Weinstadt Schinkenwurst-König Willi Schäfer wird 85

Bernd Klopfer, 18.03.2016 00:00 Uhr
Seniorchef Willi Schäfer schaut bis heute täglich im Betrieb vorbei. Foto: Habermann / ZVW
Seniorchef Willi Schäfer schaut bis heute täglich im Betrieb vorbei.Foto: Habermann / ZVW

Weinstadt. Er hat in Deutschland in seiner Zunft den ersten Japaner ausgebildet, in Amerika als Metzger gearbeitet – und seine Schinkenwurst ist preisgekrönt: Mit Fleiß und Mut hat Willi Schäfer aus einer kleinen Beutelsbacher Metzgerei eine florierende Firma geformt. Heute wird er 85 Jahre alt. „Ich bin mit meinem Leben voll zufrieden.“

Noch vor knapp zwei Jahren ging es Willi Schäfer gesundheitlich sehr schlecht. Er wusste nicht, ob er die Sache überlebt. Seine Frau war in dieser schweren Zeit immer bei ihm im Krankenhaus. 14 Kilo nahm Willi Schäfer ab, er musste das Laufen wieder mühsam lernen und braucht zum Gehen noch heute einen Stock – aber seinen Lebensmut hat der Beutelsbacher nicht verloren. Er schaut täglich in der Firma vorbei, spricht mit seinen beiden Söhnen übers Geschäft und Branchentrends – und freut sich, wenn ihn ehemalige Mitarbeiter auf der Straße grüßen. Wenn er sich mit alten Klassenkameraden trifft, dann hat er nie Lust, über Krankheiten zu reden. „Ich möchte immer was Gutes hören.“ Für all das, was er im Leben erreicht hat, ist Schäfer im Rückblick sehr dankbar. Er hat aus der Metzgerei seiner Eltern ein Unternehmen gemacht, das heute 170 Menschen beschäftigt und an elf Standorten mit Filialen präsent ist. Allein, sagt Willi Schäfer, hätte er das nie geschafft. „Meine Frau hat unheimlich viel mitgetragen. Ich wünsche jedem, der weiterkommen will, so eine Partie zu haben.“

„Da habe ich nie einen Unterschied gekannt“

Heute wird Willi Schäfer 85 Jahre alt. Groß feiern will er mit seiner Familie am Samstag. Er ist stolz darauf, dass seine Söhne Uwe und Wolfgang Schäfer den Betrieb weiterführen – und dass sich auch schon zwei der vier Enkel offenkundig für die Fleischbranche interessieren. Ein Enkel (24) macht gerade nach seinem BWL-Food-Management-Studium seinen Metzgermeister. Auf mehr als 135 Jahre Familientradition kann Willi Schäfer mittlerweile zurückblicken. Wenn der 85-Jährige an früher denkt, fallen ihm unweigerlich die Werte ein, die ihm sein Vater vorlebte – und die er tief verinnerlicht hat. Nämlich die Bauern gut zu behandeln und sie nicht zu lang auf ihren Lohn warten zu lassen. Kaufte der Vater ein Vieh, so war’s ihm wichtig, innerhalb von acht Tagen zu bezahlen. Ein weiterer Grundsatz war, alle Kunden gleichzubehandeln. Doktortitel hin oder her. „Da habe ich nie einen Unterschied gekannt.“

Als Willi Schäfer die siebte Klasse der Volksschule absolviert hatte, durfte er die achte Klasse nicht mehr besuchen. „Im Krieg haben sie das eingestellt“, sagt der 85-Jährige. Nach Ende der Nazi-Herrschaft machte er eine Metzgerlehre in Öhringen, für einen Wochenlohn von drei Mark. Damals, erzählt Schäfer, sei Fußballtrainer Sepp Herberger für rund vier Wochen sein Zimmernachbar gewesen – jener Herberger, unter dem die Nationalelf 1954 Weltmeister wurde. „Der hat immer gesagt: Für einen Torwart hätte ich die richtige Größe.“

Nach der Lehre arbeitete Willi Schäfer in verschiedenen Betrieben, mal in Stuttgart, mal in Pforzheim. Seinen Meister machte er in Düsseldorf, besuchte dort nebenbei noch die kaufmännische Schule. 1957 lernte er seine Frau Johanna kennen, die ebenfalls aus einer Metzgersfamilie stammt, und heiratete sie zwei Jahre später. „Ich brauchte eine Frau, die vom Fach ist.“

Nachdem Willi Schäfer 1960 die Metzgerei übernahm, ruhte er sich nicht aus. Er arbeitete in den USA einige Zeit bei einem deutschstämmigen Metzger, der ihn prompt zu seinem Nachfolger auserkor – was Schäfer dankend ablehnte. Seine Weltoffenheit gab er allerdings nie auf. Einmal engagierte er bei einem Besuch in Paraguay einen neuen Mitarbeiter für seine Firma, Anfang der 80er war er der erste Metzger in Deutschland, der einen Japaner ausbildete. „Das japanische Fernsehen hat uns da gefilmt“, erzählt er stolz. Jahre später schaute ein koreanisches Filmteam vorbei. Willi Schäfer ist überzeugt: Wer Qualität erzeugt, der sollte auch darüber reden. Und wer gute Produkte will, der muss mit seinen Mitarbeitern menschlich umgehen – und natürlich innovativ bleiben. Darum, sagt Willi Schäfer, müsse ein Metzger zum Beispiel auch an die Vegetarier denken – weshalb die Metzgerei Schäfer auch hier Produkte anbietet. „Da bin ich ganz scharf drauf, dass das gut hergestellt wird.“

Doppelte Kosten

Als Willi Schäfer seine Metzgerei in den 70ern in das neue Gewerbegebiet am Beutelsbacher Ortsrand auslagerte, sicherte er damit langfristig die Zukunft seines Betriebs – kurzfristig war es allerdings eine finanzielle Last. „Der Boden war so schlecht, wir mussten alles pfählen.“ Auch sonst verzögerte sich einiges bei der Erschließung. „Das hat das Doppelte gekostet, wie ich gewollt habe.“

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