten sind zu kurz. Drei Minuten müssen es sein“, sagt Engelhardt. Stuttgart sei kein Provinzbahnhof, bei dem wenige aussteigen, „es ist ein Bahnhof mit hohem Fahrgastwechsel“.

Was er auch studiert, welches Gutachten auch immer, er kommt mit einfachen Grundrechenarten auf die eine Zahl: 32. Das sei die von der Bahn den Gutachtern eingeschriebene Zugzahl, auch wenn oft vermieden worden sei, diese klar auch im Text aufzunehmen. Etwa für die Personenstromanalyse.

Engelhardt hat wiederum bei den Befürwortern seine Kritiker. Sie sagen, Personenstromanalysen kümmern sich nicht um Zugzahlen, sondern betrachten nun mal die maximal mögliche Anzahl von Personen auf den Bahnsteigen. Engelhardt entgegnet darauf, dass es sehr wohl auf die Zugzahl ankomme, um Spitzenbelastungen berechnen zu können.

Lauter Widersprüche?

Wo er auch hinschaut, er sieht Widersprüche, fehlende Angaben und falsche Annahmen. Und wenn er dann nachrechnet, kommt er auf die magische Zahl 32. Mit mehr rechne die Bahn offenbar nicht. Mit mehr lasse sie nicht rechnen.

Engelhardt, Initiator von WikiReal.org und Experte für das Aktionsbündnis K 21, hofft auf die Einsicht einer höheren Instanz. Seiner Physik-Kollegin Angela Merkel hat er geschrieben: „Frau Merkel, lassen Sie nicht zu, dass vermeintliche Investitionssicherheit durch den milliardenteuren Rückbau der Bahninfrastruktur demonstriert wird. Setzen Sie ein Zeichen für verantwortungsvolle und lernfähige Politik und stoppen Sie das Projekt 21. Das Ansehen Deutschlands und seiner weltweit geschätzten Ingenieurskunst könnte sonst erheblich leiden.

 

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