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Winnenden. Auf dem Fußboden der Albertvilleschulenaula sitzen eine Menge Kinder und horchen fast andächtig kurze Apfel-Geschichten an. Die Bescherung liegt schon hinter ihnen: Die Bürgerstiftung hat jeder Gruppe Geld ausbezahlt fürs Äpfelauflesen im Herbst, je nach Einsatz zwischen 180 und 780 Euro. Die Bürgerstiftung veranstaltet im Januar für das Jugendprojekt zu Recht einen so großen Bahnhof, findet etwa der Rektor der Werkrealschule, Markus Klein.
Alle reden vom Wert unserer Streuobstwiesen, aber wenn es darum geht, sie zu pflegen, herrscht meist über allen Wipfeln Ruh’, das weiß auch Markus Klein. Umso löblicher sind die Initiativen im Kreis, die sich mit neuen Ansätzen an eine Attraktivitätssteigerung machen; sei es das Biozertifikat für Wieslesbesitzer oder Vereine, die eine höhere Bezahlung garantiert, sei es die IG Streuobst in Kernen, die sogar jemanden beschäftigt, der Wiesen mäht. In dieser Reihe zu nennen ist in jedem Fall das in Winnenden vor sechs Jahren ins Leben gerufene Projekt „Streuobst sammeln für die soziale Jugendarbeit“, dessen aktiver Anführer Heinz Reichert ist.
Heinz Reichert begleitet 870 Apfelaufleser
Der Winnender hat im Ruhestand den Fachwart gemacht und schneidet bei Privatleuten Obstbäume gegen Spende, die er aufs Apfelgeld der Jugendlichen drauflegt – 410 Euro. Reichert wirbt bei den Wieslesbesitzern dafür, auch ihre Ernte zu spenden. Im Herbst haben sich fünf Kindergartengruppen, 19 Grundschulklassen und eine Elterinitiative, eine Klasse von der Haselsteinschule, sieben von der Robert-Boehringer-Werkrealschule, die Uwelt-AG der Albertville-Realschule, 40 Jugendliche vom Sportverein Breuningsweiler und die Jugendfeuerwehr bei Reichert gemeldet und sind zur ausgemachten Zeit zum Aufsammeln angerückt, auf städtische und private Grundstücke. Reichert ist stets dabei, bringt Anhänger, Säcke und Körbe, leitet an, lobt und erfasst genau, wie viel die einzelnen Gruppen bei Ernteband in Winnenden abliefern. Im vergangenen mittelprächtigen Apfeljahr haben 870 Kinder 18 000 Kilogramm zusammengeklaubt.
Der Safthersteller Ernteband trägt auch sein Scherflein bei und stockt den normalen Betrag, vergangenes Jahr gab’s neun Euro auf 100 Kilo Äpfel, mit einer Spende um 2,70 Euro pro Doppelzentner auf. Die Bürgerstiftung legt noch 1099 Euro drauf. Aus dem Jahr 2010 waren 600 Euro vom Kulturlandschaftspreis übrig (wir berichteten).
Markus Klein, Rektor der Robert-Boehringer-Werkrealschule, weiß, was zum einen für ein G’schäft die Pflege einer Streuobstwiese ist, das man als Kind im ländlichen Bereich gut kennt, im städtischen wie Winnenden von Haus aus eher nicht. Seinen Schülern habe es „großen Spaß gemacht“, Äpfel aufzulesen, erstens im Kreis der Kameraden und Freundinnen, zweitens „ist es nicht das öde Pauken“. Die Schule kann am Beispiel einer Ladung Äpfel trotzdem Bildungsinhalte vermitteln: 336 Kilogramm haben zwei siebte Klassen selbst gepresst und auf dem Markt verkauft, so haben sie errechnet, wie viel Arbeitszeit steckt in einer Flasche Saft, was verdient man an einer Flasche Saft. „Außerdem haben wir eine Blindverkostung mit Discountersäften und unserem Saft gemacht“, berichtet Markus Klein von der Geschmacksschulung der künftigen „mündigen Verbraucher“.
Mit den 780 Euro Apfelgeld stellen sieben Klassen der Robert-Boehringer-Schule in etwa das Gleiche an wie die anderen Aufleser: Sie belohnen sich mit einem Ausflug oder einer Anschaffung. Insgesamt hat die Bürgerstiftung 4170 Euro verteilt.
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