Weinstadt-Beutelsbach Der Waffenschmied von Beutelsbach

Bernd Klopfer, 09.01.2016 00:00 Uhr
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Hammerschlaglack sei Dank: Auch Bernhard Dippons hölzerne Spieße und Hellebarden wirken so, als ob sie aus Eisen wären. Foto: Büttner / ZVW
Hammerschlaglack sei Dank: Auch Bernhard Dippons hölzerne Spieße und Hellebarden wirken so, als ob sie aus Eisen wären.Foto: Büttner / ZVW

Weinstadt-Beutelsbach. Schmieden ist seit rund 40 Jahren Bernhard Dippons Leidenschaft. Im evangelischen Gemeindehaus von Beutelsbach hängt sein Meisterstück, ein Bibelvers. Fürs Museum im Württemberg-Haus hat er Waffen beigesteuert, ebenso fürs Theaterstück zum Aufstand des Armen Konrads – Letztere allerdings sicherheitshalber aus Holz.

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ So steht es auf Bernhard Dippons Meisterstück, das er 1980 im Rahmen seiner Meisterprüfung als Metallbauer geschmiedet hat. Es ist ein Vers aus dem Johannesevangelium, der für den 69-Jährigen bis heute eine wichtige Rolle spielt. „Das ist mein Leben lang mein Leitfaden gewesen: das weitergeben, was Gott mir geschenkt hat.“ Seit vielen Jahren hängt das Werk im evangelischen Gemeindehaus Beutelsbach, gleich im Eingangsbereich auf der linken Seite. Die einzelnen Buchstaben des Textes aus dem Johannesevangelium wirken dreidimensional, daneben ist ein Kreuz zu sehen, um das sich Weinreben schlängeln. „Das war sehr modern, das haben sie mir alle bestätigt bei der Meisterprüfung“, sagt Bernhard Dippon nicht ohne Stolz. Dafür gab es damals von der Prüfungskommission auch eine Eins. Und es blieb nicht das letzte Werk. „Mir hat Schmieden immer Spaß gemacht.“

Davon hat auch das Württemberg-Haus profitiert. Im Museum im alten Rathaus von Beutelsbach sind unter anderem ein Langspieß und ein Messer aus Bernhard Dippons Hobbyschmiede zu sehen. Darüber hinaus ist der 69-Jährige auch im Bearbeiten von Holz recht geschickt. Für das Theaterstück, das unter der Regie des Beutelsbacher Pfarrers Rainer Köpf 2014 zum 500. Jahrestag des Bauernaufstands aufgeführt wurde, steuerte Bernhard Dippon Hellebarden, Saufedern und Spieße bei. Sie waren zwar alle komplett aus Holz, doch der Beutelsbacher hatte die Spitzen mit Hammerschlaglack bearbeitet, der beim Trocknen eine netzartig strukturierte Oberfläche erzeugt. Dadurch entsteht von weitem der Eindruck, als ob die Waffe aus Eisen geschmiedet wurde. „Pro Waffe habe ich so drei Stunden gebraucht.“ Hätte Bernhard Dippon alles aus Eisen hergestellt, wäre allein für einen einzigen Spieß ein halber bis ganzer Tag angefallen. Denn wenn er etwas tut, dann will es der Beutelsbacher auch ordentlich machen – und das braucht Zeit. Für einen wie ihn bräuchte das Jahr ohnehin mehr als 365 Tage. Sein Meisterstück, das im evangelischen Gemeindehaus hängt, will er demnächst restaurieren. Es ist zu oft von Menschen mit den Händen berührt worden – und weil Bernhard Dippon es nie imprägniert hat, wirkt das Eisen mittlerweile abgenutzt.

Es soll ein Hobby bleiben

Wer jetzt denkt, dass er Bernhard Dippon einen Auftrag zum Schmieden geben kann, den muss der 69-Jährige enttäuschen. Auf Bestellung arbeitet er nicht. „Da müsste ich ja ein Gewerbe anmelden und bräuchte einen Gewerbeschein – das will ich nicht.“ Wenn er etwas schmiedet, dann aus eigenem Antrieb – wie zum Beispiel das Kreuz fürs Grab der Eltern. Ab und an mal ein Schauschmieden für die Öffentlichkeit, vielleicht ein kleiner Gefallen im Freundeskreis, dabei soll’s bleiben. „Hobby ist genug. Für mehr reichen die 365 Tage eines Jahrs nicht aus.“

Immer im Einsatz

Bernhard Dippon sitzt nicht nur seit vielen Jahren für die CDU im Weinstädter Gemeinderat, sondern engagiert sich auch sonst seit Jahrzehnten im öffentlichen Leben.

So engagierte er sich beim Roten Kreuz, unter anderem als stellvertretender Leiter der Bereitschaft. In der Kinderkirche war er genauso aktiv wie beim Christlichen Verein Junger Menschen, kurz CVJM. „Mit Jugendlichen habe ich immer gern geschafft“, sagt der langjährige Berufsschullehrer.

Seit er im Ruhestand ist, setzt sich der Beutelsbacher auch für die Belange der Senioren ein – und zwar im Vorstand des Stadtseniorenrats.

Weinbergführungen macht der schaffige 69-Jährige nebenher auch noch, schließlich kennt er sich als Wengerter damit aus. Und auch bei Weinproben können die Leute Bernhard Dippon erleben.

2012 gestaltete er die Erntekrone für die evangelische Kirchengemeinde Beutelsbach neu, die immer zu Zeiten des Erntedankfests Verwendung findet. Sie besteht aus 5000 Ähren. Um sie vor der Kornmotte zu schützen, schwört Bernhard Dippon auf Lavendel. Seit er die Erntekrone damit lagert, lässt sie der Schädling in Ruhe. Mit chemischen Mitteln war Bernhard Dippon zuvor gescheitert. „Man lernt nie aus.“

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