Winterbach Neue Ausstellung von Ingrid Bürk-Zeeb

Reinhold Manz, 20.10.2016 00:00 Uhr
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Erdige Landschaften, durchzogen von Wurzelsträngen: Ingrid Bürk-Zeeb will in ihren Werken die Natur nachbilden.	Bilder: Palmizi
 Foto: Palmizi / ZVW
Erdige Landschaften, durchzogen von Wurzelsträngen: Ingrid Bürk-Zeeb will in ihren Werken die Natur nachbilden. Bilder: Palmizi Foto: Palmizi / ZVW

Winterbach. In Winterbach ist in diesen Tagen eine geballte Ladung Kunst geboten. Am Wochenende ist nicht nur „Winterbach Art“, es gibt auch eine davon unabhängige Ausstellung des Kulturrings mit Ingrid Bürk-Zeeb. Unter dem Titel „Wo meine Wurzeln liegen ...“ zeigt sie Werke, die Wachsen und Werden der Natur abbilden und damit ihrem eigenen und dem Ursprung des Menschen im Allgemeinen nachspüren.

Video: Ausstellung "Wo meine Wurzeln liegen..." der Winterbacher Künstlerin Ingrid Bürk-Zeeb im Alten Rathaus in Winterbach.

Wo komme ich her? Die Frage nach den eigenen Wurzeln ist für jeden Menschen an der einen oder anderen Stelle des Lebens von Bedeutung, ja im Grunde bestimmt sie das ganze Leben. Fragt man Ingrid Bürk-Zeeb, wo sie herkommt, ist das die Antwort: „Ich würde sagen, ich komme aus dem Wald.“ Ganz wörtlich genommen müsste man sagen: aus dem Welzheimer Wald. Im alten Schulhaus von Kirchenkirnberg (heute Teilort von Murrhardt) wuchs sie als eines von fünf Kindern auf. „Es war Krieg“, so beschreibt sie die Welterfahrung ihrer Kindertage in den 40er Jahren. „Tod und Armut herrschten.“ Geborgenheit gaben ihr die Familie und die Natur. Der Wald hinter dem Haus war ihr Spielfeld und der Ort, wo sie zum ersten Mal künstlerisch tätig war.

Die Natur ist bis heute das Thema von Ingrid Bürk-Zeebs Schaffen. Im Alten Rathaus in Winterbach sind jetzt sehr verschiedene Arbeiten von ihr zu sehen: Skulpturen, Bilder, Installationen und Skizzen.

Alles hat Tiefe, mehrere Dimensionen. Die Bilder, die an den Wänden hängen, sind modelliert aus etwas, das Ingrid Bürk-Zeeb „Maurer-Masse“ nennt, dessen Rezeptur sie aber nicht verrät. Daraus formt sie erdige Landschaften, durchzogen von Spalten und Rissen, von Wurzelsträngen, koloriert mit eingewischten Farben.

Flügel brechen aus , bleiben aber mit dem Ei verbunden

Risse und Wurzeln tragen auch die Skulpturen in verschiedenen Formaten. In einer Ecke des Rathaus-Foyers winden sich lehmig-hellbraune Stränge bis in zwei Meter Höhe, eingeklemmt in einen Rahmen aus schwarzen Platten.

Eingehegt in einen Rahmen sind auch einige kleinere Stelen, aber oben brechen die Skulpturen aus, Blüten, Flügel schwingen sich auf. Jedoch: Sie bleiben hängen, verbunden nach unten mit einem Samenkorn oder einem Ei. So trage jeder sein eigenes Schicksal, seine Herkunft, seine Prägung durch Natur und Eltern mit sich, sagt Ingrid Bürk-Zeeb, die Frage sei: „Wie weit kann man fliegen?“ Wie kann man sich individuell entwickeln in Abhängigkeit von dem Ei vom Samenkorn, das man mit sich herumträgt?

In einer anderen Skulptur windet sich ein Flügelpaar in und heraus aus einem goldenen Käfig. Wieder geht es um Freiheit und das, was beim Wegfliegen behindert. „Man hat Geld, kann sich vieles leisten, aber vergisst ein bisschen sich selbst dabei“, assoziiert die Künstlerin. Sie selbst, sagt sie, leiste sich als einzigen Luxus ein Atelier.

Auf dem Heimweg zu Fuß von dort nach Hause entstand die Idee zu einem weiteren Werk. Es ist eines ihrer neuesten und hebt sich von den anderen Ausstellungsstücken ab: das Relief zweier sich gegenüberstehender Stühle, dazwischen silbrige Schraubenköpfe, ein langgezogenes Rechteck in von hell nach dunkel fließendem Blau und darüber nicht Natur, sondern Technik, Kabel und Stecker. So setzt Ingrid Bürk-Zeeb um, was sie wahrnimmt, abends beim Gang durch die dunklen abendlichen Straßen Winterbachs vorbei an den hell erleuchteten Wohnzimmerfenstern: Menschen, die schweigend zusammensitzen und fernsehen. Hier ist keine Natur mehr zu sehen, hier dominiert die Technik, hier rankt sich nichts, hier lebt, flattert oder schwebt nichts, gerade Linien dominieren.

Hieraus kann man eine Empfehlung ableiten: Wer mal wieder Leben spüren und dabei vielleicht auch den Wurzeln des eigenen Daseins näherkommen will, der sollte sich von seinen Berieselungsgeräten im Wohnzimmer losreißen und Ingrid Bürk-Zeebs Kunst auf sich wirken lassen.

Die Ausstellung

Vernissage zur Ausstellung „Wo meine Wurzeln liegen ...“ ist am heutigen Donnerstagabend um 19.30 Uhr im Alten Rathaus in Winterbach (Marktplatz 2). Sie ist dann bis Sonntag, 30. Oktober, zu sehen: Mittwoch und Donnerstag von 16 bis 18 Uhr, Samstag von 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Zur Ausstellungseröffnung gibt es eine Einführung von Ulrich Kost. Der Bruder der Künstlerin, Jürgen Zeeb (E-Piano), und Renate Paland (Querflöte) machen Musik.

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