Welzheim Ein eingefleischter VfB-Fan

ZVW, 10.01.2017 00:00 Uhr
VfB-Fan Marcel Schimitze aus Welzheim mit einem Spielertrikot seiner Mannschaft. Foto: Stütz / ZVW
VfB-Fan Marcel Schimitze aus Welzheim mit einem Spielertrikot seiner Mannschaft.Foto: Stütz / ZVW

Welzheim. Seit rund 15 Jahren ist er ein eingefleischter VfB-Fan. Marcel Schimitze (21 Jahre alt) hat aufgrund des Abstiegs seiner Mannschaft und wegen des Ringens um den Wiederaufstieg eine Leidenszeit hinter sich. Gleichwohl. Er hält seinem Fußballverein die Treue. „Ich bin kein Fan, der nur bei Erfolg zu seinem Verein steht.“

Im Video: VfB Fan aus Leidenschaft Marcel Schimitze aus Welzheim. 

Seit 2007 wohnt Marcel Schimitze in Welzheim. Geboren in Schorndorf, ist er in Rudersberg-Schlechtbach aufgewachsen, wo er noch heute in der aktiven Mannschaft der Fußballer spielt. Vor rund 15 Jahren hatte Marcel zum Geburtstag eine Stadionkarte für ein Heimspiel des VfB geschenkt bekommen. Mit seinem Onkel ist er zum Spiel, damals noch in der Ersten Bundesliga, gefahren, seitdem ist es um ihn geschehen.

Feuer und Flamme für das Fußballspiel des VfB

Schon beim ersten Zuschauen war der Junge Feuer und Flamme für das Fußballspiel des VfB. Seitdem hat er fast kein Spiel versäumt. In drei Wochen fährt er nach Hamburg zum Saisonauftakt nach der Winterpause am Samstag, 28. Januar, gegen St. Pauli. Wenn der Dritte der Zweiten Bundesliga gegen den Letzten spielt, sollte der Erfolg eigentlich nicht ausbleiben. „Das sind aber manchmal die schwierigsten Spiele“, sagt Marcel Schimitze, von Beruf Verkäufer, aus leidvoller Erfahrung.

Inzwischen ist der treue VfB-Fan Mitglied einer etwa 20 Personen starken Whats-App-Fangruppe. Gemeinsam wird zu den Spielen gefahren, gemeinsam Freud und Leid geteilt. Seit dem Jahr 2007 ist der 21-Jährige Mitglied des VfB und kauft sich jedes Jahr eine Dauerkarte. „Ich habe schon vieles erlebt, manchmal sind die Spiele auch langweilig, und manchmal vergeht die Zeit wie im Flug.“

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Der Abstieg, räumt der Welzheimer Fan offenmutig ein, „war nicht so toll“. Er glaubt auch zu 90 Prozent daran, dass die Stuttgarter Kicker den Aufstieg in dieser Saison wieder schaffen. Vor zwei Jahren ist Marcel Schimitze mit seinen Schlechtbacher Kickern selbst abgestiegen, in die Kreisliga B, ein Jahr später folgte der VfB. In dem Fall gilt für ihn geteiltes Leid ist halbes Leid.

Noch gut in Erinnerung hat der junge Fußballspieler das Spiel des VfB gegen Barcelona im Jahr 2010. Das Team von Trainer Christian Gross erreichte im Achtelfinal-Hinspiel gegen Titelverteidiger und Weltpokalsieger FC Barcelona trotz einer über weite Strecken starken Leistung und einer 1:0-Halbzeitführung nur ein 1:1.

Regelmäßiger Kontakt zu Timo Werner

Im Jahr 2007 gegen Energie Cottbus war Marcel Schimitze ebenfalls dabei. Das Meisterstück gelang mit Startproblemen. Trotz der schwierigen Anfangsphase und dem zwischenzeitlichen Rückstand ließ sich der VfB Stuttgart die Meisterschaft im letzten Saisonspiel nicht mehr nehmen. Gegner Cottbus wollte den Schwaben zwar noch ein Bein stellen, aber mit der Zeit kam der neue Meister mit der defensiven Ausrichtung der Lausitzer immer besser zurecht. VfB-Trainer Armin Veh wich vom zuletzt bewährten 4-3-3-System ab und setzte stattdessen auf vier Mittelfeldspieler sowie im Angriff auf das Duo Cacau und Streller.

Acht Treffer, drei dramatische Wendungen, ein fulminanter Endspurt: Das 4:4-Remis zwischen Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart im März 2012 war das bislang beste Spiel der damaligen Bundesliga-Saison. Da hatten selbst erfahrenste Profis hinterher Probleme, ihre Begeisterung in Worte zu fassen. Die 80 000 Besucher sahen acht Tore und dazu noch einen Latten- und zwei Pfostentreffer in dieser verrückten Begegnung. Als Fan dabei: Marcel Schimitze aus Welzheim.

Mit Timo Werner, der jetzt in Leipzig Erfolge feiert, hat der 21-Jährige noch heute regelmäßig Kontakt. Der Stürmer steht bei RB Leipzig unter Vertrag und spielt für die deutsche U-21-Nationalmannschaft. Timo Werner hatte unlängst mit einem geschundenen Elfmeter eine Debatte über Fairness und Abgebrühtheit ausgelöst.

„Der Vorstand ist nicht das Wahre“

Auch dem Welzheimer ist aufgefallen, dass manche VfB-Spieler in anderen Mannschaften aufblühen. Wobei Marcel Schimitze das Problem weder beim Trainer noch in der Mannschaft sieht: „Der Vorstand ist nicht das Wahre.“

Wenn einer an vielen Wochenenden in Sachen Fußball unterwegs ist, leidet manchmal die Beziehung. Seine letzte Freundin ist zwar zu dem einen oder anderen Spiel mitgefahren, irgendwann wurde es ihr aber zu viel mit dem Fußball. So dass Marcel Schimitze derzeit ohne Freundin lebt. Fußball hat für ihn privat eine sehr große Bedeutung, nicht nur weil er VfB-Fan ist. Er liebt das Gemeinschaftserlebnis mit seinen Mannschaftskollegen in Schlechtbach, das weit über den reinen Trainings-und Spielbetrieb hinausgeht.

Kein Erfolgsfan

  • „Gleich in welcher Liga, man bleibt immer ein Fan des VfB“, sagt Marcel Schimitze. Der 21-Jährige fühlt sich als 100-prozentiger Schwabe und als 200-prozentiger VfB-Fan.
  • Er sei kein Erfolgsfan: „Davon gibt es in München genug.“ Und deshalb wird Marcel auch künftig bei jedem Heimspiel in der Cannstatter Fan-Kurve stehen und weiterhin trotz des teils großen Aufwandes die Auswärtsspiele besuchen.
     
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Kommentare (4)
skcerd 1893 • vor 2 Monaten
Auch ich habe gesehen und gehört wie all meine VFB Freunde schlecht über ihren Verein geredet haben und auch viele nicht mehr ins Stadion sind mit der Begründung die "verlieret eh da gang i ned no". Auch habe ich wahr genommen, dass die Ränge oft Leer waren. Das muss sich ändern!Wir drücken die Daumen für den Aufstieg, denn in Stuttgart war es immer ein Heimspiel für uns! Ein Fan vom soviel beneideten Fc Bayern München!
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Saravakos • vor 2 Monaten
Als Ihre Zeitung einen Artikel über einen Bayern München FanClub brachte echauffierte sich ein Leser aus dem Raum Waiblingen über diesen Artikel. Nun bringen Sie einen Artikel über einen einzelnen Stuttgart Anhänger, der sich dann auch noch erdreistet, Münchner als Erfolgsfans zu betiteln. Es ist erstaunlich, dass sie einer einzelnen Person, die Anhänger eines Zweitligisten ist überhaupt Gehör gewähren, aber dann auch noch zu schreiben, dass es in München Erfolgsfans gebe, ist an Ahnungslosigkeit nicht mehr zu überbieten. Die "Schuld" liegt hier sowohl bei Marcel Schimitze, als auch beim Redakteur, der ja letztlich nicht jeden Gedanken zu veröffentlichen braucht.
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Lars • vor 2 Monaten
Solange es das einzige ist worüber sich die Leute Gedanken machen...
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Joe • vor 2 Monaten
Das Argument des "Schön-Wetter-Fans" hört man sehr häufig. Leider vergessen die sog. Fans, dass auch der Verein bzw. die Spieler eine Bringschuld haben. Und ein Verein, der seit Jahren nur noch ganz selten ein Heimspiel gewinnt, der aktuell in der 2. Liga wie seit Jahren die meisten Gegentore aller Vereine kassiert - ganz zu schweigen vom Präsidium....trotzdem toll, dass es auch Misserfolgfans gibt.
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