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WinnendenVideo - Pünktlich zum Fasching: Bunte Vögel

Martin Schmitzer, vom 02.02.2013 00:00 Uhr
Winnender Äpfel schmecken den Seidenschwänzen beim Wunnebad. Foto: Habermann/ ZVW
Winnender Äpfel schmecken den Seidenschwänzen beim Wunnebad.Foto: Habermann/ ZVW

Winnenden. Noch ein paar Tage, dann ist schmotziger Donnerstag. Die Natur weiß das. Zumindest in diesem Jahr schickt sie uns eine ganze Prinzengarde voller bunter Vögel: Um die hundert Seidenschwänze flattern um die Bäume beim Wunnebad, und diese Invasion ist aus der Sicht der Naturfreunde des Nabu eine Sensation.

Obwohl diese schönen Kerle aussehen wie Karnevalsprinzen mit ihren schwarz, gelb und orange gemusterten Frackschößen und ihrem Kopfbürzel, der fast mit einer kölschen Jeckenmütze konkurrieren könnte, schaffen sie es nicht jedes Jahr uff d’Fasnet, zumindest nicht auf die von Winnenden. Es sind gesellige Brüder, die Seidenschwänze, sie ziehen gerne im Schwarm umher, lassen sich aber nicht jedes Jahr in all ihrer Schönheit im Württembergischen blicken. Obwohl sie es in den Wiesen am Zipfelbach und Buchenbach ganz gut haben: Immer noch hängen an vielen Obstbäumen Äpfel oder Birnen, die den Vögeln schmecken, und die von den Kindern und Jugendlichen im Streuobstprojekt der Bürgerstiftung doch nicht abgeerntet wurden. Naturkenner vom Nabu wissen: Diese lustigen Vögel fliegen bis nach Mitteleuropa, weil sie Hunger haben. Sie finden dieses Jahr nicht genug zum Fressen in den sibirischen Regionen, in denen sie heimisch sind.

Immer wenn der Winter im Norden besonders kalt ist, und wenn die Seidenschwänze alle Vogelbeersträucher leer gefressen haben, dann fliegen sie notgedrungen weiter nach Süden, wenn’s sein muss, bis zum Zipfelbach. Dort finden sie Nahrung in Hülle und Fülle, es muss für sie ein richtiger Schmotziger sein, der ja für manche Menschen ein Tag mit reichhaltigem Schmalzgebäck, mit im Fett gebackenen Fasnetsküchle, ist. Sie (die Vögel) flattern und zwitschern dann auch ziemlich fidel umeinander und richten sich für einige Tage in diesem Nahrungsparadies ein. Ob sie an Aschermittwoch wieder direkt zurück nach Sibirien fliegen, ist nicht bekannt. Vielleicht bleiben sie so lange, bis sich in Nordeuropa der Frühling regt.

Nabu-Naturbeobachter Horst Schlüter sagt: „Bisher habe ich die Invasionen immer so erlebt, dass man zwar gehäuft Seidenschwänze beobachten konnte, aber es waren immer Zufallsbeobachtungen. Dieses Jahr ist es anders, so kann man beispielsweise seit 25. Januar morgens in den Apfelbäumen des Wunnebadparkplatzes bis zu 100 Seidenschwänze beobachten, wie sie an den in den Bäumen hängenden Äpfeln nagen. Auch im Gebiet Gießübel - Sonnenhang bei Birkmannsweiler halten sich schon seit mehreren Tagen Trupps auf, und auch in Bretzenacker konnte ich Seidenschwänze antreffen.“

Wenn anderswo Apfelbäume wenig tragen, fliegen die Vögel weiter

Schlüter vermutet, dass in vielen anderen Regionen die Apfelernte ziemlich schlecht gewesen sein muss, so dass das Nahrungsangebot (Äpfel) in unserer Region für die Seidenschwänze besser ist. „Sicherlich ist das auch mit ein Grund, weshalb man diesen Winter ungewöhnlich viele und große Schwärme von Wacholderdrosseln bei uns findet“, meint Horst Schlüter.

Von Seidenschwanzschwärmen in dieser Größenordnung wurde in den letzten Jahren nichts bekannt. Im April 2009 haben Zeitungsleser zuletzt von Seidenschwänzen in Winnenden berichtet, kleine Schwärme mit etwa 40 Vögeln. Im Winter 2005/05 beobachteten Nabu-Mitglieder kleine Schwärme von Seidenschwänzen im Raum Schorndorf. In den 60er Jahren, so erinnert sich Schlüter, hat er viele Seidenschwänze im Raum Winnenden beobachtet. Aber dann kamen für viele Jahre keine mehr.

 

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