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WeihnachtsbeleuchtungFehlender Licht-Blick

olm, vom 17.12.2012 05:00 Uhr
Die Herrenberger Altstadt erstrahlt in der Weihnachtszeit in festlichem Lichterglanz. Foto: Mierendorf
Die Herrenberger Altstadt erstrahlt in der Weihnachtszeit in festlichem Lichterglanz.Foto: Mierendorf

Wenn Rolf Reihle den Schalter umlegt, beginnt in Degerloch die Vorweihnachtszeit. Im Büro des ehemaligen Vorsitzenden der Werbegemeinschaft Degerloch befindet sich die Hauptsicherung für die Weihnachts­beleuchtung des Stadtbezirks. Die festliche Illumination ist gerade für den Handel in der umsatzstärksten Zeit des Jahres ein wichtiger Frequenzbringer, betont auch Sabine Hagmann, Geschäftsführerin des baden-württembergischen Handelsverbandes. Ginge es nach Hans H. Pfeifer, dem scheidenden Citymanager der City-Initiative Stuttgart CIS, wäre die Stuttgarter Königstraße im Advent ein einziges Lichtermeer.

'Leider spielt Stuttgart bei der Beleuchtung um die Weihnachtszeit eine sehr zurückhaltende Rolle. Da wäre deutlich mehr Luft drin.' Andere Städte würden da engagierter sein, kritisiert er und warnt davor, dass sich so etwas langfristig zu einem Standortnachteil entwickeln könnte. Vor allem die Königstraße könnte in der Weihnachtszeit etwas mehr Licht vertragen. Ein erster Schritt könnte die Illumination der unteren Königstraße sein. Vor einigen Jahren scheiterte dieses Ansinnen aber an den Eigentümern, die die Stadt in der Pflicht sahen. Zumal die Kosten der Installation und des Betriebs nicht unerheblich seien. Das weiß auch Pfeifer. Der Citymanager sieht noch eine Chance für das Projekt, wenn sich Handel, Stadt, Grundstückseigentümer und die künftigen Stadtwerke in dieser Frage an einen Tisch setzen.

Der Löwenanteil der Kosten bleibt an den Vereinen hängen

Ob es dazu aber jemals kommen wird, erscheint fraglich in Anbetracht der Haushaltslage der Landeshauptstadt und ihrer grundsätzlichen Haltung zu diesem Thema, wie die Beispiele aus den Stadtbezirken zeigen. Hier kümmern sich von jeher die örtlichen Gewerbe- und Handelsvereine um die Illumination. Die Kosten für den Unterhalt und Betrieb des Lichterglanzes sind für die meisten Vereine jedes Jahr ein finanzieller Kraftakt, auch wenn es alle paar Jahre auf Antrag vom jeweiligen Bezirk einen kleinen finanziellen Zuschuss gibt. Der Löwenanteil der Kosten bleibt an den Vereinen hängen, wird unisono kritisiert. Vor allem das Auswechseln der kaputten Glühbirnen sorgte in den letzten Jahren für gestiegene Instandhaltungskosten. Denn um die defekten Leuchtmittel an den Giebeln auszutauschen, benötigt man einen Hubwagen.

'Diese Arbeit ist sehr zeitintensiv und dadurch auch teuer', ist die Erfahrung von Folker Baur. Der Organisator der Plieninger Weihnachtsbeleuchtung schätzt die jährlichen Gesamtkosten für seinen Verein auf rund 5000 bis 7000 Euro, wobei die Energiekosten noch jeder Hauseigentümer selbst trägt. Mittelfristig wird auch der Gewerbe- und Handelsverein Plieningen auf die langlebigeren LEDs umstellen. Doch die Investitionen sind nicht unerheblich. Zwischen 800 und 1500 Euro kostet etwa die Umrüstung auf LEDs pro Giebel, rechnet Baur vor. Der Gewerbe- und Handelsverein Möhringen hat vor einem Jahr die komplette Weihnachtsbeleuchtung des Stadtbezirks auf LEDs umgestellt. Finanziert wurde die rund 30 000 Euro teure Maßnahme für die neue Festbeleuchtung durch Spenden, Eigenmittel des Vereins und durch einen Zuschuss des Bezirksrathauses. Durch die Umrüstung erhofft sich der Verein 'beträchtliche' Einsparungen an Unterhalt und Energiekosten.

Eine weihnachtlich illuminierte Straße fördert das Einkaufen

Wolfgang Gessler, Vorsitzender des GHV Möhringen, würde sich beim Thema Unterhalt der Weihnachtsbeleuchtung allerdings etwas weniger Zurückhaltung von der Landeshauptstadt wünschen. Schließlich stärke eine weihnachtlich illuminierte Einkaufsstraße auch das Einkaufen in den Stadtbezirken, was auch eine Art von Wirtschaftsförderung sei. Das sieht auch Rolf Armbruster, Vorsitzender vom GHV Degerloch, so. Sein Verein hat in den zurückliegenden drei Jahren sukzessiv die bestehenden Glühbirnen an den Giebeln der Häuser in der Epplestraße durch moderne LEDs ausgetauscht. Auch hier investierte der Gewerbe- und Handelsverein 'viel Geld' in die neue Illumination der Haupteinkaufsstraße. Trotz des gelegentlichen Zuschusses durch den Bezirksbeirat tragen auch hier die Mitglieder des GHV den größten Kostenanteil. Schützenhilfe bekommen die Gewerbe- und Handelsvereine bei ihrem Wunsch nach einem größeren finanziellen Engagement seitens der Stadt dabei auch vom baden-württembergischen Handelsverband.

Für dessen Geschäftsführerin Sabine Hagmann gehört die festliche Beleuchtung zu Weihnachten auch in den Stadtteilen dazu. 'Stuttgart fehlt hier einfach der Licht-Blick', kritisiert Sabine Hagmann mit Blick auf die Haltung der Stadt in dieser Frage. Sie weiß natürlich auch, dass viele Kommunen in Anbetracht ihrer klammen Haushaltslage allein das Thema nicht stemmen werden können, und sieht die Weihnachtsbeleuchtung der Kommunen deshalb auch als Gemeinschaftsaufgabe von Handel, Gastronomie, sonstigen Gewerbetreibenden, Immobilienbesitzern und den Städten. 'Wir sitzen alle im selben Boot und profitieren auch gemeinsam von einer schönen Atmosphäre, die die Menschen anspricht', ist sich Hagmann sicher.

Wie wichtig dem Handelsverband Baden-Württemberg das Thema ist, zeigt sich auch daran, dass erstmals beim Stadtmarketingpreis 2013 Zuschüsse zur Weihnachtsbeleuchtung im Wert von 30 000 Euro winken. Bewerben können sich alle Kommunen des Landes, heißt es in der aktuellen Ausschreibung (www.stadtmarketingpreis-bw.de). Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel der Stadt Herrenberg. Hier versteht die Kommune die Giebelbeleuchtung als Teil ihrer Wirtschaftsförderung und finanziert den Unterhalt aus dem städtischen Säckel, erläutert Wirtschaftsförderer Peter Wilke.

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