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Welzheim Unterwegs mit dem Winterdienst

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Welzheim. In der Straße Oberer Wasen wird es eng für Michael Heinrich. Versetzt haben zwei Autos geparkt. Die Lücke ist schmal und befindet sich in einer Kurve. Heinrich windet sich auf dem Fahrersitz, lenkt, gibt Gas, hält an, lenkt und guckt in die Seitenspiegel. Denn am Lkw des Bauhofmitarbeiters ist ein mehr als eine Tonne schwerer Schneepflug montiert. Der ist drei Meter breit, also nicht viel schmaler als die Lücke. Nicht die einzige Herausforderung für die Mitarbeiter des Winterdienstes.

Video: Unterwegs mit Michael Heinrich vom Bauhof Welzheim um die Straßen freizuhalten.

Wenn Michael Heinrich und seine Kollegen den Schlüssel im Lkw umdrehen und ihre Räum- und Streutour beginnen, drehen sich die meisten Bürger noch einmal in ihrem Bett auf die andere Seite, schlafen weiter. Nicht zum ersten Mal am Mittwochmorgen verlässt Heinrich den Bauhof, um die Straßen zu räumen. Er ist unterwegs zum Aichstrutsee. Da die wichtigen Straßen der Kategorien A und B bereits geräumt sind, bleibt nun Zeit, sich um die C-Straßen zu kümmern. Heinrich fährt also Richtung Stausee. Da die Murrhardter Straße eine Landstraße ist, dafür ist die Stadt nicht zuständig, schwebt der Pflug über der Straße, und das Salz bleibt im Tank. Doch dann bremst Heinrich in Seiboldsweiler ab, fährt einen Schlenker und tippt kurz auf die Anzeige der Streugerätsteuerung, die in der Fahrerkabine angebracht ist. Ein paar Gramm Salz verlassen den Teller am Ende des Lkws, fliegen auf den Einfuhrbereich zur seitlichen Bushaltestelle. Dann freuen sich die Kollegen, die das sonst per Hand machen müssten, erläutert Heinrich. Er blinkt und fährt Richtung Stausee. Heute bereits zum zweiten Mal. Es schneit kräftig.

Aichstrutsee - Der Parkplatz wird geräumt

Der Pflug senkt sich und kratzt schräg über die Straße, damit der Schnee am Rand landet. Je schneller Heinrich fährt, desto weiter fliegt der Schnee. Das ist hier kein Problem. Innerorts müssen die Fahrer auf die Bremse drücken, damit die Gehwege nicht blockiert werden. Wo es möglich sei, versuche er schon, Einfahrten nicht mit ein paar Kilo Schnee zu füllen. Oft fährt er einen kleinen Schlenker. Aber nur, wenn das machbar ist. Wenn er ständig den Pflug nach links und rechts schwenken müsste, um Einfahrten zu schonen, würde das zeitlich nicht klappen. Denn beim Räumen geht es vor allem um Schnelligkeit. Dass Anlieger motzen, ist häufig. Dass sie den Lkw verfolgen, eher selten. Motzen führt allerdings nicht zum Erfolg. Überhaupt nicht.

Heinrich räumt die Wege beim Stausee-Parkplatz. Wo er die Schneeschicht weggekratzt hat, verteilt der Teller die Mischung aus Trocken- und Flüssigsalz auf dem Weg. Würde das Salz auf eine Schneedecke fallen, wäre die Wirkung des Salzes gering. „Ich muss gucken, dass ich mit dem Pflug das Gröbste wegbringe.“ Fahren genügend Autos über die bestreuten Straßen, verteilt sich die Salzlösung am besten. Das flüssige Salz haftet auf der Straße. Die Körner verteilen sich besser. Auf schmalen Wegen fliegen sie auf einer Fläche von zwei Metern. Auf anderen Wegen decken sie rund fünf Meter ab. Die Drehzahl des Tellers steuert die Streubreite. Heinrich weiß, wo es glatt sein könnte. Auf der Nordseite, wo im Winter keine Sonne scheint, ist es besonders glatt.

Der Parkplatz ist geräumt. Weiter geht’s Richtung Laufenmühle. Er biegt auf das Gelände ein. Der Weg, der an den Attraktionen vorbeiführt, ist ein öffentlicher Weg. Also fliegt Salz. Heinrich fährt in den Wald. Dort steht ein Wohnhaus, das über einen öffentlichen Weg erreichbar ist. Also muss geräumt werden. Heinrich fährt ein paar Hundert Meter in den Wald, bis er drehen kann. Er bremst nicht einfach mitten auf der Fahrbahn ab, sondern schiebt den Schnee an den Rand, damit Radfahrer und im Notfall der Rettungsdienst passieren können. Er fährt zurück. Dann biegt er irgendwann rechts Richtung Schmalenberg. Der Motor heult auf, es geht bergauf.

Ebnisee - Die Zufahrt zum Haus räumen

Heinrich hat den Parkplatz in Ebni auf dem Radar. Dort packt er den Joystick, mit dem er den Pflug bedienen kann. Der Schnee fliegt an die Ränder, und der Wagen spuckt Salz aus. Bei Glatteis fliegt mehr Salz aus den Tanks. Das dosiert Heinrich in der Fahrerkabine. Wieder muss der Weg zu einem Haus geräumt werden. Wer wo was räumen muss, das regelt, willkommen in Deutschland, die Streupflichtsatzung der Stadt Welzheim. „Den Straßenanliegern obliegt es, innerhalb der geschlossenen Ortslage einschließlich der Ortsdurchfahrten die Gehwege zu reinigen, bei Schneeanhäufung zu räumen sowie bei Schnee- und Eisglätte zu bestreuen“, heißt es dort. „Zum Bestreuen ist abstumpfendes Material wie Sand, Splitt oder Asche zu verwenden.“

Die Mitarbeiter des Bauhofs führen ein Räum- und Streubuch. Da wird protokolliert, wann sie wo geräumt haben. Auch Temperaturen et cetera werden festgehalten. Die Parkplatzwege sind geräumt. Michael Heinrich fährt zurück nach Welzheim. Er will zeigen, welche Herausforderung er und seine Kollegen dort vorfinden.

Oberer Wasen - Fahrkünste reichen nicht immer

Die Straße Oberer Wasen gehört zu den anspruchsvollsten Gebieten. Wieder senkt sich der Pflug, und der Schnee wird in Fahrtrichtung nach rechts geschoben. In England, Stichwort Linksverkehr, würde es anders laufen. Das Problem in dieser Straße sind abgestellte Autos in den versetzt angeordneten Parkmöglichkeiten, die sich unter anderen auch mal in einer schönen Kurve befinden. „Links und rechts ein Auto und eine Kurve: Das ist das Schlimmste!“

Heinrich lenkt. Er dreht sich zum Beifahrersitz um, zeigt mit Zeigefinger und Daumen, wie eng die Lücke an seiner Seite ist. Er passiert das Hindernis. Das klappt nicht immer. Mitunter müsse man, wenn die Autos blöd oder im Parkverbot stehen, auch mal ein paar Hundert Meter zurückfahren, weil der Weg versperrt ist. Wenn es nachts windig und glatt ist und es schneit, ist das ein besonderes Vergnügen, sich rückwärts durch parkende Autos zu manövrieren.

Der Pflug kratzt danach wieder über den Boden. Eine Verschleißschiene sorgt dafür, dass nicht das ganze Gerät abnutzt. Jeden Abend wird das Fahrzeug gesäubert. Sonst hebt das keine 14 Jahre, sagt Michael Heinrich. Die Kämmerin wird es den Bauhofleuten danken. Dann legt Heinrich den Rückwärtsgang ein. Langsam rollt der Wagen eine enge Straße hinauf. Auf dem Rückweg wird dann der Schnee geräumt. Leichter Pulverschnee fliegt ordentlich an die Ränder. Pappt der Schnee nach einem zweiten Räumvorgang, ist mitunter gefroren, ist es schwieriger, das Räumen zu kontrollieren. Dann fliegt auch mal mehr Schnee auf Gehwege und Einfahrten. Das passiere halt.

Der Vorteil in den meisten Wohngebieten ist, dass die Straßen eben sind. Auf anderen Strecken lohnt es sich erst, den Pflug einzusetzen, wenn mehr als fünf Zentimeter Schnee liegen. Denn sonst bringe der Pflug bei den vielen Bodenwellen gar nichts. Der Wagen verändere das Fahrverhalten schon, liegt der Pflug auf der Straße auf, denn dann verlagert sich das Gewicht nach vorne. Dafür entwickle man dann schnell ein Gefühl, erläutert Michael Heinrich, einer von drei Fahrern beim Bauhof.

Im Winter sind meistens zwei Männer pro Tag im Einsatz. Zwischen 22 und 4 Uhr wird mitunter pausiert. Dann sind wenige Autos und Lastwagen unterwegs.

Zurück zum Bauhof - Wilhelmstraße ist Kategorie A

Nun fährt Michael Heinrich wieder zurück zum Bauhof. Das Gelblicht kündigt den Autofahrern an, dass sich hier schweres Gerät nähert. Heinrich will abbremsen. Vor ihm parkt ein Fahrzeug, doch ein Fahrer auf der Gegenspur bremst, gibt mit der Lichthupe Signal. Heinrich kann durchfahren, winkt und dankt dem verständigen Fahrer.

Er durchquert die Wilhelmstraße, die gehört zur Kategorie A, wird daher regelmäßig geräumt und bestreut, oder lediglich bestreut. Frühmorgens, wenn der Lieferverkehr anrückt, könne es auch dort eng werden. Wenn Autos völlig falsch stehen und den Räumdienst, und nicht nicht nur den, massiv beeinträchtigen, wird auch mal das Ordnungsamt verständigt. 9 Uhr. Nachrichten im Radio. Beim Wetterbericht dreht Heinrich auf. Die Wetterfrau kündigt „Regen, der gefriert an“, es könnte Glatteis geben. Für den Welzheimer Wald wurde ein Schneesturm angekündigt. Doch wo genau? Das wisse man vorher ja nicht genau.

Im Bauhof angekommen, bespricht er sich mit Bauhofleiter Uwe Behnert. Draußen wirbeln die Schneeflocken durch die Luft. Das könnte ein langer Mittwoch werden. Der Winter zieht sein weißes Kleid an – und Michael Heinrich wieder seine Jacke. Die nächste Tour steht an.

Das schreibt die Streupflichtsatzung vor

Die Stadt Welzheim regelt in ihrer Streupflichtsatzung unter anderem den Umfang des Schneeräumens: „Die Flächen, für die die Straßenanlieger verpflichtet sind, sind auf solche Breite zu räumen, dass Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs gewährleistet und ein Begegnungsverkehr möglich ist; sie sind in der Regel mindestens auf einem Meter Breite zu räumen. Bei Fußwegen besteht die Verpflichtung für die Mitte des Fußwegs. Der geräumte Schnee und das auftauende Eis sind auf dem restlichen Teil der Flächen, für die die Straßenanlieger verpflichtet sind, soweit der Platz dafür nicht ausreicht, am Rande der Fahrbahn anzuhäufen. Nach Eintreten von Tauwetter sind die Straßenrinnen und die Straßeneinläufe so freizumachen, dass das Schmelzwasser abfließen kann.“

Eine durchgehende Benutzbarkeit der Flächen müsse gewährleistet sein. Die zu räumende Fläche dürfe nicht beschädigt werden. Geräumter Schnee oder auftauendes Eis dürfen dem Nachbargrundstück nicht zugeführt werden.

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