">

Welzheim Ski & Snowboard: High Tech für die perfekte Abfahrt

,

Welzheim. Wer gerne skifährt oder mit dem Snowboard über den Schnee brettert, weiß, der Spaßfaktor ist besonders hoch, wenn das Material mitspielt. Regelmäßig sollte das Gerät gepflegt und geschliffen werden, damit die Abfahrt im nächsten Urlaub genauso viel Spaß macht, weiß Klaus Höfer. Er hat investiert und eine automatische Service-Station für Skier und Snowboards in seiner Werkstatt aufbauen lassen. Die frisst ramponierte Skier, schleift Lauffläche und Kanten und spuckt sie wieder aus. Wasser spritzt. Funken fliegen.

Video: Anette Höfer  erklärt, wie die neue vollautomatische Skischleifmaschine "Wintersteiger Mercury" funktioniert.

Anette Höfer legt die beiden mitgenommenen Skier, die Kanten haben Macken und der Belag hat einige kleine Risse, auf die Rollen im rechten Bereich der rund acht Meter langen Maschine und tippt Befehle auf dem Touchscreen-Monitor ein. Die Luke schließt sich. Dann fahren die Skier nacheinander vollautomatisch in den mittleren Bereich der Maschine ein. Es wird laut. Wasser spritzt, Funken fliegen. Die Skier fahren nach links, wieder zurück und erneut werden Belag, Unter- und danach die Seitenkanten geschliffen. Die beiden Keramik-Topfscheiben erinnern ein bisschen an ein Spülbecken beim Zahnarzt mit Wasserhahn. Das Wasser ist nötig, damit der Skier nicht an manchen Stellen verbrennen, denn in Sekundenschnelle werden die Kanten geschliffen, Funken tanzen durch den Innenraum. Je nach Bedarf wiederholt sich die Prozedur. Nach einigen Augenblicken fahren die Skier nach rechts. Die Luke öffnet sich. Die Maschine steht wieder still. Nun legt Anette Höfer noch Hand an. Sie setzt sich Ohrenschützer auf und trocknet die Skier mit einer Druckluftpistole. Es zischt und die Tropfen auf den Skiern verschwinden. Dann schleift sie manuell noch die Kanten an den Enden der Skier. Danach wird das Sportgerät gewachst und poliert. Nach einigen Minuten glänzen die Skier und Vater Klaus Höfer und Tochter Anette grinsen stolz. Ihre Maschine namens „Mercury“ von der Firma Wintersteiger macht ihnen viel Freude.

Per Hand war die Arbeit mühselig

„Am Ende sollen die Kunden einen neuen Ski haben“, sagt Klaus Höfer. Er erinnert sich an frühere Jahre. Da wurde alles noch per Hand gemacht. Mühselig war die Arbeit, berichtet er. Die erste größere Maschine nahm ihm und seiner Tochter Anette, Zimmerin, Arbeitsschritte ab. Nach 14 Jahren kam nun Ersatz in die Werkstatt, vollautomatischer Ersatz. Acht Meter misst die neue Maschine. Sie wiegt 2,4 Tonnen.

Am Anfang gegen die Neuanschaffung gewehrt

Am Anfang habe sich die Zimmerin gegen die Neuanschaffung gewehrt, sagt Anette Höfer. Das passt doch nicht zum Arbeitsethos einer echten Handwerkerin, die mit ihren Händen tätig ist und Materialen bearbeitet. Doch nun räumt sie ein, dass die Maschine exaktere Ergebnisse liefere, als das mit Handarbeit möglich sei. Und „es bleibt genügend Handarbeit übrig“, sagt sie und schleift Ende und Spitze der Skier ab.

2,4 Tonnen sind kein Problem, weil die Werkstatt nicht unterkellert ist

Mehr als 500 Programme könnten sie einstellen, erklären Vater und Tochter. Langlaufskier, Snowboards und Alpinskier können sie bearbeiten, spezielle Gradzahlen bei den Kanten einstellen und je nach Vorliebe verschiedene Strukturen auf die Beläge auftragen, damit kein Wasserfilm den Skispaß beeinträchtigt, erklärt Höfer. Die Unterseiten der Skier laufen über einen speziellen Stein, der feine Strukturen hinterlässt und Macken und Risse ausgleicht.

Wenige Maschinen dieser Art im Kreis

Klaus Höfer war zwei Tage auf einem Seminar und erhielt eine Einweisung, was die Maschine kann. Zwei Tage dauerte der Aufbau. Die 2,4 Tonnen sind kein Problem, weil die Werkstatt nicht unterkellert ist. Vier Zimmerleute mussten mitanpacken. Muskelkraft statt Vollautomatik. Dann kam ein Techniker und instruierte Anette Höfer. Sie zeigt das Display, tippt ein, welche Form die Enden und Spitzen der Skier haben. Dann misst die Maschine alles aus. Je nach Drehzahl, Geschwindigkeit und Druck werden die Skier nach Vorgabe bearbeitet. Oberflächlich wird der Skier zuvor mit Händen und Schleifband behandelt, um die Lebensdauer der Maschine zu erhöhen und einer schnellen Abnutzung vorzubeugen. Auf harten Pisten spüre man nach der Behandlung den Unterschied, ist sich Klaus Höfer sicher, der eine hohe Summe investiert hat. Es gebe wenige Maschinen dieser Art im Rems-Murr-Kreis, sagt er stolz, im Schwäbisch-Fränkischen Wald wohl keine andere. „Die Maschine frisst alles!“ Rund 20-mal oder öfter könne man gute Skier schleifen. Er fährt mit der Hand über die Kanten. „A gscheida Schnitt“, sagt er.

Spezialstein

Der Spezialstein, der je nach Vorgabe und Wunsch spezielle Strukturen auf die Laufflächen der Skier aufträgt, siehe Bild rechts, dreht sich und schleift die Skier ab. Die beiden Keramik-Topfscheiben schleifen die Kanten ab. Dabei fliegen Funken. Das Ganze erinnert dann irgendwie an eine Schleif-Waschmaschine für Skier.

  • Bewertung
    1
 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!