Welzheim Viadukt Laufenmühle wird saniert

Rainer Stütz, 08.12.2016 00:00 Uhr
Bis in das kleinste Detail wurde im Februar dieses Jahres das Laufenmühleviadukt untersucht und mit Bauradar durchleuchtet. Foto: Habermann / ZVW
Bis in das kleinste Detail wurde im Februar dieses Jahres das Laufenmühleviadukt untersucht und mit Bauradar durchleuchtet.Foto: Habermann / ZVW

Welzheim. Auch wenn diese Woche im Kreistagsausschuss die Zuschusszusage ins Wanken geraten ist: Der Welzheimer Gemeinderat hat am Dienstagabend bei nur einer Enthaltung die Sanierung des Bahnviadukts Laufenmühle im nächsten Jahr beschlossen. Die Finanzierung des städtischen Anteils ist im Haushalt gesichert. Auch liegen zahlreiche Zuschusszusagen vor.

Archiv-Video: Das Laufenmühle-Viadukt unter der Lupe.

Das Karlsruher Institut für Technologie setzt bei der Sanierung ein Modellprojekt um. Die Forscher haben eine kostengünstige Sanierung der denkmalgeschützten Waldbahn entwickelt, die beispielhaft in Deutschland ist. Das rund 100 Jahre alte Viadukt wird nach intensiver Durchleuchtung mit Betoninjektionsspritzen punktgenau saniert. Professor Dr. Andreas Gerdes vom Karlsruher Institut erläuterte dem Gremium das Verfahren überzeugend. Durch die neue Methode werden Kosten gespart und das äußere Erscheinungsbild bleibt erhalten.

Eine Meisterleistung der Bauingenieure

Der Bau des Laufenmühleviadukts vor 100 Jahren war eine technische Meisterleistung der Bauingenieure. Laut dem Fachmann war und ist die Brücke die ganze Zeit über standfest und könnte auch noch einen schwereren Zug als die Waldbahn tragen. „Die Berechnungen funktionieren nicht, wenn man bei alten Brücken mit neuen Methoden rangeht.“ Das Viadukt ist ein herausragendes Beispiel für die damalige Baukunst. Erstmals wurde in Süddeutschland bei einer Bogenbrücke die Beton-stahlbauweise angewandt. Die Radarmessungen in der Tiefe ergaben, dass nur Teile der Brücke ein poriges Gefüge haben. Nach der Sanierung seien in den nächsten Jahrzehnten bei dem Viadukt keine größeren Probleme mehr zu erwarten. Das Modellprojekt für die Sanierung werde unter ständiger Qualitätskontrolle durchgeführt.

Niko Kappel: Rudersberg und Schorndorf sollen mitfinanzieren

Die Aussagen des Fachmanns waren für SPD-Stadtrat Walter Linde eine Beruhigungspille. Er hat nach eineinhalb Jahren der Vorbereitung nun den Eindruck, dass die Sanierung der Bahnbrücke auf einem guten Weg ist. Gerhard Vogel (SPD) hegt jetzt sogar die Hoffnung, dass nach den Bahnfans und Tourismusgästen nun auch bald Baufachleute anreisen. CDU-Stadtrat Niko Kappel sprach von einem „großen Lichtblick“. Die Waldbahn sei eine tolle Geschichte, der nun vorgelegte Kostenanteil der Stadt für die Sanierung des Viadukts vertretbar. „Das Geld ist gut angelegt.“ Allerdings wünscht sich der CDU-Stadtrat, dass die Nachbarkommunen Rudersberg und Schorndorf bei der Finanzierung mit ins Boot beziehungsweise in den Zug geholt werden.

Claudia Kuhn: Genaue Kostenüberwachung ist wichtig

Der Fraktionsvorsitzenden des Welzheimer Bürgerforums, Claudia Kuhn, ist der städtische Anteil von mehr als einer Million Euro eigentlich zu hoch. „Das müssen wir uns genau überlegen.“ Der Fachvortrag sei sehr interessant gewesen und mache Mut, neue Wege zu gehen. Die Fraktion habe sehr mit ihrer Entscheidung gerungen, letztendlich habe sich aber die Mehrheit für die Sanierung ausgesprochen. Wichtig ist Claudia Kuhn eine genaue Kostenüberwachung.

Ähnlich wie ihr Vorredner will Claudia Kuhn die Nachbarkommunen in das Sanierungsprojekt einbeziehen: „Es geht nicht, dass andere Kommunen sich raushalten. Schorndorf und Rudersberg werben groß mit der Waldbahn, dann sollen sie sich auch an den Kosten für die Sanierung beteiligen.“

Sanierung mit und ohne Bahn notwendig

Dass eine Sanierung des Viadukts mit und ohne Bahn notwendig ist, machte Professor Dr. Andreas Gerdes am Ende der Debatte auf eine entsprechende Frage der Stadträtin Angelika Böttcher (Bürgerforum) deutlich. „Wenn Sie die Brücke nicht sanieren und einfach stehen lassen, kann es sein, dass in fünf oder zehn Jahren irgendwelche Brocken runterfallen.“ Denn der Zerfall einer Brücke, habe er erst einmal begonnen, steigere sich mit den Jahren dramatisch.

Der Beschluss

Der Gemeinderat nimmt Kenntnis von der geplanten technischen Umsetzung der Sanierung, der Kostenberechnung mit 2,2 Millionen Euro sowie der voraussichtlichen Bezuschussung durch Dritte in Höhe von mindestens 1,162 Millionen Euro.

Die Stadt Welzheim übernimmt den verbleibenden Restbetrag von höchstens 1,038 Millionen Euro. Die Mittel sind in den Vorjahren bereits finanziert und werden als Haushaltsrest in das Jahr 2017 übertragen.

Sobald die rechtsverbindlichen Finanzierungszusagen in der erwarteten Höhe vorliegen, wird die Schwäbische-Waldbahn-GmbH als Infrastrukturbetreiber beauftragt, die Maßnahme auszuschreiben und Anfang 2017 umzusetzen.

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Kommentare (1)
Haltsmaulwurf • vor 1 Monat
Gut, das ist der erste Schritt zur dauerhaften Verlängerung des "Wiesels" bis Welzheim.
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