Winnenden Afrika-Fest der Albertville-Schule

Regina Munder, 23.01.2016 00:00 Uhr

Winnenden. Für einen stimmgewaltigen Auftakt fürs Afrika-Fest sorgen Lucy und Comfort mit der Schulband und einer Popballade. Mit ihrer schwarzen Haut und den langen, zu Zöpfchen geflochtenen Haaren passen die Schwestern auch optisch perfekt zu Anlass und Programm. Etwa 300 Gäste, so viele wie noch nie in den vergangenen vier Jahren, sind gekommen.

Die ökumenische Schulgemeinschaft der Albertville-Realschule gestaltet das Fest mit unterhaltenden und informativen Elementen immer wieder anders. Das Ziel bleibt gleich: Geld für namibische Kinder im Dorf Hoachanas sammeln, deren Eltern kein Geld haben, um ihnen ausreichend Essen zu kaufen.

In der ersten Feststunde essen die Gäste, Schüler, Eltern und Lehrer, aber auch Flüchtlinge aus der nahen Gemeinschaftsunterkunft und Interessierte aus der Bevölkerung und lauschen der Musik einer Gruppe Gambier, die mit extrem schnell wirbelnden Händen auf fünf Bongos trommeln und mit ihrem Sänger nun richtig exotisches Flair reinbringen. Am Ende des Stücks werden die Rasseln immer schneller und die beiden Nicht-Trommler tanzen gebeugt auf der Stelle trippelnd.

Haben die Vorfälle von Köln die Stimmung in der ökumenischen Schulgemeinschaft beeinträchtigt? „Nein, die Hilfsbereitschaft nimmt eher zu“, sagt Heinz Rupp. 80 Schüler seien bei ihm und seinen Kollegen angemeldet. Es gibt verschiedene Projekte, aber ein zentrales ist das Spendensammeln für die sechs Kinder und ihre Köchin in der ARS-Suppenküche in Namibia. „Die neueste Idee ist, dass unsere Kinder ein Buch erstellen, in dem sie unseren Alltag beschreiben. Sie wollen von den Namibiern wissen, wie sie leben.“ Auch kleine Gegenstände sollen ausgetauscht werden.

Kinder werden dank Essen und Betreuung besser in der Schule

„Man beobachtet einen Stimmungsumschwung eher außerhalb der Schule“, so Heinz Rupp. Nicht jedoch beim Fest am Donnerstag. Wie selbstverständlich sind hier die Menschen beisammen. Wobei an der Hautfarbe erkennbare Afrikaner schüchtern unter sich zu bleiben scheinen. Zwei Flüchtlinge, einer aus Syrien, einer aus Eritrea, erzählen in einem Klassenzimmer vor 40 Festgästen von der dramatischen Situation in ihrer Heimat und von ihrer Flucht, teils mit Fotos und Videos. Da kam nicht nur Schulleiter Sven Kubick etwas bleich und mitgenommen aus dem Raum.

Das Fest ist ein bisschen wie der Wochenmarkt mit Ess- und Infoständen und Straßenmusikern. Nur, dass eben hier die Schülerfirma Klamottenkiste und der Weltladen die fair gehandelten Produkte anbieten – und drei Projekte, die Hilfe in Afrika leisten, sich vorstellen. Unter ihnen natürlich Barbara und Jürgen Marx, die zwischen der ökumenischen Schulgemeinschaft, den Brieffreundschafts-Klassen der Albertville-Realschule und der deutschen Vorsitzenden des Kinderfonds für Hoachanas den Kontakt hergestellt haben und halten helfen.

Jürgen Marx zeigt optimistisch stimmende Fotos. „Irgendwann sollen uns die Menschen dort nicht mehr brauchen. Wir sind auf einem guten Weg.“ So hat zum Beispiel die Köchin einer der zehn Suppenküchen ein neues Gebäude bekommen mit der Auflage, Geld zu verdienen. Ihr Lohn fürs Bekochen der sechs Kinder besteht lediglich darin, dass sie mitessen darf. In dem Gebäude jedoch kann sie Stickereien oder einen Imbiss verkaufen. „Der Fonds hilft ihr beim Sprung in die Selbstständigkeit.“ Jürgen Marx berichtet auch, dass das regelmäßige Essen und die Betreuung zum schulischen Erfolg der Kinder beitragen – 50 aus Hoachanas können die Highschool besuchen, so viele wie noch nie. Das geht neuerdings am Ort, was 130 Kilometer Schulweg und damit Geld spart.

Projekttag- und Festerlös: Etwa 5 000 Euro

Jürgen Marx hat noch mehr gute Nachrichten aus Namibia. „Der Staat hat das Schulgeld abgeschafft. Geld, das Paten für Kinder gespendet haben, damit sie die Schule besuchen können, ist nun für andere Unterstützung frei.“

Die Schule, mit der drei Klassen der Albertville-Schule Briefe austauschen, wird um zwei Gebäude vergrößert. Das liegt an deren gutem Konzept, aber auch an den besseren Leistungen der Schüler. „Im Schulranking für die Region, die so groß wie Bayern ist, stieg die Schule in einigen Jahren vom letzten auf den ersten Platz auf“, so Jürgen Marx’ aktuelle Information.

In drei Jahren hat die ökumenische Schulgemeinschaft 9 125 Euro gespendet. Durch den Projekttag, an dem Albertville-Schüler arbeiten und den Lohn spenden, ist 2015 der Festerlös von 2 570 Euro mehr als verdoppelt worden. 150 Essen kosten pro Woche in Hoachanas 800 Euro.

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