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WelzheimFesttagspost und Grüße aus aller Welt

Nadine Zühr, vom 22.12.2012 00:00 Uhr
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Frau Bubeck sammelt Weihnachtskarten. Foto: ZVW
Frau Bubeck sammelt Weihnachtskarten.Foto: ZVW

Welzheim. Nostalgische Weihnachtsgrüße aus England und Amerika, Neujahrs- und Geburtstagswünsche, Ansichtskarten aus aller Welt: Paula Bilfinger muss eine fleißige Schreiberin gewesen sein und einen großen Bekanntenkreis gehabt haben. Familie Bubeck besitzt ein mehr als 100 Jahre altes Kartenalbum der Welzheimer Kaufmannstochter. Darin zu blättern gleicht einer Zeitreise.

Fräulein Paula Bilfinger, Welzheim in Württemberg: Mehr steht nicht auf dem Adressfeld. Doch auch ohne Postleitzahl, Straße und Hausnummer haben die Postkarten ihr Ziel erreicht. Davon zeugt ein dickes braunes Steckalbum aus dem Besitz der Familie Bubeck. „Grüße aus der Ferne“, steht in Goldprägedruck auf dem schweren Lederdeckel zu lesen, der mit Schneeglöckchen aufwendig verziert ist. Es waren wohl gut gestellte Eltern, die der Tochter ein Schmuckstück zu Weihnachten geschenkt hatten: Heinrich August Bilfinger und seine Frau führten ein Kolonialwarengeschäft in Welzheim, das seit 1848 im Familienbesitz war, erzählt Ingrid Bubeck. Das stattliche Geschäftshaus an der Wilhelmstraße bot Glas, Porzellan, Aussteuerbedarf, Tabak, Weiß- und Wollwaren an.

Der Duft frisch gerösteter Bohnen beflügelte den Umsatz

Der Inhaber hatte eine besondere Rarität auf dem Ladentisch: einen kleinen Kaffeebohnenröster. Darin wurden vor den Augen der Kunden grüne Kaffeebohnen in verschiedenen Sorten geröstet. Klar, dass die Zuschauer, wenn ihnen der Duft frischen Kaffees in die Nase stieg, eine Tüte mitnehmen wollten. Auch damals schon wussten die Kaufleute, wie man den Absatz fördert.

Im Geschäftshaushalt wuchs Paula Bilfinger als eines von sieben Kindern auf. Zwischen 1901 und 1908 sammelte sie an sie adressierte Postkarten, aber auch andere. Sie füllen das noble Album. Da gibt es eine nostalgische Weihnachtskarte mit einem rotgekleideten Engel mit blonden Locken und weißen Flügelchen für „meine liebe Paula“, ein verschneites angelsächsisches Fachwerkhaus aus Surrey an „my dearest Paula“. Mit der Briefmarke George Washingtons wünscht Frank im Dezember 1907 eine fröhliche Weihnachtszeit.

Soldatenpost: „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“

Zu Ostern grüßen auf Karten Mädchen in weißen Kleidern, die den Hasen suchen, zum Geburtstag bringen adrette Kinder Blumensträuße.

Eine Karte mit einer Szene von einem orientalischen Basar wurde vom „Deutschen Hülfsbund für christliches Liebeswerk im Orient“ gedruckt und erreichte Paula Bilfinger 1906 in der Schwäbischen Arbeitsschule in Stuttgart.

Einige Karten bezeugen den militärischen Zeitgeist. „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“, steht auf einer Karte von 1917 mit einem Soldaten, der auf einem Felsen über einen Fluss, wohl den Rhein, schaut. Eine andere Karte mit einem Gedicht und einer Zeichnung geht auf die Vorlage eines Soldaten im Ersten Weltkrieg zurück. Er beschreibt, wie er um Mitternacht auf Wacht an seine Liebste denkt, als er ein Geräusch hört. „Da plötzlich schreckt mich aus dem Traum ein stark Geräusch vor meinem Baum. Aha, der Franzmann schleicht heran, so nahm ich mit Bestimmtheit an. Auch glaubte ich ganz sicherlich zu sehn des Feindes Angesicht.“ Die Begegnung geht schließlich ohne Kampf aus, ein Tier war’s. Eine andere Ansichtskarte zeigt mit „Gruß aus Berlin“ den Kaiser, der hoch zu Ross von einer Militärparade kommt.

Auch vor 100 Jahren ist man gern verreist. Ansichtskarten zeigen die Promenade von Ashbury Park in New Jersey. Frauen in weißen Kleidern flanieren unter Sonnenschirmen, die Herren tragen Hüte. Karten finden sich auch vom Heidelberger Schloss im Mondschein, von Helgoland, aus Paris oder New York.

Doch nicht nur die Ferne ist dokumentiert. Karten bilden Stuttgart ab, wie man es heute kaum noch kennt. Da ist der Schlossplatz mit dem alten Schloss und vielen Bäumen zu sehen oder das brennende königliche Hoftheater.

Und sogar der Ebnisee und der Luftkurort Alfdorf sind vertreten. Nicht zu vergessen natürlich die „Grüße vom Welzheimer Wald“ mit Blick auf die Klingenmühle und Gedicht von Justinus Kerner. Auch die St.-Gallus-Kirche ist auf einer Karte verewigt.

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