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Winnenden. Der Punksong pulst, dann plätschert er auf einmal nur noch, die Gitarrentöne versanden, das Schlagzeug verstummt jäh: „Wir haben den Schluss verkackt“ stellt Martin nüchtern fest. „Aber der Rest war doch gut“, lobt Bandtrainer Stephan Tadic. „Wie fühlt ihr euch, wenn ihr euch anguckt, mehr Kontakt zueinander habt?“ Die vier Jungs im Nebenraum der Disco Samba sind sich einig: Viel besser als vorher. Der Tipp vom Profi, sich anders hinzustellen, hilft ihnen, eine Band zu werden.
Zweimal im Monat treffen sich Jugendliche und Erwachsene in leicht wechselnder, aber zahlenmäßig steigender Besetzung. Bei der Probe am vergangenen Donnerstag hatten die vier Punk-Fans einen Coach, Stephan Tadic aus Nellmersbach, und in der anderen Gruppe mit etwas jüngeren Musikern hatte sogar jeder Jugendliche seinen eigenen Coach zur Seite. Sie haben sich spontan einen Song von Alanis Morissette vorgenommen, ein Wunsch von Anton (12), entspannter Pop, schon durchaus spielbar für den Zwölfjährigen, der beim zweiten Teil des Liedes genau auf die Handgriffe von Peter Hauenstein aus Backnang guckt.
Tipps der Routinierten nehmen Jungen das Lampenfieber
Amelie nähert sich stimmlich schon ordentlich dem Original, ihr Coach Ramona Moser, Duopartnerin von Hauenstein, schnippt mit den Fingern den Takt, um sie ein bisschen voranzutreiben. David spielt lässig federnd das Schlagzeug zu „Ironic“. Bei einer kurzen Unterbrechung gibt ihm Erich Kluiber den Tipp, den Wechsel zwischen Strophe und Refrain mit einem kleinen Trommelwirbel anzukündigen. „Ich bin keiner, der draufhaut“, gibt David zu bedenken, und Erich beschwichtigt: „Noi, nur betonen, jetzt kommt was anderes.“Als sich die Gruppe das Lied von der CD nochmal anhört, um die nächste Strophe vorzubereiten, erschallt besagte trommlerische Spannungssteigerung.
Eigentlich ist Erich Kluiber Basser bei Grooveteeth und Kubikmeter, kommt aus Nellmersbach und hat Lust darauf, junge Leute zu motivieren. „Wer einfach so für sich oder mit seinen Freunden daheim übt, kriegt keine Tipps. Wir mit unserer Banderfahrung können was zum Spielen sagen, hier haben die Jugendlichen Gelegenheit, Fragen zu stellen. Und unterschwellig nimmt ihnen das auch das Lampenfieber. “
Nicht jeder kann seine eigene Band zusammenstellen
Natürlich hat auch nicht jeder, der E-Gitarre oder Keyboard lernt, daheim einen geeigneten Probenraum und tolerante Nachbarn, geschweige denn einen Freundeskreis, in dem alle zur Band fehlenden Instrumente und Sänger rekrutiert werden können. Im Musiccamp findet man leichter zueinander – auch wenn das Projekt mit sieben Gitarristen gestartet ist, also eher ein Fall für den Gitarrenweltrekord war.
Mittlerweile kennt man sich besser, hat sich ein bisschen nach Alter und Musikgeschmack aufgeteilt und nimmt in Kauf, sich in die kleineren Räume zu begeben, statt die Bühne im großen Saal zu nutzen. Gastronom Felice De Cata hat mit seinem Angebot, die Disco am Nachmittag zu nutzen, den Stein überhaupt erst ins Rollen gebracht. Bot den Kunsttrefforganisatoren ein warmes, trockenes Plätzchen für Proben an, in idealer Industriegebietlage hinter Konz. Der Wirt stellt Tanzgruppen seinen Saal zur Verfügung und sprach auch Sigi Beck, einen der Kunsttreff-am-Markt-Organisatoren an, ob er nicht eine Idee zur Belebung der Räume habe. Der hatte. Seit Herbst bringt das Musiccamp junge mit erfahrenen Musikern zusammen.
Wie aus einem halben Gitarristen ein ganzer wird
Die entstandene Atmosphäre ist schon eine besondere: Man merkt, dass niemand unter Druck steht, es ist ein ruhiges, konstruktives Miteinander. Nach der „Ironic“-Probe schlägt Mike vor, nächstes Mal „Holdiay“ von Greenday zu proben. Peter Hauenstein äußert Skepsis: „Passt das zu Amelie? Der Song ist für einen Mann geschrieben.“ Kurzes Überlegen. „Außer einer von euch fängt an zu singen. Das musste ich mir mit Zwölf auch anhören: Ein Gitarrist, der nicht singt, ist nur ein halber Gitarrist.“ Die Jungs gucken ihn von schräg unten an, Mike versteckt den Blick halb unter seinem langen Pony. Peter Hauenstein läuft sich warm in seiner Ermunterung: „Ich weiß, es ist ein schwieriges Alter, Stimmbruch und der ganze Scheiß. Aber wenn ihr anfangs innerlich mitsingt, irgendwann kommt's aus euch raus – das gibt euch dermaßen Sicherheit!“
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